Sierra Leone

Berufungsverfahren gegen Ex-Präsident Charles Taylor begonnen

Charles Taylor steht erneut vor Gericht

Charles Taylor steht erneut vor Gericht

Vor dem Sondertribunal zu Sierra Leone hat am Dienstag das Berufungsverfahren gegen den ehemaligen Präsidenten von Liberia, Charles Taylor, begonnen. Taylor wurde im letzten Jahr zu 50 Jahren Gefängnis wegen Kriegsverbrechen im Nachbarland Sierra Leone verurteilt.

Taylor hatte das Urteil aber angefochten. Zu Beginn des Berufungsverfahrens am Dienstag forderten die Ankläger 80 Jahre Gefängnis für Taylor. Die bisherige Strafe werde dem Ausmass der Verbrechen und seiner aktiven Rolle nicht gerecht, erklärte der Ankläger Nicholas Koumjian.

Taylors Verteidiger plädierten hingegen auf Freispruch und nannten das Urteil einen "groben Justizirrtum". Der 64-Jährige habe die Verbrechen nicht selbst begangen und diese auch nicht beabsichtigt. Der Angeklagte selbst verfolgte die Anhörung mit gespannter Aufmerksamkeit.

Die Anhörungen im Berufungsverfahren werden am (morgigen) Mittwoch fortgesetzt. Ein Urteil wird für September erwartet. Taylor müsste die Gefängnisstrafe in einem britischen Gefängnis verbüssen.

Rebellen mit Waffen beliefert

Im April 2012 war Taylor als erstes ehemaliges Staatsoberhaupt nach den Nürnberger Prozessen der Anstiftung und Beihilfe zu Kriegsverbrechen schuldig gesprochen worden. Er hatte die Rebellenbewegung RUF mit Waffen und logistischen Mitteln im Tausch für "Blutdiamanten" ausgestattet.

Die "Revolutionary United Front" war berüchtigt für eine Terrorkampagne in Sierra Leone. Die Rebellen hatten gemordet und vergewaltigt sowie vermeintlichen Gegnern Hände und Beine abgehackt.

Taylor hatte stets seine Unschuld beteuert und von einem internationalen Komplott gegen ihn gesprochen. Der Prozess gegen ihn war 2006 aus Sicherheitsgründen nach Den Haag verlegt worden.

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