Deutschland

Berufungsprozess um Holocaust-Leugnung von Bischof Williamson

Williamson sieht sich als Opfer

Williamson sieht sich als Opfer

Der wegen seiner Holocaust-Leugnung heftig umstrittene Bischof Richard Williamson sieht sich als Opfer einer Täuschung. Das liess der 71-jährige Brite am Montag im Berufungsprozess wegen Volksverhetzung vor dem Landgericht in Regensburg erklären.

Er sei davon ausgegangen, dass seine in einem Interview des schwedischen Fernsehens gemachten Aussagen nicht in Deutschland veröffentlicht werden, so Williamson.

Obwohl der zur erzkonservativen Piusbruderschaft gehörende Bischof das Interview mit dem schwedischen Fernsehen führte, ist die Justiz in Regensburg zuständig. Williamson hatte das Interview, in dem Williamson die Existenz der Gaskammern und die millionenfache Judenvernichtung bestritt, in einem Priesterseminar der Piusbrüder nahe Regensburg gegeben.

In erster Instanz war Williamson im vergangenen Jahr vom Regensburger Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 10'000 Euro verurteilt worden. Dagegen gingen sowohl die Verteidigung, die auf Freispruch plädiert hatte, als auch die Staatsanwaltschaft in Berufung.

Verteidiger: Es geht nicht um den Inhalt

Die Verteidiger kündigten am Montag an, erneut einen Freispruch oder eine Verfahrenseinstellung zu beantragen. Es gehe in dem Fall nicht um den Inhalt der Äusserungen, sondern um das Telemediengesetz und auch völker- und europarechtliche Zuständigkeitsfragen.

Entscheidend sei, dass das Gespräch ausdrücklich nicht zur öffentlichen Ausstrahlung in Deutschland bestimmt gewesen sei, erklärten Williamsons Verteidiger Edgar und Benjamin Weiler. "Der Angeklagte war über den Zweck des Interviews getäuscht worden", hiess es in einem von zwei Beweisanträgen der Verteidiger.

Diese beantragten, den für das Interview verantwortlichen Journalisten erneut als Zeugen zu laden - allerdings hatte Schweden ein entsprechendes Rechtshilfeersuchen Deutschlands mit dem Hinweis auf die in Schweden geltende grundsätzliche Meinungsfreiheit bereits in erster Instanz abgelehnt.

Kritik am Papst

Die Aussagen Williamsons hatten Papst Benedikt XVI. 2009 in die bislang grösste Krise seines Pontifikats gestürzt. Nahezu zeitgleich mit Bekanntwerden des Interviews war publik geworden, dass der Papst die seit Jahren bestehende Exkommunikation des Bischofs und dreier weiterer Pius-Bischöfe aufhebt. Der Papst war dafür weltweit heftig kritisiert worden.

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