USA

Bernie Sanders hat recht: Die Reichsten werden dank tiefer Steuern immer reicher

Bernie Sanders ist ob der wachsenden Einkommensschere besorgt – und plant dagegen vorzugehen.

Bernie Sanders ist ob der wachsenden Einkommensschere besorgt – und plant dagegen vorzugehen.

Der US-Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders ist der Ansicht, dass es auf der Welt keine Milliardäre geben sollte. Die wachsende Einkommens- und Vermögensschere ist ihm ein Dorn im Auge.

Immer wieder bringt Sanders das Beispiel der drei reichsten Amerikaner: Amazon CEO Jeff Bezos, Microsoft-Gründer Bill Gates und Berkshire Hathaway CEO Warren Buffett. Sie haben mehr Vermögen als die unteren 50% der amerikanischen Bevölkerung zusammen. Das sind 160 Millionen Amerikaner. Aus diesem Grund möchte Sanders die Reichsten höher besteuern.

Die «Washington Post» veröffentlichte gestern Montag neue Daten, die zeigen, dass hauptsächlich das reichste Prozent der Amerikaner vom Wirtschaftswachstum seit den Siebzigerjahren profitiert. Die unteren 50 Prozent spüren davon praktisch gar nichts.

Erlaubt hat dieses Wachstum das rasant steigende jährliche Einkommen der Reichen in Kombination mit degressiver Besteuerung. Seit den Siebzigern konnte das obere Prozent der Bevölkerung das totale Vermögen verdreifachen. Kurz: Die Reichsten werden immer reicher.

Die unteren 50 Prozent nehmen jährlich lediglich 8000 US-Dollar mehr nach Hause als noch vor 50 Jahren – 100 mal weniger als das Einkommenswachstum des oberen Prozent, das jährlich 800'000 Dollar mehr als in den Siebzigern verdient. Bei den oberen 0.1 und 0.01 Prozent sind die Zahlen noch krasser: Sie verdienen fünf beziehungsweise siebenmal mehr als vor fünf Jahrzehnten.

Die Daten stammen von Gabriel Zucman, einem Ökonomen der Stanford Universität im US-Bundesstaat Kalifornien. Zucman weist auch darauf hin, dass die Mittelklasse sehr schwaches Einkommenswachstum vorweisen kann.

Gegenüber der «Washington Post» sagt der Ökonom, dass es bei den mittleren 40 Prozent besser aussieht als bei den unteren 50 Prozent, «aber ihr Einkommenswachstum immer noch sehr niedrig ist».

Um die massive Einkommensschere verstehen zu können, muss das rasante Einkommenswachstum und die effektive Besteuerung verschiedener Einkommensklassen berücksichtigt werden. Während die Ungleichheit des Einkommens über all die Jahre wuchs, wurde die Besteuerung nach oben immer stärker degressiv. Eine sehr ungesunde Entwicklung, da sich die beiden Faktoren gegenseitig verstärken – und dadurch die Reichen immer reicher macht.

Bernie Sanders möchte, falls er US-Präsident werden würde, die Reichen deutlich höher besteuern. Seine Idee mag bei den Vermögenden nicht gut anzukommen, aber bisherige staatliche Umverteilungsmechanismen scheinen nicht stark genug zu sein. Es könnte ein erster Ansatz sein, um die Einkommensschere zu schmälern. (mim)

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