20 Minuten lang warb der 75-jährige Medienzar in einer Regierungserklärung vor dem Abgeordnetenhaus für seine Mitte-Rechts-Koalition. Er sprach allerdings zu einem halbleeren Saal, weil die Opposition die Rede grösstenteils boykottierte. Das Vertrauensvotum findet am (morgigen) Freitag statt.

Der Ministerpräsident des hoch verschuldeten Landes gab sich dennoch siegessicher. "Denen, die heute unseren Rücktritt fordern, antworten wir, dass wir nicht nachgeben können: Nicht, weil wir unsere Macht bewahren wollen, sondern weil diese Regierung keine glaubwürdige Alternative hat."

Bossi unterstützt den Premier

Berlusconis Verfahren ist erprobt: Über 50 Vertrauensfragen überstand der skandalgeplagte Premier bereits seit seinem Amtsantritt im Jahr 2008.

Die linke Opposition bezeichnete die Rede des Premiers als "realitätsfern" und "peinlich". Dennoch könnte es dem Regierungschef nach Einschätzung von Beobachtern erneut gelingen, seine Reihen bei dem Vertrauensvotum geschlossen zu halten.

Demonstrative Unterstützung erhielt Berlusconi vom Koalitionspartner Bossi, der in der Vergangenheit wiederholt in Frage gestellt hatte, dass sich die Regierung bis zu den turnusgemässen Wahlen 2013 im Amt halten könne. Der Regierungschef habe vor den Abgeordneten eine überzeugende Rede gehalten, sagte Bossi.

"Zwischenfall ohne Folgen"

Am Dienstag hatte Berlusconis Mitte-Rechts-Koalition bei einer Routine-Abstimmung über Haushaltsvorgaben nicht die erforderliche Mehrheit zusammenbekommen. Bei dem Votum ergab sich ein Patt zwischen Regierungs- und Oppositionsfraktionen.

Politische Brisanz hatte der Vorfall, weil Finanz- und Wirtschaftsminister Giulio Tremonti der Abstimmung fernblieb. Seine faktische Niederlage tat der Ministerpräsident als einen parlamentarischen "Zwischenfall ohne Folgen" ab. Dieser solle jetzt mit einem neuen Gesetzesentwurf bereinigt werden, sagte er.