Italien

Berlusconi 2.0: Jetzt setzt Silvio Berlusconi auf Tochter Marina

Marina, Tochter des Cavaliere.key

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Silvio Berlusconi, gemäss Umfragen der sichere Wahlverlierer, sucht verzweifelt nach einem Plan B. Vielleicht findet er diesen in der Familie.

Die Umfragen sind deprimierend. Berlusconis Partei PDL, die bei den Parlamentswahlen 2008 noch 38 Prozent der Stimmen erhalten hatte, kommt nicht einmal mehr auf die Hälfte. Eine eigene persönliche Liste käme im besten Fall auf 10 Prozent. Eine Demütigung.

Nachdem der Cavaliere mehrfach eine eigene Kandidatur angekündigt hatte, um sie später wieder zu dementieren, hat er inzwischen erkannt, dass er selbst den drohenden Wahlsieg der «Kommunisten» nicht mehr verhindern kann. Aber wer sonst? Seinem Parteisekretär Angelino Alfano hat er frühzeitig bescheinigt, nicht über das «gewisse Etwas» zu verfügen. Und den «Amazonen», wie die von Berlusconi auf die Wahllisten gehievten PDL-Abgeordneten mit den langen Beinen und aufgespritzten Lippen parteiintern genannt werden, traut er das schwere Amt eines Ministerpräsidenten auch nicht zu.

Gesucht: Ein Berlusconi wie 1994

So befindet sich der Ex-Premier nach wie vor auf der verzweifelten Suche nach einem Plan B. «Es bräuchte wieder einen Berlusconi wie 1994», seufzte der Cavaliere vor wenigen Tagen an einer Parteisitzung. Seither schiessen in Rom die Spekulationen ins Kraut: Ein Berlusconi wie 1994? Damit kann ja wohl nur seine älteste Tochter Marina gemeint sein. Über einen möglichen Einstieg Marinas in die Politik ist in Rom schon öfter spekuliert worden, zuletzt 2011 im Gefolge des Ruby-Skandals.

Geschäftlich ist die 46-Jährige längst in die Fussstapfen ihres Vaters getreten: Sie leitet seit 2003 das familieneigene Verlagshaus Mondadori, seit 2005 ist sie zudem Präsidentin der Familienholding Fininvest, zu welcher auch das TV-Imperium Mediaset, der Fussballklub AC Milan und ein grosses Immobilienvermögen gehören.

Die älteste Tochter des Patriarchen ist in mannigfacher Hinsicht ein Abbild, ja eine Karikatur ihres Vaters. Sie besitzt dessen Geschäftssinn, die Durchsetzungskraft und die Rücksichtslosigkeit; sie teilt den Abwehrreflex des Vaters gegen die Justiz – und sie ist eine der wenigen im Lande, die den gelifteten und haartransplantierten Cavaliere bezüglich plastischer Chirurgie noch zu überbieten vermag.

Im PDL hält sich der Enthusiasmus über eine etwaige Kandidatur Marinas in überschaubaren Grenzen. «Das entspräche der Einführung der Monarchie», meinte der langjährige Abgeordnete Gaetano Pecorella. Ausserdem hatte man doch beschlossen, den Spitzenkandidaten des PDL durch Vorwahlen zu bestimmen. Doch von diesen Vorwahlen und von Abmachungen ganz generell hält Berlusconi wenig. Und hat er nicht selber angekündigt, vor den Wahlen noch ein Kaninchen, nein: einen Dinosaurier aus dem Hut zu zaubern?

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