Ein Bericht der Aufsichtsbehörden hält gar ein Fehlverhalten der Polizei für wahrscheinlich. Die Häufung an Zeugenberichten lasse es "plausibel" erscheinen, dass gegen die Regeln zur Anwendung von Gewalt verstossen wurde, heisst es in einer Kurzfassung, die das Innenministerium am späten Montagabend veröffentlichte.

Die Versäumnisse betreffen demnach insbesondere den Gewalteinsatz, eine übermässige Nutzung von Reizspray und die Zerstörung von Eigentum der Migranten.

Mehr als 1000 Polizisten sollen in der nordfranzösischen Hafenstadt die Entstehung neuer Elendslager verhindern und Migranten davon abhalten, illegal nach Grossbritannien zu kommen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte ihr Vorgehen im Sommer schwer kritisiert, der französische Obmann für Bürgerrechte beklagte "Grundrechtsverletzungen von aussergewöhnlicher und beispielloser Schwere".

Das Innenministerium stellte nun heraus, dass der Einsatz für die Beamten laut dem Bericht sehr schwierig sei, und sie häufig Ziel von Wurfgeschossen seien. Zudem habe die Untersuchung keinen Beleg für die schwersten Vorwürfe von Human Rights Watch erbracht.

Vor einem Jahr hatten die Behörden in Calais ein als "Dschungel" bekanntes Elendslager geräumt. Rund 7400 Menschen wurden weggebracht, grösstenteils in Aufnahmezentren in ganz Frankreich. Von ihnen haben laut der Migrationsbehörde Ofii rund 42 Prozent inzwischen Asyl erhalten, der Rest wartet noch auf einen Bescheid. 515 Minderjährige aus Calais gelangten mit Erlaubnis der Regierung in London nach Grossbritannien.

Trotzdem halten sich heute nach Schätzungen wieder 500 bis 700 Migranten im Raum Calais auf. Der Beginn der Räumung jährt sich am Dienstag zum ersten Mal.