Vier Monate nach dem mutmasslichen Abschuss der Passagiermaschine MH17 über der Ostukraine haben Experten die Bergung der Wrackteile erneut gestoppt. Es zeichnet sich ab, dass nicht alle Absturzopfer geborgen werden können.

"Wir können zum jetzigen Zeitpunkt nicht sicher sagen, wann und sogar ob wir die letzten neun Opfer bergen können", sagte der niederländische Aussenminister Bert Koenders am Samstag bei einem Besuch der Unglücksstelle. Dennoch werde alles getan, um die vollständige Bergung zu ermöglichen.

Nach Beginn der neuen Bergungsarbeiten in dieser Woche hatten Experten weitere Leichenteile im Absturzgebiet gefunden. Sie wurden am Samstag in fünf Särgen mit einer Militärmaschine in die Niederlande gebracht. Auf dem Flughafen Eindhoven empfingen rund 150 Angehörige von Opfern sowie mehrere Mitglieder der Regierung die sterblichen Überreste mit Ehrbekundungen.

Die Experten mussten die Bergungsarbeiten erneut stoppen. Behindert werden die Arbeiten von Kämpfen des ukrainischen Militärs gegen prorussische Separatisten.

Alles hänge von der Sicherheitslage in der Unruheregion ab, sagte Aussenminister Koenders. Er zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass die Wrackteile geborgen und zurückgeführt werden können. Die niederländischen Ermittler wollen aus den Wrackteilen die Maschine teilweise rekonstruieren.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Die Boeing 777 der Malaysia Airlines war am 17. Juli auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur über der Ostukraine abgestürzt, alle 298 Insassen kamen ums Leben. Die ukrainische Regierung und der Westen gehen davon aus, dass Flug MH17 von prorussischen Separatisten abgeschossen wurde. Russland sieht die Verantwortung hingegen bei Kiew.

Bei den meisten Opfern handelte es sich um Niederländer, weshalb Den Haag die Ermittlungen leitet. In der Ostukraine liefern sich Regierungstruppen und Rebellen seit Monaten Gefechte, die auch eine seit Anfang September geltende Waffenruhe nicht vollständig gestoppt hat. Der Sicherheitsrat in Kiew gab die Zahl der zuletzt bei Gefechten getöteten Soldaten mit 3 an. 15 weitere seien verletzt worden.

Sanktionen bleiben

Im Konflikt, bei dem seit April mehr als 4000 Menschen starben, wollen sich Russland und die USA friedliche Lösung einsetzen. Das sagte US-Aussenminister John Kerry in Peking nach einem Treffen mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow. Es gebe unterschiedliche Ansichten über die Lage in der Ukraine, meinte Kerry.

Weitere Sanktionen gegen Russland seien jedoch weiterhin möglich. "Russlands Entscheidungen werden bestimmen, ob es Sanktionen gibt", sagte Kerry.

Minister Lawrow betonte, es sei wichtig, dass die ukrainische Führung ihre angekündigten Friedensschritte erfülle. "Die Feuerpause wird leider nicht vollständig beachtet. Es wird wieder geschossen", sagte Lawrow der Agentur Interfax zufolge bei den Vorbereitungstreffen zum Asien-Pazifik-Gipfels (APEC).

Russland hatte den USA immer wieder vorgeworfen, die Ukraine zu einer militärischen Lösung des Konflikts im Osten des Landes zu drängen. Es sei vor allem nötig, so rasch wie möglich im Unruhegebiet Donbass die Vereinbarung über eine Trennlinie zwischen den Konfliktseiten zu erfüllen, sagte Lawrow. Diese Trennlinie solle helfen, die Waffenruhe besser zu überwachen.

Von der Demarkationslinie aus sollen dann jeweils 15 Kilometer in beide Richtungen entmilitarisiert werden; dadurch entstünde eine 30 Kilometer breite Pufferzone. Auf diese Fläche hatten sich die Vertreter der Ukraine und der prorussischen Separatisten bereits im September bei einem Treffen in der weissrussischen Hauptstadt Minsk geeinigt.