Deutschland

Benedikt XVI. pocht in Grundsatzfragen auf Positionen des Vatikans

Der Papst segnet in Freiburg die Gläubigen

Der Papst segnet in Freiburg die Gläubigen

Zum Abschluss seiner Deutschlandreise hat Papst Benedikt XVI. vielfach als unnachgiebig kritisierte Haltungen des Vatikans in Grundsatzfragen bekräftigt. Bei einer Messe mit rund 100'000 Besuchern in Freiburg rief er die deutschen Katholiken am Sonntag zu absoluter Papsttreue auf.

Bereits am Samstag beklagte er dort bei einem Treffen mit Vertretern katholischer Laien eine "Krise des Glaubens" in der westlichen Welt.

"Die Kirche in Deutschland wird für die weltweite katholische Gemeinschaft weiterhin ein Segen sein, wenn sie treu mit den Nachfolgern des heiligen Petrus und der Apostel verbunden bleibt", sagte Benedikt am Sonntag bei der Messe in Freiburg.

Aktuelle und künftige Herausforderungen werde sie nur bestehen können, wenn Geistliche und Laien in Treue zu ihrer jeweiligen Berufung zusammenarbeiteten.

Im Gespräch mit Vertretern des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken sagte der Papst am Abend zuvor, es gebe "bei uns einen Überhang an Strukturen gegenüber dem Geist". Trotz seines Wohlstandes sei Deutschland dabei, menschlich und religiös zu verarmen.

Kein Dialog

Kirchliche Reformgruppen zeigten sich vom Papst enttäuscht. Vom ihm sei keinerlei Unterstützung für den von den Bischöfen eingeleiteten Dialogprozess in der unter einem rasanten Mitgliederschwund leidenden Kirche gekommen, sagte Christian Weisner von der "Kirchenvolksbewegung" der Nachrichtenagentur Reuters.

Das Wort Dialog sei kein einziges Mal gefallen. "Dass er dies so ignoriert, ist keine grosse Hilfe für die katholische Kirche in Deutschland."

Kritik an Treffen mit Missbrauchsopfern

Bereits am späten Freitag traf Benedikt in Erfurt fünf von der Deutschen Bischofskonferenz bestimmte Männer und Frauen, die von Geistlichen sexuell missbraucht worden waren, und sprach ihnen laut einer Mitteilung sein "tiefes Mitgefühl und Bedauern" aus.

Das Treffen wurde von unberücksichtigten Opferverbänden scharf kritisiert. Das internationale Netzwerk SNAP sprach von einer schönen aber "bedeutungslosen Geste". Der Papst müsse Kinder schützen, weigere sich aber dies tun. Zudem müsse er härter gegen "Verbrecher-Priester" vorgehen.

In einer Messe auf dem Erfurter Domplatz würdigte Benedikt am Samstagmorgen vor knapp 28'000 Menschen den Beitrag der ostdeutschen Christen zum Mauerfall. Zugleich beklagte der Papst, dass viele Ostdeutsche "mittlerweile fern vom Glauben an Christus" lebten.

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