Grossbritannien

«Battle Royale»: Harry und Meghan wollen sich von Königsfamilie lösen – ein plötzlicher Bruch mit langem Vorlauf

Rückblick auf harmonische Zeiten: Queen Elizabeth II begrüsst mit Prinzgemahl Philipp ihren Ur-Enkel Archie.

Rückblick auf harmonische Zeiten: Queen Elizabeth II begrüsst mit Prinzgemahl Philipp ihren Ur-Enkel Archie.

Das Herzogspaar Harry und Meghan strebt nach Unabhängigkeit und will sich vom Buckingham-Palast abnabeln. Dieser gibt sich zutiefst enttäuscht und äusserst kurz angebunden.

Das abgelaufene Jahr hat Königin Elizabeth II vornehm als «ziemlich holprig» bezeichnet. 2020 beginnt für die britische Königsfamilie mit einer mächtigen Erschütterung: Ohne den Buckingham-Palast zu warnen hat das glamouröse Herzogspaar Sussex seinen weitgehenden Rückzug von ihren royalen Rollen bekanntgegeben.

In Zukunft wollen Meghan und Harry eine «progressive neue Rolle» innerhalb des Königshauses einnehmen, peilen aber gleichzeitig finanzielle Unabhängigkeit an. Dem spektakulären Schritt folgte eine beispiellose öffentliche Ohrfeige: Man sei «verletzt und zutiefst enttäuscht», liess der Palast verlauten.

Der Vorgang lieferte sämtlichen Londoner Zeitungen die Schlagzeile am Donnerstag. «Wir kündigen», meldete Daily Mail, vom Zerwürfnis im Palast schrieb The Times. Während Daily Star den «früher als Prinzen bekannten Royal» hervorhob, konzentrierte sich The Sun auf die Frau an Harrys Seite: «Megxit» lautete das Wortspiel mit dem britischen EU-Austritt.

Kollektiver Notstand in der britischen Presse: Beinahe jede Zeitung des Landes hatte den königlichen Rücktritt auf der Titelseite.

Kollektiver Notstand in der britischen Presse: Beinahe jede Zeitung des Landes hatte den königlichen Rücktritt auf der Titelseite.

Offenbar war das Auflagen-starke Boulevardblatt des US-Medienzaren Rupert Murdoch verantwortlich für den hastigen Schritt. Denn tags zuvor war The Sun mit der Exklusivgeschichte erschienen, die Eltern des acht Monate alten Archie wollten zukünftig weitgehend in Kanada leben, jedenfalls aber ihr Büro dorthin verlegen.

Finanzierung bisher unklar

Damit kam die Auflagen-starke Zeitung der Wahrheit ziemlich nah. In der offiziellen Verlautbarung des Herzogspaares ist zwar nur von «Nordamerika» die Rede, doch gilt unter Eingeweihten Kanada als erheblich wahrscheinlicher als die USA, dessen Präsidenten Donald Trump die bekennende Feministin Meghan herzlich verabscheut.

Die gebürtige Amerikanerin, 38, lebte vor ihrer Heirat mit Prinz Harry, 35, in Toronto; erst kürzlich verbrachte das Paar ein sechs Wochen langes «Sabbatical» auf Vancouver Island vor der Westküste der früheren britischen Kolonie, deren Staatsoberhaupt bis heute die Queen ist. Die bestens vernetzte Schwiegertochter des früheren kanadischen Premierministers, Jessica Mulroney, zählt zu Meghans engsten Freundinnen.

Harry und Meghan treten als "Royals" zurück

Harry und Meghan treten als Royals zurück

Wie den künftigen Wohnsitz liess die auf Instagram veröffentlichte Botschaft auch andere Details offen. Insbesondere ist unklar, wie das Paar die angestrebte finanzielle Unabhängigkeit erreichen will. Bisher stammten etwa fünf Prozent ihres Budgets direkt aus der Staatskasse, nämlich dem sogenannten Sovereign Grant, den die Queen zur Unterhaltung der Monarchie erhält.

Den Rest beglich Harrys Vater Charles aus Einkünften des Herzogtums von Cornwall, das dem 71-Jährigen als Thronfolger eine unabhängige Existenz sichert. Das Privatvermögen des Prinzen aus Erbschaften seiner Mutter und seiner Urgroßmutter, der Queen Mother, wird auf 30 Millionen Pfund (38 Millionen Franken) geschätzt; die Herzogin brachte etwas mehr als ein Zehntel davon (3,8 Millionen Pfund) in die Ehe ein.

Schon spekulieren Marketingspezialisten und Brand-Experten heftig darüber, wieviel das Glamour-Paar auf dem freien Markt erwirtschaften könnte.

Prinz William sei «zornig»

Mit einigermassen geschmackvollen Merchandising-Vereinbarungen, Auftritten als Repräsentant ausgewählter Firmen oder gar kleineren Engagements für die gelernte Schauspielerin liesse sich gewiss die eine oder andere Million verdienen. Zumal, wenn wie geplant, der Titel der «Königlichen Hoheit» den Arbeitssuchenden auch weiterhin das gewisse royale Extra verleiht.

Bildergalerie – die britische Royal Family:

Wie sich Harrys 93-jährige Grossmutter, vor allem aber sein Vater Charles und der ältere Bruder William dazu stellen? Die Queen sei traurig, die Nummern Eins und Zwei der Thronfolge aber extrem zornig, hiess es am Donnerstag aus dem royalen Umfeld. Die Gespräche über die zukünftige Rolle der Abtrünnigen seien in einem Frühstadium, teilte ein Sprecher des Palastes mit. «Es geht um schwierige Fragestellungen, die zu klären Zeit brauchen wird.»

Gänzlich überraschend kann der Ausbruchsversuch nicht gekommen sein. Seit ihrer weltweit übertragenen Hochzeit auf Schloss Windsor im Mai 2018 hat das Paar mit Anpassungsschwierigkeiten gekämpft. Öffentliche Kritik, etwa am Millionen-teuren Ausbau ihres Domizils Frogmore Cottage im Schlosspark zu Windsor, kränkte Meghan und Harry ebenso wie die höhnische Reaktion auf manch naive Äusserung.

Meghan und Harry zeigen erstmals ihren Erstgeborenen

8. Mai 2019: Meghan und Harry zeigen erstmals ihren Erstgeborenen

Dass sie aus Gründen des Umweltschutzes ihre Familie auf vier begrenzen wollen, wurde sofort als Kritik an Williams fünfköpfiger Familie gewertet. Wenig gut kam in den Medien auch an, dass Meghan vor Archies Geburt zu einer «Babyshower» für einige Tage über den Atlantik jettete.

Frogmore Cottage: Die offizielle Residenz der Sussex Royals.

Frogmore Cottage: Die offizielle Residenz der Sussex Royals.

Im Raum stand die Frage nach einer sinnvollen Beschäftigung für den in der Thronfolge auf Rang Sechs abgerutschten Prinzen und seine Frau schon seit längerem – und die wenig erfreuliche Existenz von Prinz Andrew, Lieblingssohn der Queen, galt als Menetekel. Der einstmals glamouröse Herzog von York, 59, musste sich nach unerfreulichen Finanzaffären und seiner Freundschaft mit dem verurteilten Sexualverbrecher Jeffrey Epstein aus der Öffentlichkeit zurückziehen.

Eine «Trennung» mit Ankündigung

William und Harry hatten seit vergangenem Jahr nicht nur separate Adressen, sondern auch getrennte Arbeitsplätze. Als letzter symbolischer Akt wurde die 2009 von den Brüdern gegründete wohltätige Stiftung ganz auf den Herzog von Cambridge und seine Frau übertragen. Meghan und Harry gründeten ihre eigene Stiftung, die mit Hilfe von reichen Spendern «globale Projekte» fördern soll. Tut sich da eine Tür auf zu sinnvoller und gut bezahlter Tätigkeit?

Die offenbar angestrebte Hybridlösung jedenfalls halten viele Kenner der Materie für kaum durchführbar. «Die Königsfamilie kennt keine Hybriden, und progressive schon gar nicht», urteilt Robert Hardman von Daily Mail. Der Historiker Andrew Wilson stimmt ihm zu: «Das Königshaus soll ja gerade nicht frisch sein, sondern traditionell, ja langweilig.»

Paradebeispiel für einen erfolgreichen royalen Neuzugang, glaubt die Drehbuchautorin («Victoria») Daisy Goodwin, sei Williams Gattin Kate, deren 38. Geburtstag gestern von den Ereignissen überschattet wurde: «Sie ist ein Stepford Wife» – im englischen Sprachgebrauch ein Synonym für eine elegante, freundliche, weitgehend stumme Gattin.

Dazu hat Meghan Markle gewiss nie getaugt.

Das Leben von Queen Elizabeth in Bildern:

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