USA

Barack Obama hat sein lang erwartetes Buch endlich geschrieben – kehrt er jetzt als Richter zurück?

Vier Jahre lang hat Barack Obama am ersten Band seines Buchs «A Promised Land» geschrieben. Am Dienstag kommt es in den Handel.

Vier Jahre lang hat Barack Obama am ersten Band seines Buchs «A Promised Land» geschrieben. Am Dienstag kommt es in den Handel.

Joe Biden hat gesagt, er würde Barack Obama den Posten am «Supreme Court» sofort geben. So oder so: Obama wird in den kommenden vier Jahren eine wichtige Rolle spielen.

Jetzt kriegt Barack Obama also doch noch eine dritte Amtszeit. Mit der Wahl von Joe Biden zum US-Präsidenten, so fürchten die Kritiker und frohlocken die Fans, kehrt der erste schwarze Präsident Amerikas (2009 bis 2017) mindestens indirekt zurück an die Schalthebel der Macht. Die Visionen und Pläne, die der heute 59-Jährige als Präsident hatte, dürften ab dem 20. Januar wieder zu den zentralen Leitschranken der neuen Regierung werden.

Denn Joe Biden, der Obama acht Jahre lang als Vizepräsident gedient hatte, ist nie wirklich aus dem Schatten seines einstigen Chefs getreten. Das merkt man nicht nur an seinen Slogans (Biden Wahlkampfspruch «Wir sind nicht blaue Staaten und rote Staaten, wir sind die Vereinigten Staaten» kopierte er eins zu eins von seinem Vorgänger), sondern auch daran, dass Biden diverse wichtige Posten in seiner Regierung mit Personen aus Obamas Führungsteam besetzen will. Susan Rice etwa, die als neue Aussenministerin im Gespräch ist, war Obamas oberste Sicherheitsberaterin. Michèle Flournoy, die unter Obama einen hohen Posten im Pentagon innehatte, könnte Bidens Verteidigungsministerin werden (sie wäre die erste Frau in diesem Amt).

Biden würde ihm das Amt sofort geben

Spannender aber ist die Frage, welche Rolle Barack Obama selber in Bidens Weissem Haus spielen wird. Zuletzt zog der Ex-Präsident als unermüdlicher Wahlkampfhelfer für seinen «guten Freund» Joe durch die Lande. Und niemand zweifelt daran, dass Obama persönlich sich in der heissen Phase des demokratischen Vorwahlkampfs eingeschaltet und Bidens verbleibende Konkurrenten dazu bewogen hatte, dem 77-jährigen Karrierepolitiker den Vortritt zu lassen. Dass Biden also bald als 46. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt werden wird, daran ist Obama nicht ganz unschuldig. Und dass Joe Biden für den fast 20 Jahre jüngeren Obama «alles tun würde, was er von mir will», das hatte er schon 2017 in einem TV-Interview mit dem Fernsehsender NBC verkündet.

Was aber könnte Obama von Biden wollen? Die amerikanische Verfassung verbietet es einem Ex-Präsidenten mit zwei Amtszeiten auf dem Buckel zwar, als Vizepräsident ins Weisse Haus zurückzukehren. Das gilt aber nicht für andere hohe Ämter in der US-Regierung. Biden könnte Obama also theoretisch als Minister für was auch immer in sein Kabinett zurückholen. Das wäre allerdings ein Novum in der amerikanischen Geschichte.

Im Wahlkampf schwang Obama die Werbetrommel für seinen Freund Joe Biden. Was folgt als nächstes?

Im Wahlkampf schwang Obama die Werbetrommel für seinen Freund Joe Biden. Was folgt als nächstes?

Eine andere Variante sorgt derzeit für aufgeregte Gerüchte. Joe Biden könnte Barack Obama nämlich bei nächster Gelegenheit als Richter ans «Supreme Court», das oberste Gericht der USA, holen. Das neunköpfige Gremium machte zuletzt wieder viel von sich reden, weil Donald Trump in seiner Präsidentschaft gleich drei der auf Lebzeit amtierenden Richter ernennen und am Gericht damit wohl für Jahrzehnte eine konservative Mehrheit schaffen konnte.

Biden sagte an einer Wahlkampfveranstaltung in Iowa im vergangenen Jahr, dass er Obama sofort für einen freiwerdenden Richter-Posten nominieren würde, wenn dieser das wolle. Obama, der vor seiner politischen Karriere zwölf Jahre lang als Professor Verfassungsrecht an der Universität von Chicago lehrte, hätte die nötige fachliche Kompetenz, um das Amt auszuführen. Das bewog einst auch die Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, laut über die Berufung Obamas ans höchste Gericht nachzudenken.

Morgen erscheint Obamas Buch

Obama wäre nicht der erste Ex-Präsident in der US-Geschichte, der ein Comeback als Richter feiern würde. Der Republikaner William Howard Taft trat 1921, neun Jahre nach seiner Abwahl als 27. Präsident der Vereinigten Staaten, sein Amt am Obersten Gerichtshof an und urteilte dort bis zu seinem Tod 1930 über die wichtigsten Rechtsfälle der USA.

Obama selber äusserte sich noch vor ein paar Jahren eher kritisch über die Idee, einst als Richter am «Supreme Court» zu landen.

Das sagte er 2014 in einem Interview mit dem Magazin «New Yorker». Er liebe die Auseinandersetzung mit dem Recht. «Aber ich glaube, Richter zu sein wäre ein bisschen zu klösterlich für mich.»

Der erste Band von Obamas präsidialer Autobiografie umfasst 768 Seiten. Er erscheint am Dienstag.

Der erste Band von Obamas präsidialer Autobiografie umfasst 768 Seiten. Er erscheint am Dienstag.

Aber auch Obama ist älter geworden. Und Zeit hätte er jetzt ebenfalls wieder. Der erste Band seiner präsidialen Autobiografie «A Promised Land» («Ein verheissenes Land») hat er fertig getippt. Der 768-Seiten-Wälzer liegt ab Dienstag in den Verkaufsregalen (auch auf Deutsch). Für den zweiten Band wird sich Obama wiederum Zeit lassen. Die 65 Millionen Dollar Vorschuss, die er und seine Frau Michelle für ihre Bücher erhalten haben sollen (Michelle Obamas Biografie «Becoming» erschien bereits 2018), sollten fürs erste Ausreichen.

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