Barack Obama

Barack Obama greift in Indien tief in den Honigtopf

Der US-Präsident unterstützt Indiens Wunsch nach einem ständigen Sitz im UNO-Sicherheitsrat. Er verband den Rückhalt der USA aber an Bedingungen.

Vorsorglich hatte man die Abgeordneten ermahnt, sich würdevoll zu benehmen. Man wollte Szenen wie im Jahr 2000 vermeiden, als Bill Clinton erstmals Indien besuchte und die jahrzehntelange Eiszeit zwischen der ältesten und der grössten Demokratie der Welt beendete. Damals waren Parlamentarier vor Begeisterung über die Tische gesprungen, um dem US-Präsidenten die Hand zu schütteln. Doch die Mahnung erwies sich als überflüssig.

Knapp 40 Minuten sprach Barack Obama gestern Abend zum Abschluss seiner Indien-Visite vor dem Parlament in Delhi – und alles ging sittsam vonstatten. Zwar spendeten die Abgeordneten wohlwollenden Beifall, aber von den Stühlen riss er sie nicht.

Bei Indiens Herzenswunsch nach einem ständigen Sitz im UNO-Sicherheitsrat deutete Obama Rückhalt an, legte sich aber zeitlich nicht fest: Er freue sich auf einen reformierten UNO-Sicherheitsrat, der auch «Indien als ständiges Mitglied» umfasse, meinte er. Zudem verband er den Rückhalt der USA mit Bedingungen. Wachsende Macht bedeute auch wachsende Verantwortung, meinte Obama. Er appellierte an Indien, den Atomwaffensperrvertrag zu unterzeichnen. Ausserdem mahnte Obama Indien, sich auf internationaler Bühne und auch in Ländern wie Birma und Iran, mit denen Delhi anders als die USA auf gutem Fuss steht, stärker für die Menschenrechte einzusetzen.

In Indien hinterlässt Obamas Besuch gemischte Gefühle. Zwar stimmte der US-Präsident wahre Lobeshymnen auf die zweitgrösste Nation der Welt an und würdigte sie als Weltmacht. «Indien ist keine aufsteigende Macht mehr, Indien ist schon aufgestiegen.» Doch Substanzielles hatte er wenig zu bieten.

Dennoch sind Obama und der indische Regierungschef Manmohan Singh pragmatisch genug, um zu wissen, dass die beiden Länder einander brauchen. Die USA sehen in Indien einen wichtigen Zukunftsmarkt, um die amerikanische Wirtschaft zu stärken und US-Jobs zu schaffen. Umgekehrt ist Indien an US-Hochtechnologie interessiert.

Nie seien die Beziehungen «stärker, tiefer und breiter» gewesen, meinte Obama – und hat durchaus recht, wenn man bedenkt, dass die USA von 1978 bis 2000 das Armenhaus Indien regelrecht schnitten. Dennoch bleiben Konflikte – vor allem die «Afpak»Politik sorgt für Misstöne. Obama vermied es, Indiens Erzfeind Pakistan allzu scharf anzugreifen und flüchtete sich in Allgemeinplätze wie: die USA würden keine «sicheren Häfen für Terroristen» dulden. Auch die Kaschmiris zeigten sich enttäuscht. In seiner Parlamentsrede klammerte Obama den Konflikt um die Himalaja-Region aus und äusserte sich auch auf Fragen von Journalisten nur ausweichend.

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