Spanien

Autos in Flammen, Dutzende Verletzte: Dritte Nacht mit schweren Krawallen in Barcelona

In Barcelona ist es am Mittwochabend zum dritten Tag in Folge zu schweren Ausschreitungen von katalanischen Unabhängigkeitsbefürwortern gekommen. Der katalanische Regionalpräsident Quim Torra forderte ein sofortiges Ende der Gewalt.

"Wir können die Vorfälle, die wir in den Strassen sehen, nicht erlauben", sagte der Unabhängigkeitsbefürworter am Mittwochabend im Regionalfernsehen. "Das muss sofort aufhören." Es gebe für brennende Autos und jede Form des Vandalismus "keinerlei Rechtfertigung".

Demonstrationen müssten "friedlich" verlaufen, sagte Torra in der Fernsehansprache. Zugleich betonte er, Proteste gegen ein "ungerechtes und unsinniges Urteil" seien "normal und gut".

Zuvor hatte der spanische Regierungschef Pedro Sánchez Torra aufgerufen, die Gewalt klar zu verurteilen. Auch die in Haft sitzenden Separatistenführer distanzierten sich auf Twitter von den Ausschreitungen.

Dutzende Verletzte

In Barcelona war es am Mittwochabend den dritten Abend in Folge zu schweren Ausschreitungen von Anhängern der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung gekommen. Nach einem friedlichen Protestmarsch tausender Menschen in der Grossstadt errichteten hunderte junge Demonstranten Barrikaden, setzten Abfalleimer und Autos in Brand und schleuderten Flaschen und Steine auf die Polizei. Protestler blockierten Strassen sowie Bahnlinien, berichteten Augenzeugen.

Nach Angaben der Polizei wurden die Beamten dabei erstmals auch mit Molotowcocktails und Behältern mit Säure beworfen. Die Protestierer feuerten zudem Feuerwerkskörper in Richtung eines Polizeihelikopters ab. Die Polizei feuerte Schaumgeschosse ab.

In Barcelona wurden mindestens 32 Menschen verletzt, wie die Rettungsdienste mitteilten. Auch in anderen katalanischen Städten gab es Ausschreitungen. Die Polizei nahm nach eigenen Angaben in der gesamten Region rund 20 Menschen fest. Am Dienstag waren mehr als 50 Menschen festgenommen worden.

Demonstranten flüchten vor der Polizei – im Hintergrund sind Schüsse zu hören.

Empörung nach Gerichtsurteil

Es war bereits der dritte Tag mit massiven Demonstrationen in und um Barcelona, nachdem das Oberste Gericht in Madrid am Montag neun Separatistenführer verurteilt hatte. Sie erhielten Haftstrafen von bis zu 13 Jahren wegen "Aufruhrs" und Veruntreuung öffentlicher Gelder. Den Angeklagten wurde vorgeworfen, im Oktober 2017 ein von der spanischen Justiz als illegal eingestuftes Unabhängigkeitsreferendum organisiert zu haben.

Neben friedlichen Kundgebungen Tausender Unterstützer einer Abspaltung der Region von Spanien kam es nach dem Urteil auch immer wieder zu Krawallen mit Dutzenden Verletzten und zahlreichen Festnahmen.

Ministerpräsident Pedro Sánchez hat sich im Laufe des Tages mit den Spitzen der Oppositionsparteien getroffen, um über die Lage zu beraten. Während konservative Kräfte sich dafür einsetzten, die abtrünnige Region erneut unter eine Zwangsverwaltung zu stellen - wie bereits nach dem Unabhängigkeitsreferendum vom Oktober 2017 geschehen - plädierten linke Parteien für einen Dialog und eine politische Lösung.

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