Münster (D)

Auto rast in Menschenmenge ++ Mehrere Notoperationen an über 20 Verletzten ++ Fahrer war psychisch auffällig

Ein Kleinlaster raste in der Studentenstadt Münster in eine Gruppe von Menschen. Drei Menschen starben, mindestens 20 wurden verletzt. Das Motiv des Fahrers ist unklar. Terrorismus schloss die Polizei vorerst aus.

Der Täter, der gegen 15.30 Uhr am Samstagnachmittag einen VW-Bus in eine Menschenmenge vor einer beliebten Kneipe in Münster steuerte, ist nach Angaben verschiedener Medien ein psychisch auffälliger Deutscher.

Vor kurzer Zeit soll der 48-jährige Mann einen Selbsttötungsversuch unternommen haben, der VW-Bus war offenbar auf ihn zugelassen. Ein terroristischer Hintergrund gilt zurzeit als unwahrscheinlich.

Am Abend wurde die lediglich zwei Kilometer vom Tatort entfernte Wohnung des Industriedesigners in der Münsteraner Innenstadt von der Polizei durchsucht. Geprüft wurde, ob sich Sprengstoff in der Wohnung befindet. Der Mann war den Behörden nicht als Extremist bekannt, wie Medien berichteten.

Gerüchte über weitere Täter

Bei dem tragischen Vorfall mitten in der belebten und von Touristen stark frequentierten Altstadt sind offiziellen Angaben zufolge drei Menschen ums Leben gekommen, darunter der Fahrer des VW-Transporters. Der Täter soll sich laut Polizeiangaben an dem Tatort mit einer Pistole selbst gerichtet haben. 20 Menschen wurden bei dem Vorfall zum Teil schwer verletzt. Eine 51-jährige Frau und ein 65-jähriger Mann kamen ums Leben. Einige der Verletzten seien in Lebensgefahr, teilten die Behörden mit. Dem Aufruf des Uniklinikums nach freiwilligen Blutspendern für die Opfer folgten derart viele Münsteraner, dass der Aufruf am frühen Abend ausgesetzt wurde.

Die Polizei sperrte zudem den Tatort weiträumig ab. Offenbart soll sich in dem VW-Bus ein auffälliger Gegenstand befunden haben. Gerüchte, wonach zwei weitere Männer aus dem Transporter flüchteten, wurden bis am Abend nicht bestätigt. Die Polizei ging offiziell von einem Einzeltäter aus.

Zunächst hatte es Befürchtungen gegeben, bei dem Vorfall in der 300'000 Einwohner zählenden Studentenstadt in Nordrhein-Westfalen handle es sich um einen islamistisch motivierten Terroranschlag. Erinnerungen an den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt von Dezember 2016 oder den verheerenden Terroranschlag von Nizza im Sommer 2016 wurden wach. Damals steuerten radikale Islamisten schwere Lastwagen in Menschenmengen, Dutzende von Menschen verloren ihr Leben.

„Schnell Klarheit über die Hintergründe“

Die Bundesregierung drückte am Abend ihr Mitgefühl aus. „Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen“, teilte die stellvertretende Sprecherin von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit. Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe dankte den Einsatzkräften für ihre Arbeit. „Ganz Münster trauert über dieses schreckliche Ereignis“, sagte Lewe. SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles wandte sich ebenfalls an die Angehörigen und Opfer. "Ich bin erschüttert über die Nachrichten, die uns aus Münster erreichen", sagte sie. "Ich hoffe, dass unsere Behörden schnell Klarheit über die Hintergründe dieses Vorfalls gewinnen können und wünsche den Einsatzleuten vor Ort viel Kraft für ihre Arbeit."

In einer gemeinsamen Presseerklärung von Staatsanwaltschaft und Polizei in Münster hiess am frühen Sonntagmorgen, die Ermittlungen würden mit Hochdruck und in alle Richtungen geführt.

Münster unter Schock

"Allein die Tatortaufnahme wird viel Zeit in Anspruch nehmen", erklärte der Einsatzleiter Martin Fischer zum Stand der Untersuchungen. "Wir brauchen Zeit, die Spuren auszuwerten und die Ergebnisse der Ermittlungen zusammenzuführen." Auch am Sonntag sei deshalb mit Behinderungen in Münsters Innenstadt zu rechnen.

Die beschauliche Universitätsstadt Münster stand unter Schock. Spontan versammelten sich Bürger, um gemeinsam zu trauern. Im Paulus-Dom in Münster gibt es am Sonntagabend einen ökumenischen Gedenkgottesdienst, den Bischof Felix Genn leiten will.

Der Liveticker zum Nachlesen:

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