Parkplatznot – und das mitten im australischen Outback: Um den Uluru stauen sich die Fahrzeuge. Tausende von Besuchern aus aller Welt in das rote Zentrum des Kontinents, um ein letztes Mal den früher als Ayers Rock bekannten Inselberg zu besteigen. Am 29. Oktober ist Schluss: Ab dann ist es gesetzlich verboten, auf den 348 Meter hohen Sandsteinberg zu steigen.

Seit den 80er-Jahren bitten die lokalen Ureinwohner die jährlich rund 300 000 Besucher, den Berg nicht zu besteigen – aus Respekt vor alten Traditionen. Für die Mitglieder des Stammes der Anangu ist der Berg ein Heiligtum. Nur speziell initiierte Männer dürfen hochklettern – und auch das nur zu ganz besonderen Gelegenheiten. Viele natürliche Formationen am Felsen sind strikt tabu. Höhlen etwa, in die Frauen zum Gebären gingen oder Jungen zur Beschneidung. Diese Stellen dürfen auch von Touristen nicht fotografiert werden. Im vergangenen Jahr hatte der Aufsichtsrat des Uluru-Kata-Tjuta-Nationalparks beschlossen, ab Oktober 2019 den Aufstieg zu verbieten – nach jahrzehntelangem Widerstand der mächtigen Tourismusindustrie.

Der Gipfel stinkt zum Himmel

Die bevorstehende Schliessung hat einen historisch einzigartigen Ansturm ausgelöst. Die Campingplätze des Nationalparks und die nahegelegenen Hotels sind komplett ausgelastet. Touristen übernachten am Strassenrand und brechen damit australisches Gesetz. Bauern in der Region klagen über den Müll und das Abwasser, das die illegalen Camper auf ihren Grundstücken zurücklassen.

Derweil stauen sich am Fuss des Berges die Besucher. Es dauert bis zu einer Stunde, bis man endlich zu den Ketten gelangt, an denen man sich auf den Berg hochziehen kann. Auf dem Berg gibt es keine Toiletten. Seit dem Ansturm riecht es auf dem Gipfel nach Urin und Fäkalien.

Vor allem weisse Australier bestehen auf ihr «Recht», den Aufstieg unter die Füsse zu nehmen, wie eine Umfrage vor Ort ergibt. «Ich bin genauso ein Australier wie die Aborigines», sagt ein 39-jähriger Familienvater aus Melbourne. «Es ist mein Geburtsrecht, da hochzusteigen.»

Für die Ureinwohner ist die jüngste Entwicklung ein weiterer Schlag ins Gesicht. Ihre Bitte an die Besucher, den Berg nicht zu besteigen, hat nicht nur mit den alten Göttern zu tun, sondern auch mit ganz menschlichen Ängsten. Als Hüter der Region fühlen sich die Anangu für die Sicherheit der Besucher verantwortlich. In der Vergangenheit sind trotz ihrer Bemühungen mindestens 36 Menschen beim Aufstieg ums Leben gekommen.