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Australien wird wieder zur Insel der Gefangenen: Zum Coiffeur aber dürfen die «Aussies »noch immer

Unbekümmert «sünnele»: In Australien immer noch möglich - trotz der warnenden Tafel im Hintergrund.

Unbekümmert «sünnele»: In Australien immer noch möglich - trotz der warnenden Tafel im Hintergrund.

Restaurants bleiben offen, die Schulen ebenfalls. Experten sind alarmiert und rechnen mit bis zu 125'000 Neuansteckungen – pro Tag.

Seit Mittwoch ist Australien wieder das, was es vor über 200 Jahren schon Mal war: eine Insel von Gefangenen. Australischen Staatsbürgern ist es nicht mehr gestattet, den Kontinent zu verlassen. Gleichzeitig rief die Regierung in Canberra Australier rund um den Globus auf, eiligst nachhause zu fliegen. Die Rückkehrer müssen nach ihrer Ankunft 14 Tage lang auf Kosten des Staates in ein Hotel zur Selbstquarantäne – beaufsichtigt von Polizei und Armee.

Experten kritisieren, die Massnahmen kämen zwei Wochen zu spät. Ein exponentieller Anstieg der Infizierten könne kaum noch verhindert werden. Derzeit verzeichnet Australien mehr als 4000 Infizierte. 18 Menschen sind an Covid-19 gestorben.

Bordelle schliessen, Restaurants bleiben offen

Zwar gelten auch in Australien die Social-Distancing-Regeln. Der konservative Regierungschef Scott Morrison wehrte sich aber die ganze Woche stoisch gegen ein Lockdown des öffentlichen Lebens, wie es die Mehrzahl der Experten fordert.

Die Regierung insistiert, dass Schulen geöffnet bleiben sollen. Ausserdem wolle er der Wirtschaft nicht mehr Schaden zumuten, als unbedingt nötig sei, betonte Morrison. Bereits jetzt haben rund eine Million Australier ihren Job verloren. Nur dort, wo enger Kontakt zum Kunden unvermeidbar ist, wurde die Schliessung angeordnet: Das gilt etwa für Bordelle, Yoga-Clubs und Nagelsalons. Coiffeurgeschäfte aber dürfen geöffnet bleiben. Restaurants ebenso, sofern sie auf Take-Away-Angebote umschwenken.

Epidemiologe Tony Blakely von der Universität Melbourne sieht das Land auf eine Katastrophe zusteuern und fordert die Regierung auf, eine Ausgangssperre anzuordnen. Alleine mit den gegenwärtigen Massnahmen rechnet er bis Ende Mai mit 125'000 Infektionen pro Tag. Zum Höhepunkt der Epidemie müssten täglich 1400 Menschen in die Intensivstation. Australien verfügt nur über rund 2200 Intensivpflegebetten.

Grober Fehler bei Kreuzfahrtschiff

Solche Aussichten haben in den letzten Tagen mehrere Bundesstaaten veranlasst, das Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. In New South Wales rief die Regierung die Bürger auf, Kinder aus der Schule zu nehmen. In Melbourne verschärfte die lokale Regierung die Ausgangsbeschränkungen derart, dass sie an die Massnahmen in europäischen Ländern erinnern. Wer in Queensland oder dem Northern Territory seinen Wohnort hat und einreisen darf, muss sich in Heimquarantäne begeben.

Dabei kommt es immer wieder zu Verfehlungen der Behörden. Vor einigen Tagen wurden über 2000 Passagiere eines Kreuzfahrtschiffes ohne Gesundheitsprüfung an Land gelassen. Mehrere hundert von ihnen sind inzwischen an Covid-19 erkrankt, ein Passagier ist bereits gestorben.

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