Ausnahmezustand

Australien brennt: Ein Bild zeigt, wie viel Fläche vom Feuer betroffen ist

Ein Feuerwehrmann versucht die schwelenden Feuer zu begraben.

Ein Feuerwehrmann versucht die schwelenden Feuer zu begraben.

Australien steht in Flammen. Seit Oktober wüten Buschbrände. Ein Ende ist bisher nicht in Sicht.

Jetzt zeigt eine 3D-Visualisierung erstmals das volle Ausmass der Brände – und das ist drastisch. Der Fotokünstler Anthony Hearsey hat aus Satellitenbildern der Nasa eine 3D-Visualisierung erstellt.

Die Bilder stammen aus dem Zeitraum vom 5. Dezember 2019 bis zum 5. Januar 2020. Die Grafik zeigt alle Gegenden, die von Buschfeuern betroffen waren oder immer noch sind.

Das Ausmass der Feuer sei wegen des Leucht-Effekts ein bisschen überzeichnet, so der Grafiker aus Brisbane, aber im Allgemeinen stimme es mit den Informationen von der NASA-Website überein. Er weist ausdrücklich darauf hin, dass nicht alle immer noch brennen.

Die bisherige Bilanz der Feuer ist verheerend: 24 Menschen und rund 480 Millionen Tiere sind durch die Flammen ums Leben gekommen. Tausende Häuser wurden zerstört. Sieben Millionen Hektar sind niedergebrannt – das entspricht fast der doppelten Fläche der Schweiz.

«Die Feuer brennen immer noch, und sie werden noch über Monate brennen», sagte der australische Premierminister Scott Morrison am Montag vor Reportern. Der konservative Politiker steht wegen seines Krisenmanagements in der Kritik.

Luft in Canberra wird knapp

Der Qualm raubt den Menschen in den betroffenen Gebieten den Atem. In der Hauptstadt Canberra war die Luft am Montag gefährlich verschmutzt.

Die Stadtregierung rief die Menschen dazu auf, drinnen zu bleiben. Einige Flüge wurden gestrichen. Museen, Geschäfte und Universitäten blieben geschlossen. Das Innenministerium forderte seine Mitarbeiter auf, für 48 Stunden zu Hause zu bleiben. An der Südostküste regnete es, was den Kampf der Feuerwehr etwas erleichterte.

Eine Entwarnung gab es aber nicht. In den Bundesstaaten New South Wales und Victoria loderten noch um die 170 Feuer. Die Helfer mussten weiter abgeschnittene Gebiete versorgen. Am Montag meldete die Polizei den Tod eines 71 Jahre alten Mannes. Seit Beginn der Brände im Oktober sind damit landesweit 25 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 2000 Häuser sind zerstört. Etwa sieben Millionen Hektar brannten nieder - das ist ungefähr ein Fünftel der Fläche Deutschlands.

Koalas im Rauch - Australiens Tierwelt leidet

Hunderte Millionen Tiere sind in den seit Monaten tobenden Buschbränden verendet, Koalas sterben massenweise. Die australische Tierwelt leidet. Es ist die Stunde der freiwilligen Helfer.

Kängurus, die im Buschland durch Rauchschwaden hüpfen. Vögel, die von der Hitze erschöpft zu Boden stürzen. Und Koalas, die auf den Bäumen verbrennen. Seit Monaten toben die Feuer in Australien. Ganze Landstriche sind zerstört - und auch sehr viel von der einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt des Kontinents. Wie viel, ist noch nicht abzusehen.

Hunderte Millionen Tieren sind nach vorsichtigen Schätzungen von Wissenschaftlern allein im Bundesstaat New South Wales an der Südostküste getötet worden. Bilder von verkohlten Kängurus treffen die Leute ins Mark. Geschichten von geretteten Tieren sind da Balsam: So wie die eines kleinen Koalas, der gerade in einem Lastwagen Unterschlupf fand. Oder Geschichten davon, dass Feuerwehrleute die Tiere bergen und ihnen Wasser geben. Koalas können nicht wie Kängurus oder Wallabys weghüpfen. Die Beutelsäuger rollen sich während der Brände in den Bäumen zusammen, was verheerend ist.

Für den Lebensraum und die Population der Koalas - wie Kängurus sind auch sie nur in Australien heimisch - sieht es nicht gut aus. So schildert es Sue Ashton, die Chefin des landesweit einzigen Koala-Krankenhauses in Port Macquarie, das in einem der Brandgebiete liegt. Sie schätzt, dass es landesweit Zehntausende Tiere nicht geschafft haben. «Allein in unserer Gegend sind Hunderte Koalas gestorben», sagte sie am Montag. In einem über lange Zeit untersuchten Gebiet seien etwa zwei Drittel der Population verendet.

Auf der Känguru-Insel, einem beliebten Urlaubsziel im Süden des Landes, ist nach Schätzungen von Wildschützern die Hälfte der Tiere verendet oder wird es wohl noch. Darunter ist möglicherweise die Hälfte der etwa 50'000 Koalas. Es gibt keine Nahrung mehr, viele der Tiere, die nicht im Feuer umgekommen sind, werden verhungern, wie ein Parkbesitzer der Zeitung «Adelaide Now» schilderte. Für die Tierwelt werde es Jahre dauern, bis sie sich erhole.

In Australien trifft es aber auch Tiere, von denen viele Menschen in Mitteleuropa noch nie gehört haben: etwa die Schmalfussbeutelmaus oder das Kaninchenkänguru. Der Ökologie-Professor Euan Ritchie von der Deakin Universität sagte, es sei zu früh, um zu bilanzieren, welche Folgen die Brände für die einzelnen Tierarten haben. «Wir sorgen uns sehr um viele Regenwald-Arten, die typischerweise keine Feuer erleben und deswegen nicht besonders widerstandsfähig sind.»

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