Der echte Kim Jong Un war noch nicht da, da war der falsche schon wieder weg: Am Montagmittag holte ein Trupp vietnamesischer Polizisten Howard X, einen Australier mit verblüffender Ähnlichkeit mit dem nordkoreanischen Staatschef, aus seinem Hotel in Hanoi ab.

Der koreanischstämmige Schauspieler war bereits seit einer Woche in der vietnamesischen Hauptstadt, um gemeinsam mit dem Kanadier Russell White, der aus seiner Ähnlichkeit zu US-Präsident Trump Profit schlägt, für die angereiste Weltpresse zu posieren.

Doch nun ist Schluss mit den Foto-Shootings: Bevor der gepanzerte Sonderzug aus Pjöngjang mit Kim Jong Un an Bord in Hanoi erwartet wurde, musste Howard X als potenzieller Störenfried das Land verlassen. «Die Nordkoreaner haben keinen Sinn für Humor», sagte Howard X, als er am Flughafen auf seine Deportation wartete. «Satire ist eine mächtige Waffe gegen jede Diktatur.»

Kim Jong Un und Donald Trump: Das Duo, das sich am Mittwoch und Donnerstag zu einem zweiten Anti-Atom-Gipfel in Vietnam trifft, sorgt dort schon seit Tagen für Unterhaltung. Die Konterfeis der beiden prangen auf T-Shirts, Baseball-Kappen und Schlüsselanhängern, Küchenchefs und Barbesitzer überbieten sich mit kulinarischen Kreationen, die auf das hochkarätige Treffen einstimmen sollen.

So bietet ein Burger-Restaurant einen «Durty Donald», dessen Fleischberge in Anspielung auf die Ermittlungen gegen Trump mit russischem Dressing angemacht sind. Eine nahe Bar serviert einen potenten Cocktail namens «Rock it, man». Zwei bis drei Gläser des Reisschnaps-Whisky-Ananas-Gemischs lassen einen angeblich die schlimmsten Beleidigungen vergessen – etwa die, als Trump Kim vor nur 17 Monaten noch als «Rocket Man auf Selbstmordmission» bezeichnete.

Am buntesten treibt es aber die Tuan Duong Beauty Academy, die damit Werbung macht, dass sie experimentierfreudigen Kunden gratis entweder einen Kim-Schopf – an den Seiten kahl, oben kantig – rasiert oder ihnen die Haare erst blond färbt und sie dann zur Trump-Tolle auftürmt.

Eine neue Wirtschaftsmacht?

Auf der Tagesordnung des Gipfels Mitte der Woche stehen Debatten um Schritte zur atomaren Abrüstung Nordkoreas und mögliche Gegenleistungen Washingtons. Trump lockt das abgeschottete Land mit grossen Versprechungen. Ein atomwaffenfreies Nordkorea könne «eine der grossen Wirtschaftsmächte der Welt werden», tönte der US-Präsident im Vorfeld des jetzigen Gipfels.

Gastgeber Vietnam, das nach der Einführung von Wirtschaftsreformen in den 1980er-Jahren einen Boom erlebt hat, soll dabei als Erfolgsmodell herhalten. Vietnam selbst sieht den Gipfel in erster Linie als Chance, Geld zu verdienen. Singapur habe im vergangenen Jahr etwa 15 Millionen Franken für das Kim-Trump-Treffen ausgegeben, aber «40 Mal so viel daran verdient», sagte Phuong Hoa Nguyen, Vizechef des Tourismusministeriums.

Vietnam ist zudem stark daran gelegen, sein internationales Ansehen zu stärken und sich als Friedensstifter darzustellen. Das Image des südostasiatischen Landes, in dem der Kommunismus immer noch Staatsdoktrin ist, hatte zuletzt stark gelitten. Die oberste Führungsriege des Ein-Parteien-Staats unter Führung von Nguyen Phu Trong hat sich in den vergangenen Jahren Hunderte unliebsame Kritiker vom Hals geschafft, indem sie sie der Korruption bezichtigte und ins Gefängnis steckte.