Eskalation der politischen Krise auf den Malediven: Nach dem Ausrufen eines 15-tägigen Ausnahmezustandes, der Abschottung des Parlaments durch Sicherheitskräfte und der Verhaftung von Oppositionspolitikern hat der Präsident am Dienstag den Obersten Richter des Landes, einen weiteren Richter und hohe Beamte verhaften lassen.

Mehrere Länder warnen vor Reisen in den Inselstaat. Die Regierung der Malediven, die von Tourismuseinnahmen abhängt, beschwichtigte auf Twitter: «Wir garantieren die Sicherheit von Touristen.»

Die Eskalation der lange währenden Krise nahm ihren Lauf, nachdem der maledivische Präsident Abdulla Yameen sich weigerte, einem Gerichtsbeschluss zur Freilassung politischer Dissidenten Folge zu leisten. Der Beschluss hätte dem früheren Präsidenten und exilierten Oppositionsführer Mohamed Nasheed erlaubt, auf die Malediven zurückzukehren und gegen die autokratische Führung anzutreten.

Gegen den Willen festgehalten

Die 400'000 Einwohner zählende Nation der 26 Korallenatolle und 1192 Inseln befindet sich seit Jahren im Spannungsfeld zwischen autoritärer Regierung und verfolgter Opposition. Letzte Woche ordnete der Oberste Gerichtshof die Freilassung einer Gruppe von Oppositionspolitikern an.

Sie entschied auch, dass der Prozess gegen den im Exil lebenden ehemaligen Präsidenten Mohamed Nasheed im Jahr 2015 verfassungswidrig war. Der Polizeikommissar des Landes wollte das Urteil befolgen, worauf ihn die Regierung von Präsident Yameen entliess. Inzwischen haben Soldaten auf der Hauptstadtinsel Male Stellung bezogen, um sich jedem Versuch zu widersetzen, Präsident Yameen anzuklagen oder zu stürzen.

Aus seinem britischen Exil forderte Oppositionsführer Nasheed, der erste demokratisch gewählte Führer der Malediven, Indien und die USA auf, Präsident Yameen zu entmachten. Dieser habe «illegal» das Kriegsrecht erklärt: «Die Malediven haben genug von diesem kriminellen und illegalen Regime», sagte Nasheed in einem BBC-Interview.

Indien solle einen Unterhändler nach Male entsenden, so Nasheed, um die Freilassung der politischen Gefangenen zu erzwingen, und von den USA forderte er finanzielle Sanktionen gegen die Führung der Malediven.

Derweil wurde der ehemalige Präsident Maumoon Abdul Gayoom und Halbbruder des derzeitigen Präsidenten, der Langzeitherrscher von 1978 bis 2008, der sich mit der Opposition verbündet hat, in seinem Haus gegen seinen Willen festgehalten. In einem Videoaufruf an seine Anhänger bezeichnete sich der 80-jährige Gayoom als unschuldig. Er habe nichts getan, um die Festnahme zu rechtfertigen, und forderte Regierungsgegner dazu auf, stark zu bleiben.

Reisewarnungen ausgerufen

Seit der Machtübernahme von Präsident Yameen im Jahr 2013 wird Meinungsfreiheit im Land scharf beschränkt, Regimegegner sind in Haft und die Justiz kämpft um ihre Unabhängigkeit.
Inzwischen riefen China, Indien, Grossbritannien und die USA Reisewarnungen für die Malediven aus.

Dies, obschon Touristen von dem politischen Machtkampf auf der Hauptstadtinsel wenig mitbekommen. Reisende werden nach ihrer Ankunft in Male sofort in ihre Paradiesresorts weitertransferiert und leben dort abgeschottet von der lokalen Bevölkerung.