Elf Soldaten seien beim Luftangriff auf ein Gebäude der vom IS gehaltenen Stadt Al-Bab verwundet worden, einer davon schwer, teilten die türkischen Streitkräfte mit. Die türkische Armee belagert seit Wochen die Stadt Al-Bab. Bei ihrer Offensive wird sie von der russischen Luftwaffe und der US-geführten Anti-IS-Koalition unterstützt.

Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte den Tod von drei türkischen Soldaten "als Folge des unabsichtlichen Angriffs eines russischen Flugzeugs". Der russische Präsident Wladimir Putin habe seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan sein Bedauern und Beileid ausgedrückt, teilte das Präsidialamt mit.

Man hat sich nicht abgesprochen

Der Grund für den Zwischenfall sei unzureichende Koordination gewesen. Die beiden Staatsoberhäupter hätten eine engere Zusammenarbeit des Militärs im Kampf gegen die IS-Terrormiliz und andere Dschihadisten-Gruppen vereinbart.

Die türkische Nachrichtenagentur DHA hatte zuvor gemeldet, am Donnerstag seien bei Al-Bab mindestens fünf türkische Soldaten getötet worden. Unklar war, ob die Toten des Luftschlags darin enthalten waren.

Bereits am Mittwoch waren bei den Kämpfen in der Region fünf türkische Soldaten gefallen. Seit dem Einmarsch in Nordsyrien im August sind damit mehr als 60 türkische Soldaten getötet worden.

Neue Gefechte erschüttern Syrien

Südwestlich von Al-Bab brachen erstmals Gefechte zwischen türkischen Truppen und Kräften der syrischen Regierung aus, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete. Aus lokalen Rebellenkreisen hiess es, türkische Artillerie habe Beschuss der Regierungskräfte erwidert. Die Türkei und Rebellen liefern sich mit der Armee und ihren Verbündeten seit Tagen ein Wettrennen um Al-Bab.

Die Türkei gehört zu den schärfsten Gegnern der Regierung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, der von Russland unterstützt wird. Ankara treibt aber gemeinsam mit Moskau die Bemühungen um Friedensverhandlungen in Syrien voran.

Nach einer monatelangen Krise wegen des Abschusses eines russischen Kampfjets durch die Türkei hatten sich Putin und Erdogan im vergangenen Sommer ausgesöhnt. Im Dezember war der russische Botschafter in Ankara erschossen worden. Bei dem Attentäter hatte es sich um einen Polizisten gehandelt.

Türkei an zwei Fronten aktiv

Mit der Operation "Schutzschild Euphrat" unterstützten die türkischen Streitkräfte Rebellen in Syrien. Den Verbündeten gelang es zügig, den IS von der türkisch-syrischen Grenze zu verdrängen.

Bei Al-Bab geriet die Offensive aber bereits im Dezember ins Stocken. Seitdem ist die Stadt schwer umkämpft. Die Türkei geht in Nordsyrien zugleich gegen die Kurdenmilizen der YPG vor, die eng mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK der Türkei verbunden sind.