"Somalia hat die gefährliche Mischung aus Trockenheit und Gewalt", erklärte der beim UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) für die Region Horn von Afrika zuständige Experte Raouf Mazou am Dienstag in Genf.

Die Menschen brauchten neben Nahrung und ärztlicher Hilfe auch Asyl. Äthiopien und Kenia hielten ihre Grenzen dazu beispielhaft offen.

Entsetzen über Lage

Der beim UNHCR für öffentliche Gesundheit zuständige Abteilungsleiter Paul Spiegel zeigte sich in Genf "völlig erschlagen" von dem, was er vor Ort gerade gesehen habe.

"Die Lage in Dolo Ado ist grässlich", sagte Spiegel. In dem Lager leben mehr als 100'000 Flüchtlinge, die überwiegend aus Somalia kommen. Mehr als die Hälfte der Kinder sei unterernährt.

Im Juni seien in dem Lager im Schnitt täglich 7,4 pro 10'000 Menschen gestorben, sagten Spiegel. Dies liege deutlich über der normalen Sterblichkeitsrate in Sub-Sahara-Afrika von 0,5 und der Sterblichkeitsrate in Krisenzeiten von 1,0.

Nach UNO-Kriterien herrscht eine Hungersnot, wenn die Sterblichkeitsrate über die Grenze von zwei Toten pro 10'000 Menschen am Tag steigt und wenn 30 Prozent der Bevölkerung einer Region von den Folgen der Hungersnot betroffen sind.

Hilfe bringt Verbesserung

Allerdings sieht die UNO laut Spiegel auch Anzeichen für eine Verbesserung der Lage. So bewirke die internationale Hilfe, dass Menschen davon hörten und schon früher die Krisenregionen verliessen, bevor sie grosse Schwächeanzeichen zeigten.

UNHCR-Sprecher Adrian Edwards verwies darauf, dass seine Organisation den Menschen in Somalia direkt helfen wolle, bevor diese in die überfüllten Flüchtlingslager aufbrächen. Auch würden die Flüchtlingsströme genau beobachtet, so dass ebenfalls Hilfe gezielt zu den Menschen gebracht werden könne.