Syrien

Aus der ganzen Welt: Dschihad-Tourist in wenigen Wochen

Die IS-Kämpfer und ihre Herkunftsländer.

Die IS-Kämpfer und ihre Herkunftsländer.

Mindestens 27'000 ausländische Kämpfer sind bisher in den «Islamischen Staat» nach Syrien und in den Irak gereist. Eine grosse Herausforderung ist für die betroffenen Staaten die Rückkehr der Dschihad-Touristen.

Aus der ganzen Welt reisen sie nach Syrien und in den Irak, um Teil einer Terrormiliz zu sein: Die Zahl der ausländischen IS-Kämpfer hat sich in den letzten eineinhalb Jahren mehr als verdoppelt. Das geht aus einer Studie der New Yorker Soufan Group hervor. Das Unternehmen berät unter anderem die USA in Sicherheitsfragen.

Bereits im Juni 2014 veröffentlichte die Soufan Group Zahlen: Damals reisten 12'000 ausländische Kämpfer nach Syrien oder in den Irak – inzwischen sprechen die Sicherheitsberater von 27'000 bis 31'000 Personen, die ihre Heimatländer verlassen haben, um sich dem IS anzuschliessen.

Die ausländischen Dschihadisten stammen aus 86 Ländern. Es handle sich um ein globales Phänomen, das sich je nach Regionen stark unterscheiden kann, heisst es im Bericht. Auch innerhalb eines Landes. So gäbe es eigentliche Brutstätten wie das Molenbeek-Quartier in Brüssel oder die tunesischen Städte Bizerte oder Ben Gardane.

Tausende Kämpfer aus Europa

Was für eine Sogwirkung die Ausreise eines einzelnen Dschihadisten haben kann, beschreiben die Autoren anhand von Lisleby im Süden Norwegens. Lediglich 6000 Einwohner leben in dieser Kleinstadt, acht junge Männer reisten bereits nach Syrien oder in den Irak. Dieses Beispiel zeige, wie gross der Einfluss einer Einzelperson sein kann, schreiben die Sicherheitsberater in ihrer Studie. Der direkte Kontakt oder der Einfluss durch den Freundeskreis sei inzwischen bedeutender als die Rekrutierungen über die sozialen Medien. Diese würden jedoch den ideologischen Nährboden vorbereiten.

Die meisten ausländischen Dschihadisten, die in Syrien oder im Irak für die Terrormilizen kämpfen, stammen aus Tunesien, Saudi-Arabien, Russland, der Türkei und Jordanien. Aber auch aus Westeuropa reisen Tausende an – ihre Zahl hat sich in den letzten eineinhalb Jahren mehr als verdoppelt.

So stehen gegenwärtig mehr als 5000 Kämpfer aus Westeuropa im Einsatz der Extremisten. Drei Viertel kommen aus Frankreich, Grossbritannien, Deutschland und Belgien. Aus der Schweiz sind 57 Menschen bekannt. Die grösste Anzahl europäischer Dschihadisten verzeichnet Frankreich mit 1700 Kämpfern.

Es sind vor allem junge Männer im Alter zwischen 20 und 30 Jahren. Auffällig sei, wie schnell sie sich radikalisieren würden, schreiben die Sicherheitsberater der Soufan Group. So dauere der Prozess eher Wochen als Monate. Als Hauptgründe für einen IS-Kampfeinsatz in Syrien oder im Irak nennen die Studienautoren die Suche nach Zugehörigkeit. Sinn, Abenteuer und Freundschaft – persönliche Motive überwiegen folglich die politischen Gründe.

Gefährliche Rückkehrer

Weltweit bemühen sich die Staaten, die Rekrutierungen durch den IS innerhalb ihrer Landesgrenzen einzudämmen. Diese Anstrengungen würden jedoch nur wenig Wirkung zeigen, schreiben die Sicherheitsberater der Soufan Group.

Eine grosse Herausforderung für die Staaten seien nun die Rückkehrer. Zwischen 20 und 30 Prozent der ausländischen Kämpfer reisen nach ihrem Kampfeinsatz in Syrien oder im Irak zurück in ihr Heimatland. Ihre Motivation, die Front zu verlassen, sei so unterschiedlich wie jene, dorthin zu reisen.

Zu wenig sei noch bekannt über die Rückkehrer, schreiben die Autoren der Studie. Für die Sicherheit, aber auch um die Rekrutierungen zu stoppen, sei es jedoch zentral, ihre Hintergründe und (früheren) Beweggründe zu kennen. Die Berater der Soufan Group weisen darauf hin, dass sich das Profil der Rekrutierten jedoch ändern dürfte, weil der «Islamische Staat» vermehrt zu Anschlägen ausserhalb von Syrien und dem Irak aufruft.

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