Libyen

Auftritt Gaddafis erwartet – Briten stoppen Banknotenlieferung

Nach den Freitagsgebeten gehen die Proteste los. Gaddafis Truppen versuchen, die Grenze zu schliessen. Ausserdem halten sie in einem Hotel in Trips etwa 130 ausländische Journalisten fest.

18:30 Dramatische Bilder aus Al Sawija In der hart umkämpften Stadt gibt es zahlreiche Tote, unter anderem soll auch der Rebellenführer gefallen sein. Folgenden Clip von YouTube hat der TV-Sender Al Arabiya ausgestrahlt – Achtung: Nichts für zarte Gemüter.

Chaos in Sawija

17:54 Internationale Warnung Interpol hat für Gaddafi und 15 im nahe stehende Personen eine Warnung herausgegeben. Eine solche wird an alle 188 Staaten verschickt, sobald eine Person als «Gefahr für die öffentliche Sicherheit» angesehen wird. Interpol gemäss sei es erwiesen, dass Gaddafi Schüsse und Luftattacken auf Demonstranten angeordnet hat.

17:49 Sawija soll gefallen sein Gemäss libyschen Nachrichten soll die Stadt Sawija von Regierungsanhängern zurückerobert worden sein, die beiden Anführer der örtlichen Opposition sollen dabei gefallen sein. Ausserdem soll es der libyschen Armee gelungen sein, Waffen und Fahrzeuge zu beschlagnahmen.

17:34 Gaddafi kündigt Rede an In Kürze soll der libysche Despot erneut am Staatsfernsehen auftreten, meldet BBC.

16:51 Saif al-Islam gibt Interview In einem Interview mit Al Jazeera behauptet der Gaddafi-Sohn, die Menschen wollten keine Verfassung oder Freiheit, sondern Ruhe und Frieden. Sie wollten zur Arbeit gehen und ihre Leben leben. Die Aufständischen seien nur einige hundert, die versuchten, das Land in Ost und West zu teilen, sagt er.

Saif al-Islam im Interview (Screenshot Al Jazeera)

Saif al-Islam im Interview (Screenshot Al Jazeera)

16:30 Briten stoppen Schiff mit libyschen Banknoten Die britische Küstenwache hat ein Schiff voller Kisten mit libyschen Banknoten gestoppt, teilt die britische Regierung mit. Die Noten seien «an einem sicheren Ort» gebracht worden, nachdem das Schiff freiwillig in den Hafen Harwich zurückgekehrt ist. Die britische Privatfirma De La Rue produziert Banknoten von über 150 Nationen, darunter auch Libyen. Vor ungefähr einer Woche gab es Berichte über eine angebliche Bestellung des Gaddafi-Regimes, UN-Sanktionen verbieten entsprechende Lieferungen.

Libyscher Dinar

Libyscher Dinar

16:24 800 Kämpfer unterwegs nach Libyen Die Kämpfer würden von Gaddafi mit Waffen und Geld gelockt, berichten Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP in Mali. Seit zwei Tagen sollen sie schon unterwegs sein. Sie gehören den Tuareg an, einer Freiheitsbewegung, die seit Jahren von Gaddafi unterstützt wird. Gaddafi erhielt im Gegenzug die Zusicherung von Sicherheit europäischer Firmen, die in Tuareg-Gebiet Öl- und Uranabbau betreiben. Diesen Umstand konnte Gaddafi so jeweils in Verhandlungen mit europäischen Staaten einsetzen. Die Kämpfer erachten die Unterstützung des Unterdrückers des libyschen Volks «das Einhalten eines Versprechens», wie es die Korrespondenten formulieren.

15:49 Chaos und Tote in Tripolis Der Freitag ist schon seit Wochen der gefürchtetste Tag der Despoten in der arabischen Welt. Nach den Gebeten in Tripolis brachen dort offenbar grosse Unruhen aus. Alex Crawford von Sky News berichtet aus der Hauptstadt: «Das Militär hat das Feuer auf die Demonstranten gefeuert. Sie rannten in alle Himmelsrichtungen davon, wurden aber auf ihrer Flucht erschossen. Ambulanzen und private Fahrzeuge, die versuchen, Verletzte wegzubringen, werden umgehend unter Beschuss genommen. Viele der Ärzte in den Spitälern haben mir gegenüber geweint und bitten die internationale Gemeinschaft einzugreifen. Es ist das totale Chaos, ein Massaker.»

15:33 Ölraffinerie brennt Die von den Oppositionskämpfern eingenommene Ölraffinerie steht offenbar in Brand, wie Bilder des arabischen Fernsehsenders Al Jazeera zeigen sollen.

15:29 Oppositionskämpfer hintergehen Söldner Ein Kämpfer der Regimegegner schildert gegenüber Al Jazeera wie er mit weiteren Kämpfern mutmassliche Söldner traf, die eine Ölraffinerie bewachten. «Wir haben ihnen gesagt, wir stünden auf der Seite Gaddafis, worauf sie uns eingelassen haben. Als wir mit ihnen zusammen waren, haben wir sie mit Messern und Pistolen getötet und ihre Waffen mitgenommen». Daraufhin zeigt er auf ein schweres Maschinengewehr in den Händen eines Kämpfers.

«Mit Messern haben wir sie umgebracht» (Screenshot Al Jazeera)

«Mit Messern haben wir sie umgebracht» (Screenshot Al Jazeera)

15:23 Hinweise auf Massaker Ärzte berichten, die Zahl der Toten, die bei ihnen eingeliefert würde, sei um ein vielfaches höher, als die der Verletzten. Normalerweise ist das Verhältnis genau umgekehrt. Die Aussagen sind Hinweise darauf, dass das Gaddafi-Regime gezielt tötet und möglicherweise Verletzte hinrichtet.

14:37 Bilder von Kämpfen um Bengasi Das Video stammt von Youtube, wann es aufgenommen wurde ist nicht klar. Das Video und die dazu gemachten Angaben lassen sich nicht überprüfen.

Kämpfe um Bengasi

14:33 Mindestens 1200 Protestler in Tripolis Obwohl das Regime die Präsenz von Sicherheitskräften deutlich erhöht hatte, strömten allein im Stadtteil Tadschura rund 1200 aus einer Moschee. In Sprechchören forderten sie den Rücktritt von Staatschef Muammar al-Gaddafi. Viele schwenkten die schwarz-rot-grüne Fahne, die bis zur Machtergreifung Gaddafis die Nationalflagge war. «Ich habe keine Angst», sagte ein 29-Jähriger Demonstrant der Nachrichtenagentur AP. «Wir wollen der Welt zeigen, dass wir keine Angst haben.»

14:23 Flüchtlingswerke versuchen Bangladeschi heimzuschaffen Das arme Bangladesch musste gestern indirekt eingestehen, dass es keine Ressourcen hat um Transporte von Flüchtlingen zu finanzieren. Nun kümmern sich Flüchtlingswerke um sie: «Zur Zeit haben wir etwa 10 000 Arbeiter aus Bangladesch in den Flüchtlingscamps. Wir hoffen, noch heute damit anfangen zu können, sie nach Hause zu bringen.»

Bangladeschi im Flüchtlingscamp: «Bitte hilft uns. Wir wollen zurück nach Bangladesch.»

Bangladeschi im Flüchtlingscamp: «Bitte hilft uns. Wir wollen zurück nach Bangladesch.»

14:16 Truppen halten Flüchtlinge zurück Während bis Mittwoch täglich 10 000 bis 20 000 Flüchtlinge die Grenze überquert haben, waren es gestern nur noch 2000. Helfer auf der tunesischen Seite gehen wegen dem abrupten Einbruch davon aus, dass Truppen Gaddafis die Flüchtlinge vom Verlassen Libyens abhalten würden.

14:12 Unklare Haltung der Luftwaffe Zwar ist die Luftwaffe Gaddafi bis auf ganz wenige Ausnahmen ganzheitlich treu geblieben. Trotzdem ist unsicher, wie weit er sich auf sie verlassen kann. Denn es ist auffällig, dass in den bisher geflogenen Angriffen auf Brega und Bengasi kein einziger Treffer gelandet wurde: Die Opposition geht deshalb davon aus, dass die Piloten absichtlich daneben schiessen würden.

14:09 Starke Luftwaffe Die Luftwaffe ist Gaddafis Speerspitze im Kampf gegen die Rebellen. Ist sie ihm loyal gegenüber gestellt, hat die Opposition wohl keine Chance. Denn im Gegensatz zum Rest der libyschen Armee verfügt sie über offenbar volle Munitionsdepots, wie Spiegel Online berichtet. Nur eine kleine Hand voll Piloten und Offiziere aus der Luftwaffe sind bisher übergelaufen, denn Gaddafi achtete stets darauf, für die Luftwaffe nur Leute aus ihm loyal gegenübergestellten Stämmen zu rekrutieren.

14:06 «Nehmt Schweizer als Geiseln, es lohnt sich.» Die Nachricht von den 1,6 Millionen Dollar, die die Schweiz für die beiden Geiseln in Libyen bezahlt haben soll, verbreitet sich offenbar wie ein Lauffeuer in Libyen, twittert Tagesanzeiger-Korrespondentin Monica Fahmy.

13:47 Mehrere hundert Menschen auf den Strassen von Tripolis Die Demonstranten seien nach den Freitagsgebeten im Stadtteil Tadschura zusammengekommen, berichten Korrespondenten von Reuters sowie das «Libyan Freedom Movement».

12:19 Mindestens 300 Regimegegner in Tripolis verhaftet In einer nahe gelegenen Stadt sollen weitere 70 Oppositionelle abgeführt worden sein. «Die Gaddafi-treuen Kräfte gehen von Haus zu Haus und nehmen einen nach dem andern fest, der verdächtigt wird, die Opposition zu unterstützen», sagt Bouchuiguir, Generalsekretär der libyschen Menschenrechtsliga.

Journalisten in Tripolis festgehalten Die Berichterstattung über die Ereignisse in Tripolis bleibt weiter schwierig. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters hielten libysche Sicherheitskräfte am Freitag rund 130 ausländische Journalisten in ihrem Hotel fest. Die Reporter - unter ihnen auch Reuters-Journalisten - wollten in Richtung Stadt-Zentrum aufbrechen, um über mögliche Proteste nach den Freitagsgebeten zu berichten, als sich ihnen die Sicherheitskräfte in den Weg stellten.

11:16 Al Kaida ist verstummt ab der unerwarteten Umbrüchen «Ich habe sie noch nie so ruhig erlebt», sagte Jarrett Brachman, ein Experte für Al-Kaida und deren Medienstrategie, am Mittwoch vor einem Ausschuss des US-Kongresses. «Momentan verfolgt Al-Kaida die Strategie, abzuwarten und sich wegzuducken», sagte er. «So nachdenklich hat man die Al-Kaida-Führung noch nicht erlebt.» In Kommentaren auf «Shumukh al-Islam» lassen Extremisten ihrer Wut auf die Entwicklung freien Lauf. «Welcher Wandel? Die Leute haben nichts gestürzt», schreibt ein Nutzer mit Namen Abu Musab al- Dhahak. «Sie haben vielleicht Symbole und Gesichter gestürzt.» Der Nutzer Abu Talha al-Naimi hebt neue Chancen hervor: «Al Kaida wird sich nur leichter ausbreiten können, weil es wegen der Schwächung des Sicherheitsapparats für uns einfacher geworden ist, unsere Botschaft zu predigen.»
«Bei Regimewechseln in der arabischen Welt profitiert auf kurze Sicht Al-Kaida, weil die Umstürze die Instabilität erhöhen und ein Machtvakuum schaffen», sagt der Terrorexperte Barak Barfi von der «New America Foundation» in Washington. Westlichen Ländern wie den USA falle nun die Aufgabe zu, zu einer wirklichen Verbesserung der Lebensverhältnisse beizutragen. Sollte dies nicht gelingen, «dann wird Al-Kaida auch langfristig gedeihen», sagt Barfi.

10:55 SRK-Hilfsflug für Libyen-Flüchtlinge in Basel-Mülhausen gestartet Die Propellermaschine der «Farnair» startete um 10.30 Uhr in Richtung Djerba in Tunesien. Von dort sollen die Hilfsgüter auf dem Landweg zur libyschen Grenze gebracht werden. Geladen hatte das Flugzeug 3500 Wolldecken sowie zehn grosse Mehrzweckzelte. Ein zweiter SRK-Hilfsflug mit Familienzelten für Flüchtlinge auf Malta soll am Samstag in Brüssel starten. Finanziert wird die Aktion laut Schuler grösstenteils durch die humanitäre Hilfe des Bundes.

10:14 Gaddafis Truppen verstärken Präsenz vor Freitagsgebet in Tripolis Die Opposition hat erneut zu Demonstrationen aufgerufen, wenige Stunden vor den Freitagsgebeten sind die Strassen in Tripolis aber noch ungewöhnlich leer. Internetdienste, seit dem Beginn der Proteste am 15. Februar ohnehin nur sehr eingeschränkt verfügbar, sind in Tripolis und Benghasi komplett gestoppt. Am vergangenen Freitag hatte es in der libyschen Hauptstadt schwere Zusammenstösse gegeben. Gaddafi-Truppen hatten nach Berichten von Augenzeugen auf eine Gruppe von rund 500 Demonstranten geschossen, die nach dem Freitagsgebet auf die Strasse gegangen waren. Dabei sollen mehrere Menschen getötet worden sein.

09:49 Proteste in Ägypten, Bahrain und Irak In Bahrain gingen Sunniten und Schiiten mit Messern aufeinander los. Mindestens acht Personen wurden verletzt. In Ägypten rief die Demokratiebewegung, die vor genau drei Wochen den Rücktritt von Präsident Husni Mubarak erzwungen hatte, zu einer Kundgebung auf dem Tahrir-Platz auf. Dabei sollten die noch offenen Forderungen der Bewegung angesprochen werden: die Aufhebung des 30 Jahre alten Ausnahmezustands und die Freilassung aller politischer Gefangener. Neue Proteste wurden auch im Irak erwartet. Dort hatte es vor einer Woche bei Zusammenstössen mit Sicherheitskräften Dutzende Tote und Verletzte gegeben. Die Kundgebungen richten sich gegen Korruption, Misswirtschaft und das Versagen der Politik bei der Gewährleistung einer ausreichenden Strom- und Wasserversorgung.

Der Tahrir-Platz in Kairo (Screenshot Al Jazeera)

Der Tahrir-Platz in Kairo (Screenshot Al Jazeera)

02:25 Britischer Uni-Direktor tritt wegen Libyen-Affäre zurück Nach heftiger Medienkritik und Studentenprotesten wegen angenommener Spenden aus Libyen ist der Direktor der renommierten britischen Universität London School of Economics and Political Science (LSE) am Donnerstag zurückgetreten. Einem Sohn Gaddafis, Saif al-Islam, wurde 2008 von der LSE der Doktortitel verliehen. Ein Jahr später akzeptierte die LSE eine Spende von 1,5 Millionen Pfund (2,2 Mio. Franken) der Gaddafi International Charity and Development Foundation. Davies selbst nahm 50'000 Dollar an, die an die LSE bezahlt wurden, weil er 2007 einen staatlichen libyschen Investmentfonds beraten hatte. Er habe die Situation falsch eingeschätzt, als er der Einladung der britischen Regierung zu der Beratertätigkeit gefolgt sei. Nun will der Rat der LSE die Beziehungen der Universität zu Libyen und Saif al-Islam Gaddafi untersuchen. Dabei sollen auch Vorwürfe geprüft werden, Gaddafi habe seine Doktorarbeit von einem Ghostwriter schreiben lassen. 

00:11 Obama schickt Militärflugzeuge zum Flüchtlingstransport Ausserdem sollen zusätzlich Zivilmaschinen für den Airlift anderer geflohener Ausländer gechartert werden, teilte Obama am Donnerstag in Washington mit. Er will darüber hinaus US-Teams an die libysche Grenze entsenden, um die UNO und andere internationale Organisationen bei humanitären Aktionen innerhalb des Landes zu unterstützen.

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