Gewalt

Aufstand der weissrussischen Provinz: Lukaschenko lässt Proteste niederschlagen

Proteste in Belarus.

Proteste in Belarus.

Autokrat Alexander Lukaschenko klammert sich an die Macht – und lässt Proteste gegen ihn mit Gewalt niederschlagen.

Auf den Strassen der Hauptstadt Minsk prügelten in der Nacht zum Montag Sondereinheiten der Polizei auf bis zu 100'000 Demonstranten ein. Blendgranaten erhellten den Himmel, Tränengas und Wasserwerfer sollten die Massen aufgebrachter Bürger auseinandertreiben.

Die Polizei entgegnete den Protestierenden in der Hauptstadt Minsk mit Rauchbomben.

Die Polizei entgegnete den Protestierenden in der Hauptstadt Minsk mit Rauchbomben.

Die Nachwahlproteste lockten so viele Weissrussen wie noch nie in den 26 Regierungsjahren des Autokraten Alexander Lukaschenko auf die Strassen. Provoziert hatte den Aufstand die Verkündung amtlicher Nachwahlbefragungen kurz nach Urnenschluss am Sonntagabend. Sie sagten dem Diktator mit 81,5 Prozent erneut einen haushohen Wahlsieg über die Opposition voraus. Deren neue Hoffnung, die 37-jährige Swetlana Tichanowskaja, konnte demnach mit nur knapp 7 Prozent der Stimmen rechnen. «Schande!», «Fälschung!», riefen die Demonstranten und forderten Lukaschenko auf, das Land zu verlassen.

Tichanowskaja hatte die Weissrussen im Juli während ihrer Wahlkampagne mobilisiert, Tausende hatten die Meetings der jungen Hausfrau und Englischübersetzerin besucht, ihrem Ruf nach einem demokratischen Land gelauscht. Vor allem die lethargische, verarmte und eher Lukaschenko-treue Provinz hatte die Ehefrau eines im Juni eingesperrten, bekannten Videobloggers aufgerüttelt.

Nicht überraschend fanden die Befragungen am Montagmorgen ihre amtliche Bestätigung. Laut Lukaschenkos Wahlleiterin haben 80,2 Prozent den amtierenden Staatspräsidenten für eine sechste Amtszeit bestätigt. Tichanowskaja wurde mit 9,9 Prozent ein etwas höheres Ergebnis zugebilligt. Die Oppositionelle erklärte, sie erkenne das offizielle vorläufige Abstimmungsergebnis nicht an. «Ich betrachte mich selbst als Gewinnerin der Wahl», sagte sie. Die Kandidatin stützt sich dabei auf Informationen aus «sehr vielen» Wahlkommissionen, aber auch der Parallelzählung von rund 1,2 Millionen Stimmen durch die unabhängige Wählervereinigung Golos. Diese hatte die Weissrussen dazu aufgerufen, ihre ausgefüllten Wahlzettel zu fotografieren. Laut Golos waren 80 Prozent dieser Stimmen für Tichanowskaja.

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