USA

Auf dem Papier sind die Vorwahlen der Demokraten vorbei: Joe Biden gewinnt auch am «Super Tuesday II»

Das bestens gelaunte Ehepaar Joe und Jill Biden in Philadelphia.

Das bestens gelaunte Ehepaar Joe und Jill Biden in Philadelphia.

Joe Biden siegt auch in der nächsten Runde der Vorwahlen und baut im Rennen der demokratischen Präsidentschaftskandidaten seinen Vorsprung auf Kontrahent Bernie Sanders aus. Diesem wird es nun schwer fallen, Biden noch einzuholen.

Es half alles nichts: Weder der Massenaufmarsch in der Universitätsstadt Ann Arbor mit mehr als 10'000 begeisterten Anhängern und die Wahlempfehlung durch den Bürgerrechtler Jesse Jackson, noch die zunehmend scharfe Kritik an den politischen Ideen seines Kontrahenten. Am Dienstag gewann Senator Bernie Sanders in der Vorwahl in Michigan – einem Bundesstaat, wie geschaffen für das populistische Programm des ewigen Revolutionärs aus Vermont – weniger als 38 Prozent der Stimmen. Joe Biden hingegen, der führende Präsidentschaftskandidat der Demokraten, gemäss Teilergebnissen knapp 53 Prozent.

Dabei hatte sich Sanders Hoffnung gemacht, dass er in Michigan seinen Überraschungserfolg des Jahres 2016, als er Hillary Clinton knapp besiegte, wiederholen könnte. Auch behauptete er, einmal mehr, dass er im Industriestaat beweisen könne, dass seine Theorie stimme und er eine Koalition aus jungen Aktivisten, Afroamerikanern, Latinos und unzufriedenen Weissen zimmern könne, die den Politbetrieb in Washington auf den Kopf stellen werde.

Doch die Stützen dieser Koalition liessen ihn weitgehend in Stich. So gewann Biden sowohl in den Städten Detroit als auch Flint, in denen Amerikaner mit dunkler Hautfarbe eine klare Mehrheit der Bevölkerung stellen, eine deutliche Mehrheit. Sanders gelang es nicht einmal, den Verwaltungsbezirk Washtenaw, in dem sich Ann Arbor und die University of Michigan befinden, zu gewinnen – obwohl ihm doch die Herzen der jungen Wähler zufliegen. Noch besser für Biden waren die Resultate aus den Bezirken Oakland und Macomb im Speckgürtel von Detroit. Dort wohnen nicht nur Gewerkschaftler und Industriearbeiter, sondern auch Republikaner, die mit ihrem Parteikollegen im Weissen Haus nicht (mehr) zufrieden sind. (An der demokratischen Vorwahl in Michigan durften nicht nur Demokraten, sondern auch Republikaner und Parteiunabhängige teilnehmen.) In Oakland County gewann Biden bei hoher Stimmbeteiligung fast 60 Prozent, in Macomb County gegen 51 Prozent. Macomb galt einst, unter Präsident Ronald Reagan in den Achtziger- und Präsident Bill Clinton in den Neunzigerjahren, als nationaler Gradmesser für die Stimmung im Wahlvolk.

Wahlkampf-Auftritte in Ohio abgesagt

Weil Sanders auch in den Staaten Mississippi, Missouri und Idaho zurücklag und die Auszählung in Washington und North Dakota andauerte, verzichtete der Senator darauf, die Resultate zu kommentieren. Biden hingegen hielt in Philadelphia (Pennsylvania), wo sich auch das Hauptquartier seines Wahlkampfstabes befindet, eine kurze Siegesrede. Er fand darin einige nette Worte für seinen innerparteilichen Kontrahenten und dessen Anhänger. «Wir verfolgen ein gemeinsames Ziel», versicherte Biden. Auch präsentierte sich der ehemalige Vize von Präsident Barack Obama als einen «ehrlichen» Politiker, und er versprach, dass er auch in Krisenzeiten mit ruhiger Hand regieren würde.

Biden hielt diese Rede in Philadelphia, weil sein Stab sich zuvor entschieden hatte, einen Wahlkampf-Anlass in Cleveland (Ohio) abzusagen, nachdem die Gesundheitsbehörde vor Grossveranstaltungen in geschlossenen Räumen abgeraten hatte. Diesem Ratschlag folgte auch Sanders, der am Dienstag ebenfalls in Cleveland hätte um Stimmen werben wollen. Biden gab zudem bekannt, dass er am Donnerstag nicht nach Florida reisen werde, sondern an seinem Wohnort Wilmington (Delaware) eine Ansprache über das Coronavirus halte. Angesichts der explodierenden Fallzahl in Amerika, die Rede ist nun von mehr als 1000 infizierten Menschen, kann man darüber spekulieren, ob der "Super Tuesday II" der letzte traditionelle Urnengang im amerikanischen Vorwahl-Zirkus war. Zwar findet bereits am nächsten Dienstag in den grossen Staaten Florida, Ohio, Illinois und Arizona die nächste Runde der demokratischen Vorwahlen statt; es fällt aber derzeit schwer, sich vorzustellen, dass Biden und Sanders weiter wie gewohnt Reden halten, Schultern klopfen und Hände schütteln werden. Der Nachrichtensender «CNN» gab derweil bekannt, dass die nächste Fernsehdebatte der beiden demokratischen Präsidentschaftskandidaten in Phoenix (Arizona), geplant für den kommenden Sonntag, ohne Publikum stattfinden werde.

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