«Paris ist nicht mehr Paris», hatte Donald Trump im US-Wahlkampf bedauert, nachdem er gehört haben wollte, die französische Hauptstadt sei im Griff von Terroristen und Flüchtlingen. Auf Einladung des französischen Präsidenten Emmanuel Macron konnte sich Trump am Donnerstag nun selbst ein Bild machen. Zum Auftakt seiner zweitägigen Visite besuchten die beiden Präsidenten das überdimensionierte Grab Napoleons und das Armeemuseum im Invalidendom. Diniert wurde im Restaurant des Eiffelturms.

Und das war noch nicht alles: Heute Freitag ist Trump Ehrengast an der farbenprächtigen Truppenparade des «Quatorze Juillet», des französischen Nationalfeiertags. Mit von der Partie sind diesmal die US-Truppen, die vor hundert Jahren an der Seite der Franzosen in den Ersten Weltkrieg eingetreten waren.

Macron hatte die Einladung an den auch in Frankreich wenig geschätzten US-Präsidenten damit gerechtfertigt, die Vereinigten Staaten seien «unser wichtigster Partner bei den Geheimdiensten, der militärischen Kooperation und der Terrorbekämpfung». Auch bei der Klimapolitik wolle er Trump «die Hand reichen», um zu versuchen, «ihn zu überzeugen».

Mehrheit billigt den Besuch

Von links setzte es in Paris zum Teil scharfe Kritik am Empfang des «obersten Klimasünders». In sicherer Distanz zum Élysée-Palast und zum Eiffelturm versammelten sich Gegner in einer «No Trump Zone». Laut Umfragen billigt allerdings eine Mehrheit von 60 Prozent der Franzosen die Einladung. Und damit auch Macrons Politik der dargereichten Hand, während etwa die deutsche Kanzlerin auf Trumps Njet zum Pariser Klimaabkommen bedeutend kühler reagiert.

Der zeitliche Zufall wollte es, dass die deutsche und französische Regierung am Donnerstagmorgen zu einem ihrer bereits ritualisierten Treffen – diesmal im Élysée-Palast – zusammentrafen. Auch nicht ganz zufällig vereinbarten Merkel und Macron ein gemeinsames, 45 Millionen Euro teures Klimaforschungsprogramm. Sie starteten ferner mehrere gemeinsame Rüstungsprojekte für einen neuen Kampfjet sowie ein neues Panzermodell.

Kaum hatte sich Macron von Merkel verabschiedet, traf er am Nachmittag mit Trump zu einem bilateralen Gespräch zusammen. In der nachfolgenden Pressekonferenz zeigte sich, dass Trump auch in Paris von seiner Russland-Affäre verfolgt bleibt. Die anwesenden amerikanischen Journalisten verlangten einzig Auskunft über das Treffen seines Sohnes mit einer russischen Anwältin, das zum Ziel hatte, Informationen über die demokratische Ex-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton zu sammeln. Trump antwortete, das Treffen seines «bewundernswürdigen» Sohnes» sei nur «kurz» gewesen, und die Anwältin habe nicht die russische Regierung vertreten; die Presse bausche diese «bedeutungslose» Affäre auf.

Bewegt er sich beim Klima?

Gefragt, ob er bereit sei, auf seinen Rückzug aus dem Pariser Klimaabkommen zurückzukommen, antwortete der US-Präsident, «es könnte sich etwas tun». Ohne ins Details zu gehen, fügte er an: «Wir werden sehen, was passieren wird.» Beide Präsidenten kündigten ausserdem «für die nächsten Wochen» eine politische Syrien-Initiative an, um nach einem Waffenstillstand aus dem Krieg herauszukommen. Auf die Frage, ob Paris wieder Paris sei, meinte der US-Präsident, Macron werde die Stadt mit seinem harten Kampf gegen die Terroristen sicher befrieden. «Paris ist eine schöne Stadt», fügte er an, «und ich werde sicher zurückkommen.»