USA

Apple soll Milliarden heimbringen – die ersten Früchte von Trumps Steuerreform

Grosse US-Konzerne wie Apple haben Geldberge im Ausland angehäuft. Gut 250 Milliarden sollen es allein bei Apple sein. Zumindest ein Teil davon könnte durch die neue Steuerreform in die USA zurückfliessen. (Archiv)

Grosse US-Konzerne wie Apple haben Geldberge im Ausland angehäuft. Gut 250 Milliarden sollen es allein bei Apple sein. Zumindest ein Teil davon könnte durch die neue Steuerreform in die USA zurückfliessen. (Archiv)

Apple will 20'000 Jobs in den USA schaffen. Wegen Trump? Und wie realistisch ist das überhaupt? Die «Nordwestschweiz» hat drei US-Wirtschaftsexperten befragt.

David Teece ist Global-Business-Professor an der University of California in Berkeley. Dass mit Apple ein grosser Technologiekonzern ankündigt, massiv in den USA zu investieren und Tausende von Jobs zu schaffen, überrascht ihn nicht. Und das, obwohl Donald Trump «kein Fan der grossen Tech-Firmen» sei. In Scharen verliessen die Chefs der Tech-Riesen aus dem Silicon Valley bei San Francisco zuletzt die Berater-Gremien des Präsidenten. Und jetzt soll Trump der Grund sein, dass Apple Jobs in den USA schafft und massiv Geld aus dem Ausland zurückholt? «Ohne Zweifel», sagt Berkeley-Professor Teece beim Gespräch am Rande des World Web Forum in Zürich. Von 35 auf 21 Prozent drückte die Trump-Administration die Unternehmenssteuern, das Gesetz passierte vor wenigen Wochen den Kongress.

Diese grosse Steuerreform sei längst überfällig gewesen, meint auch Jérome Engel. Engel lehrte als Professor ebenfalls in Berkeley. Dass er Trump lobt, überrascht – ist Engel doch, wie er selbst sagt, ein Linksliberaler. Die Steuerkürzung für Unternehmen bedeutet für Engel indes eine «Normalisierung» der Verhältnisse. Und David Teece ergänzt: «Wir passen uns dem Rest der Welt an.»

Grosse US-Konzerne wie Apple haben Geldberge im Ausland angehäuft. Gut 250 Milliarden sollen es allein bei Apple sein. Dass dieses Geld – oder zumindest ein grosser Teil davon – wegen Trumps Steuerreform zurück in die USA fliesst, ist für Teece sicher. Apple hat diesen Schritt nun angekündigt. Andere werden wohl folgen. Die Befürchtung von Kritikern, dass die Konzerne das Geld an ihre Aktionäre ausschütten, statt Arbeitsplätze zu schaffen, teilt der Berkeley-Professor nur bedingt: «Ein Teil des Geldes wird sicher investiert», sagt er.

Ist Trumps Wirtschaftsprogamm also nun tatsächlich Balsam für die US-Ökonomie? «Wir kennen Trumps Wirtschaftsprogramm gar nicht», sagt Jérome Engel. Einzelne Massnahmen wie die Steuerreform und Prinzipien wie Deregulierung seien bekannt. Aber von Programm könne man noch nicht sprechen. Auch wisse niemand, wie viel Geld zurückfliesst oder wie viele Arbeitsplätze tatsächlich entstehen, relativiert er. Für die Konzerne sei es derzeit politisch opportun, grosse Ankündigungen zu machen. Doch was am Ende wirklich hängen bleibt, müsse man abwarten.

Was vom Trump-Jahr bleibt

Ein Punkt also für den US-Präsidenten. Und sonst? Insgesamt sei das erste Trump-Jahr chaotisch verlaufen, sagt David Teece. «Er hat gute Leute um sich geschart, aber die blieben meist nicht lange.» Die Besetzung von Neil Gorsuch als Richter am Obersten Gericht der USA («Supreme Court») und das Brechen von Tabus bleiben für Teece vom ersten Trump-Jahr hängen. Sein Kollege Charles O’Reilly, Professor für Management in Stanford, findet wesentlich weniger lobende Worte für den Präsidenten – im Gegenteil: «Impulsiv, egozentrisch und gefährlich» sei Trump. Vor allem auf internationaler Ebene sei das ein grosses Problem: «Unser politisches System ist stabil», sagt O’Reilly. Den Kongress und die Gerichte könne er nicht übergehen. Anders sehe es jedoch auf internationalem Parkett aus: «Aussenpolitik kann Trump unkontrolliert um fünf Uhr morgens per Twitter machen.»

Für die stabilen Institutionen der US-Politik ist auch Jérome Engel nach dem zurückliegenden Jahr besonders dankbar. Durch den amtierenden Präsidenten würden die US-Institutionen derzeit einem harten Test unterzogen. «Vorsichtig und besorgt», gehe er denn auch ins zweite Jahr unter US-Präsident Donald Trump.

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