Coronavirus

Appell zeigt Wirkung - Grenzzaun in Kreuzlingen verschwindet

Hier wird der Grenzzaun in Kreuzlingen abgebaut

Hier wird der Grenzzaun in Kreuzlingen abgebaut.

Der gemeinsame Appell von Kreuzlingen und Konstanz zeigt Wirkung: Der Grenzzaun verschwindet. Mit dem Rückbau ist am Freitagabend begonnen worden. Das haben deutsche und schweizerische Behörden entschieden.

Um 20.30 Uhr durchtrennten Vertreter beider Seiten gleichzeitig die Kabelbinder zwischen einzelnen Zaunelementen und trafen sich in der Mitte zwischen dem doppelten Zaun.

Unter viel Applaus, Bravo- und "die Mauer muss weg"-Rufen der Zuschauer wurden die Metallelemente zur Seite geräumt. Der Kreuzlinger Stadtpräsident Thomas Niederberger und der Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt hatten jeweils eine Flasche Kreuzlinger und Konstanzer Wein mitgebracht, um anzustossen, wie sie es sich bei der Grenzschliessung versprochen hatten.

Dass die beiden zusammengewachsenen Städte jetzt nicht mehr getrennt sind, sei "ein super gutes Gefühl", sagte Niederberger. "Die Situation, die wir jetzt hatten, lässt uns noch mehr schätzen, was wir hier haben."

Paare wieder vereint

Ab Samstag wird das Grenzregime zwischen der Schweiz, Deutschland und Österreich gelockert. Wer in einer grenzüberschreitenden Beziehung lebt, wer Verwandte besuchen will und wer im anderen Land eine Zweitwohnung hat, kann die Grenzen zwischen den Ländern passieren.

Der Beschluss gilt auch für Besitzer von Schrebergärten sowie von Landwirtschafts-, Jagd- oder Forstflächen. Ebenso dürfen Personen einreisen, die Tiere versorgen müssen. Diese Lockerung an den Landesgrenzen tritt um Mitternacht in Kraft. Es besteht dann keine Verpflichtung zur Nutzung der zugelassenen Grenzübergänge mehr. Die Grenze kann an jeder Stelle überschritten werden, wie die deutsche Bundespolizei auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mitteilte.

Doppelzaun im Zweimeter-Abstand

Deutschland hatte die Grenze zwischen Konstanz und Kreuzlingen am 16. März geschlossen und auf dem Parkareal am Bodensee einen Zaun hochgezogen. Dort trafen sich in der Folge viele Menschen. Am 3. April installierten die Schweizer Behörden auf dem 350 Meter langen Grenzabschnitt einen zweiten Zaun im Abstand von zwei Metern.

Es hätten sich zu viele Personen an der Grenze versammelt, der Gesundheitsschutz sei ungenügend, begründete der Regionale Führungsstab Kreuzlingen den doppelten Zaun. Stabschef Simon Hofmann sprach von "herzzerreissenden Szenen": Liebespaare, getrennte Familien, Freunde und Kollegen trafen sich am Zaun. Es wurde geküsst, Händchen gehalten und Kaffee getrunken.

Gemeinsamer Appell für Öffnung

Der Kreuzlinger Stadtpräsident und der Konstanzer Oberbürgermeister hatten am vergangenen Montag die schnellstmögliche Öffnung der Grenze gefordert. Angesichts der schrittweisen Lockerung der Pandemie-Massnahmen sei es "an der Zeit, der Bevölkerung eine Perspektive aufzuzeigen", erklärten die beiden Stadtoberhäupter in einem gemeinsamen Appell an die Bundesregierungen in Bern und Berlin.

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