"Welch unschätzbares Glück, dass Deutschland auf einen Kanzler des Vertrauens bauen konnte, als sich 1989 die Gelegenheit bot, das Tor zur Deutschen Einheit aufzustossen", sagte die CDU-Chefin am Donnerstagabend bei einem Festakt der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin. Anlass war die Wahl Kohls zum Kanzler vor 30 Jahren.

Der 82-Jährige rief eindringlich dazu auf, den Ausbau Europas fortzusetzen. "Europa darf nie wieder in den Krieg versinken!", sagte Kohl, der seit einem Sturz 2008 nur schwer sprechen kann. "Wir wollen weitermachen in der Einigung Europas."

Kanzler der Einheit

Bei der Veranstaltung vor mehreren Hundert Gästen im Deutschen Historischen Museum in Berlin wurde Kohl mit einer Sonderbriefmarke als "Kanzler der Einheit und Ehrenbürger Europas" geehrt, die am 11. Oktober erscheinen soll.

Merkel nannte den Festakt eine Verbeugung vor der Ära Kohls, der ein Stück deutscher und europäischer Geschichte geschrieben habe. "Uns eint die Hochachtung für seine Leistung." Kohl habe immer einen Draht zu den Bürgern gesucht und sich für ihre Sorgen interessiert.

Kohl war vom 1. Oktober 1982 an für 16 Jahre Kanzler. Er trat 1998 auch als langjähriger CDU-Chef ab. Wegen seiner Rolle in der CDU-Spendenaffäre 1999 gilt sein Verhältnis zu Merkel als zerrüttet. Kohl hatte am Gesetz vorbei Geld für die Partei angenommen und gibt die Namen der Spender bis heute nicht preis.

Der frühere italienische Ministerpräsident und Präsident der EU- Kommission, Romano Prodi, sagte: "Helmut Kohl hat Träume in Realität umgesetzt: die deutsche Vereinigung und die Unumkehrbarkeit des europäischen Projekts."

"Träume in Realität umgesetzt"

Angesichts der Euro-Krise mahnte er: "Nur vereint können wir diese Herausforderung meistern." Deutschland solle im Sinne Kohls Motor der Bemühungen sein.

Der russische Botschafter Wladimir Grinin zählte Kohl "zu dem engsten Kreis derer, die wie niemand anders die neueste Geschichte gestaltet und geprägt haben". Der amerikanische Botschafter Philip Murphy erinnerte daran, wie eng Kohl als "Freund der Vereinigten Staaten" mit drei US-Präsidenten zusammengearbeitet habe.

Zu dem Festakt waren zahlreiche Wegbegleiter Kohls gekommen. Darunter war Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), der mit langem Beifall begrüsst wurde. Kohl und Schäuble hatten wegen der CDU-Spendenaffäre miteinander gebrochen.

Anwesend waren auch die früheren Parteichefs und Minister in Kohls Kabinett, Theo Waigel (CSU) und Klaus Kinkel (FDP), sowie mehrere frühere Regierungschefs wie der österreichische Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel.