9/11 Verschwörungslügen

Amerikas Luftwaffe hatte an 9/11 keine Chance

Trümmer von UA 175 auf dem Dach von «WTC 5». William F. Baker/FEMA

Trümmer von UA 175 auf dem Dach von «WTC 5». William F. Baker/FEMA

Selbstmord-Terroristen entführten am 11. September 2001 vier Flugzeuge. Die Vorwürfe ans Pentagon sind lächerlich.

Obwohl die Beweise dafür, dass Osama Bin Ladens al-Kaida den gross angelegten Terrorangriff auf Amerika plante und am 11. September 2001 ausführte, überwältigend sind, tauchten bereits wenig später erste Zweifel an der offiziellen Version von 9/11 auf. Verschwörungstheoretiker glauben, dass die US-Regierung die Anschläge extra zugelassen oder sogar insgeheim ausgeheckt und durchgeführt hat. Die Verschwörungstheoretiker wollen nicht glauben, dass vier islamistische Selbstmordpiloten für den Terror verantwortlich waren.

Es gibt Skeptiker, die behaupten, nicht zwei Passagierjets seien in die Zwillingstürme geflogen, sondern Tankflugzeuge oder Raketen. Diese Behauptungen sind schlicht lächerlich, denn es gibt zahlreiche schockierte Augenzeugen, welche Flug 175 direkt in den Südturm fliegen sahen und dies auch bestätigt haben, es gibt Videoaufnahmen und Fotos. Es gibt hingegen keinen einzigen Augenzeugen, der ausgesagt hätte, er hätte ein Tankflugzeug oder eine Rakete gesehen. Während der offiziellen Untersuchung über das Kollabieren der Zwillingstürme fotografierte William F. Baker zudem auf dem Dach des tiefer gelegenen, neunstöckigen Gebäudes World Trade Center Nr.5 Trümmerteile von UA Flug 175.

Per Autopilot zum Ziel geführt

Es gibt Skeptiker, die behaupten, die Kaida-Terroristen seien Amateure gewesen und hätten es nie geschafft, die Flugzeuge in die Türme beziehungsweise ins Pentagon zu fliegen. Fakt ist jedoch, dass alle vier Kaida-Piloten je mindestens 250 Flugstunden ausweisen konnten und den Pilotenschein für mehrmotorige Düsenjets gemacht hatten. Die Entführer waren insbesondere im Umgang mit dem Autopiloten geschult worden. Mit mobilen GPS-Geräten massen sie an den Terrorzielen die genauen Positionssignale. Diese tippten sie am 11. September 2001, nachdem sie die Kontrolle über das Cockpit übernommen hatten, einfach ins Flugmanagement-System ein – und flogen relativ einfach auf ihre Ziele zu. Der Pilot von AA 77, das verriet später die im Pentagon gefundene Blackbox, tippte die Koordinaten vom Reagan-Flughafen in Washington, DC, ein und liess sich per Autopilot dorthin fliegen. Erst in den letzten acht Minuten des Fluges übernahm der Terrorist die Kontrolle und flog den Jet von Hand ins Pentagon.

Es gibt Skeptiker, die behaupten, die US-Luftwaffe habe absichtlich zugeschaut beziehungsweise sei auf Befehl am Boden geblieben – denn sonst wären die US-Kampfjets innert kürzester Zeit aufgestiegen und hätten die entführten Maschinen abgeschossen, bevor sie als Kamikazeflugzeuge eingesetzt wurden. Diese Skeptiker interessieren sich vor allem für AA 77 (Pentagon) und für UA 93 (Shanksville). Denn spätestens um 9.03 Uhr, als beide Zwillingstürme in Flammen standen, wurde den US-Streitkräften klar, dass von den entführten Passagiermaschinen grosse Gefahr drohte, auch für das Weisse Haus und das Kapitol in Washington, DC. Dennoch flogen AA 77 und UA 93 noch 34 Minuten beziehungsweise sogar 60 Minuten lang ungehindert durch Amerikas Luftraum.

Minutenprotokoll der Luftabwehr

Für den Schutz des amerikanischen Luftraums ist im Nordosten der USA der «Northeast Air Defense Sector» zuständig, kurz: NEADS. Dass Terroristen Jets ziviler Luftgesellschaften entführen und wie Cruise Missiles gegen markante Ziele einsetzen würden, damit rechnete das US-Militär aber offenbar nicht – auf dieses Szenario waren die Uniformierten überhaupt nicht vorbereitet gewesen.

Wie hilflos die amerikanische Luftabwehr am 11. September 2001 reagierte, kann man seit fünf Jahren in einem faszinierenden Artikel im Magazin «Vanity Fair» nachlesen. Michael Bronner hat darin das in der Flugabwehr herrschende militärische Chaos im Detail rekonstruiert, auf der Grundlage von freiprozessierten Audioaufnahmen von vier im Kontrollraum von NEADS in Rome, New York, fest installierten Diktiergeräten. Demnach erging der erste Hinweis auf ein entführtes Flugzeug an die US-Luftabwehr exakt um 8.37 Uhr. Zivile Lotsen aus Boston informierten ihre militärischen Kollegen bei NEADS wie folgt: «Hallo! Wir haben ein Problem. Ein entführtes Flugzeug fliegt Richtung New York.» Der Diensthabende bei NEADs fragte verdutzt nach: «Meint ihr das ernst, oder ist es eine Übung?» Denn am 11. September 2001 fanden zahlreiche Militärübungen im Nordosten der USA statt. Trotzdem reagierte NEADS-Chef Major Kevin Nasypany sehr schnell. Innerhalb weniger Minuten gab er zwei F-15-Abfangjägern von der Otis Air National Guard Base in Falmouth, Cape Cod, den Befehl, sich startklar zu machen, aufzusteigen und sich auf die Suche nach AA 11 zu machen. Die zivilen Lotsen konnten aber NEADS keine Koordinaten über Flugroute und Flughöhe von AA 11 übermitteln.

Abfangjäger kamen zu spät

Die Militärjets waren noch unten auf der Startpiste, als um 8 Uhr 46 die entführte AA 11 in den Nordturm krachte. Dass zeitgleich mit UA 175 eine weitere entführte Maschine
auf New York zuraste und UA 93 auf Washington, DC, zusteuerte – davon erfuhr die militärische Luftabwehr erst, als das eine Flugzeug im Südturm explodiert und das andere über dem ländlichen Pennsylvania abgestürzt war. Um 9.09 Uhr liess Nasypany zwei weitere Abfangjäger startklar machen, zwei F-16 von der Langley Airbase in Hampton, Virginia. Die Daten zu AA 77 wurden erst um 9 Uhr 34 – drei Minuten vor dem Absturz – an NEADS übermittelt. Sofort wurden die F-16 nach Washington beordert, doch sie hatten keine Chance zum Eingreifen.

Der Hamburger Historiker Bernd Greiner folgert deshalb zu Recht: «Dass die Luftabwehr Zeit und Gelegenheit gehabt hätte, einen oder mehrere der entführten Jets zu stellen oder gar abzudrängen, diese Behauptung entbehrt jeder Grundlage.» Die Abfangjäger waren zu keinem Zeitpunkt auch nur in Sichtnähe der entführten Maschinen.

Michael Bronner, «9/11 Live: The NORAD Tapes», Vanity Fair (August 2006).

Lesen Sie morgen in der az:
Weshalb stürzten die Zwillingstürme und das Hochhaus «WTC 7» ein?

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