Kluge Köpfe sind der Meinung, dass die älteste Demokratie der Welt mit den Besonderheiten des modernen Politbetriebs, in dem Emotionen mehr zählen als Fakten, überfordert ist. Am Donnerstag konnte sich nun buchstäblich die ganze Welt vergewissern, dass diese These stimmt.

Eine Senatsanhörung, in der ein mutmassliches Opfer eines sexuellen Übergriffs und der angeschuldigte Täter stundenlang über vage Anschuldigungen sprechen mussten. Natürlich war es verständlich, dass sich der angeschuldigte Brett Kavanaugh emotional gegen den Vorwurf wehrte, er habe als Teenager versucht, eine 15-Jährige zu vergewaltigen. Das ist sein gutes Recht.

Dass Kavanaugh aber das Gefühl hatte, er müsse Senatoren persönlich attackieren, die ihm Fragen zu seiner Jugendzeit stellten, ist höchst befremdlich. Und dass er dabei den arroganten Schnösel gab, machte alles noch viel schlimmer. Dies passt so gar nicht zum Image eines abgeklärten Juristen, der erst dann Emotionen zeigt, wenn seine zwei Töchter ein Basketball-Turnier gewinnen. Und das ist letztlich einer der tragischen Aspekte dieses Nominationsprozesses. Brett Kavanaugh hätte es in der Hand gehabt, in einer Situation, in der er auf die Probe gestellt wurde, mit einer Mischung aus Emotionen und Anstand zu reagieren. Stattdessen beschloss Kavanaugh, den Mann im Weissen Haus zu imitieren, dem er seine Beförderung zu verdanken hat. Kurzfristig mag sich das auszahlen. Längerfristig aber wird die Hauptstadt-Elite, zu der sich Kavanaugh zählt, einen hohen Preis für diesen Opportunismus zahlen.