Knox-Freispruch

Amanda Knox fliegt nach Freispruch heim in die USA

Nach ihrem spektakulären Freispruch im Mordprozess von Perugia ist die US-Amerikanerin Amanda Knox am Dienstag in ihre Heimat zurückgeflogen. Der Fall der 2007 getöteten Britin Meredith Kercher bleibt damit ungeklärt, jedenfalls fürs erste.

Die Staatsanwälte Giuliano Mignini und Manuela Comodi wollen die Freisprüche von Knox und ihrem Ex-Freund Raffaele Sollecito aber nicht hinnehmen. Nach der überraschenden Wende in dem Berufungsprozess kündigten sie an, den Fall vor das Kassationsgericht ziehen zu wollen. Dies wäre die dritte und letzte Instanz.

"Ich habe noch nie einen solchen Mediendruck erlebt, so kann man nicht vorankommen", erklärte Staatsanwalt Mignini. "Das Urteil von Montagabend ist falsch und widersprüchlich. Also muss das Kassationsgericht entscheiden, wer Recht hat", verwies er auf die hohe Haftstrafe für beide in erster Instanz.

Diese war vor allem von US-Medien mit erheblicher Kritik an Italiens Justiz bedacht worden. In erster Instanz waren Knox und Sollecito 2009 in der mittelitalienischen Universitätsstadt zu 26 und 25 Jahren Haft verurteilt worden.

Das Gericht in Perugia hatte es als erwiesen angesehen, dass Knox und Sollecito die Britin unter Einfluss von Drogen und Alkohol getötet hatten, während ein ebenfalls berauschter Bekannter die Arme des Opfers festhielt. Bei diesem handelt es sich um den Ivorer Rudy Guede. Er war 2008 nach einem Teilgeständnis zu 16 Jahren Haft verurteilt worden.

Zweifelhaftes Beweismaterial

Das Berufungsgericht sprach nun am Montagabend Knox und Sollecito frei. Die Britin Kercher war Anfang November 2007 mit durchgeschnittener Kehle, vergewaltigt und von Messerstichen übersät in dem Haus in Perugia gefunden worden, das die 21-Jährige mit Knox bewohnt hatte.

Die Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass Kercher von Knox, Sollecito und Guede getötet wurde, weil sie sich weigerte, bei Sexspielen mitzumachen. Das Beweismaterial hielt aber der Berufung nicht stand.

Unabhängige Experten äusserten während dem Berufungsprozess ernsthafte Zweifel an den DNA-Tests, die zur erstinstanzlichen Verurteilung von Knox und Sollecito geführt hatten. Die beiden Angeklagten beteuerten vor dem Urteilsspruch noch einmal ihre Unschuld. Sie seien zur Tatzeit nicht in der Wohnung gewesen.

Nach den Freisprüchen kamen Knox und Sollecito frei. Am Dienstag war Sollecito wieder zu Hause in seinem süditalienischen Heimatort Giovinazzo.

Die 24-jährige Knox stieg am Dienstag in Rom mit ihrer Familie in ein Flugzeug nach London, um von dort aus in die USA nach Seattle weiterzufliegen.

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