Konklave

«Alle raus hier»: So beginnt die Wahl eines neuen Papstes

Kardinäle bei ihrer Ankunft in Rom.

Kardinäle bei ihrer Ankunft in Rom.

Am Dienstag werden 115 Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle eingesperrt. Ihre Mobiltelefone blieben draussen, denn SMS und Co sind bei der Papstwahl undenkbar. Überhaupt wird nicht geredet. Ob es rasch einen neuen Papst gibt, ist sehr unsicher.

Gestern verkündeten die Kardinäle den mit Spannung erwarteten Beginn des Konklaves: Dienstag, 12. März. Die «Nordwestschweiz» stellt die Papstwahl in acht Schritten vor:

1 Extra omnes! Alle raus hier!

Das Konklave beginnt damit, dass der Zeremonienmeister in die Sixtinische Kapelle tritt und ruft: «Extra omnes» – «alle raus hier!» Nach einem Gottesdienst im Petersdom ziehen die Kardinäle in vollem Ornat und unter dem Gesang des Hymnus «Veni Creator» in die Sixtinische Kapelle. Damit erflehen sie den Beistand des Heiligen Geistes für ihre Wahlfindung.

Das Wort Konklave leitet sich vom Lateinischen «cum clave» (mit Schlüssel) ab und bezieht sich auf die Tatsache, dass die Kardinäle während der Wahl in der Sixtinischen Kapelle eingeschlossen und von jedem Kontakt zur Aussenwelt abgeschirmt werden. Auch das Domus Sanctae Marthae, das Gästehaus des Vatikans, wird während des Konklaves zum Hochsicherheitstrakt: Die Wände werden vor dem Konklave – ebenso wie die Sixtina – nach versteckten Mikrofonen, Minikameras und Aufnahmegeräten abgesucht. Die Kardinäle dürfen während des Konklaves weder Telefon, noch Fernsehen, Radio oder Zeitungen benützen.

2 Keine SMS erlaubt

Vor dem Beginn der Papstwahl werden auch die Kardinäle selber nach versteckten Mobiltelefonen oder anderen elektronischen Übermittlungsgeräten abgesucht. Um auf Nummer sicher zu gehen, soll im Umfeld der Sixtinischen Kapelle sogar ein «Jammer» eingesetzt werden: Ein Störsender, der sämtliche elektronische Übertragungssignale unterdrückt. Denn das Ergebnis der Papstwahl soll auch in der Ära der Smartphones nicht durch ein SMS oder einen Tweet an die Welt kommuniziert werden, sondern – wie seit Jahrhunderten – durch Rauchzeichen.

3 Eligo – ich wähle als Papst…

Nachdem die Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle Platz genommen haben, werden die Stimmzettel verteilt, die in der oberen Hälfte den Aufdruck «Eligo in Summum Pontificem» («Ich wähle als Papst») führen. Für die Wahl ist eine Zweidrittelmehrheit erforderlich: Die von Johannes Paul II. eingeführte Regel, wonach ab dem 34. Wahlgang auch die absolute Mehrheit genügen würde (wenn die Kardinäle dies wollten), ist von Benedikt XVI. wieder abgeschafft worden. Wenn sie wollen, können sich die Kardinäle aber ab dem 34. Wahlgang für eine Stichwahl der beiden aussichtsreichsten Kandidaten entscheiden; nach wie vor bleibt aber eine Zweidrittelmehrheit erforderlich.

4 Schwarzer Rauch

Nach jedem Wahlgang werden die Wahlzettel verbrannt; wurde kein neuer Papst gekürt, werden nasses Stroh und Chemikalien beigemischt, die den Rauch schwarz färben. Am ersten Tag findet nur ein Wahlgang statt, dann folgen drei Tage mit je vier Wahlgängen (zwei am Morgen und zwei am Nachmittag); dann folgt eine eintägige Pause. Danach wird der Rhythmus geändert: In Blöcken von fünf Tagen erfolgen jeweils sieben Wahlgänge, worauf wieder ein Tag Erholung winkt.

Die Zahl der Wahlgänge ist nicht beschränkt – theoretisch kann ein Konklave monatelang dauern. Dies ist in der langen Geschichte der Kirche schon mehrfach vorgekommen – nicht immer zur Freude der Bürgerinnen und Bürger. Als sich im Jahr 1268 die 18 Kardinäle in Viterbo nach mehreren Monaten immer noch nicht auf einen Papst hatten einigen können, wurden sie von der entnervten Bevölkerung, die für den Unterhalt der frommen Männer aufzukommen hatte, kurzerhand auf Diät gesetzt, um die Entscheidfreudigkeit der Kardinäle zu erhöhen: Serviert wurde nur noch Wasser und Brot. Als auch dies nichts fruchtete, wurde zusätzlich noch das Dach des Papstpalastes abgedeckt. Erst nach einer Sedisvakanz von zwei Jahren und neun Monaten, am 1. September 1271, war es endlich so weit: Teobaldo Visconti nahm die Wahl an und regierte fortan als Gregor X. die Kirche. Als Konsequenz aus dem Desaster erklärte er die Einschliessung der Kardinäle zur Norm, die bis heute gültig ist.

5 Weisser Rauch und Glocken!

Gibt es eine Zweidrittelmehrheit und damit einen Wahlsieger, wird für weissen Rauch gesorgt. Neu ist diesmal, dass die Papstwahl von Glockengeläute der Petersbasilika begleitet wird: Bei der Wahl Benedikts XVI. war den Gläubigen auf dem Petersplatz lange nicht klar, ob da nun weisser, grauer oder schwarzer Rauch aus dem Kamin der Sixtinischen Kapelle aufstieg.

6 Accipio – ich nehme an!

Hat das Heilige Kollegium in der Sixtinischen Kapelle einen neuen Nachfolger Petri gewählt, fragt ihn der ranghöchste Kardinal, ob er die Wahl annehme. Sobald er seine Zustimmung mit dem Wort «accipio» erklärt hat, ist er im Vollbesitz der gesamten päpstlichen Gewalt und rechtmässiges Oberhaupt der römisch-katholischen Universalkirche. Die Wahlzettel werden verbrannt, über der Sixtina steigt weisser Rauch auf.

7 Namen wählen und Papstgewand anziehen

Nachdem der neue Pontifex seinen Papstnamen gewählt hat, wird er in einen Nebenraum der Sixtinischen Kapelle – die sogenannte «Camera delle Lacrime», die Kammer der Tränen – geführt, wo er die ersten Huldigungen der Kardinäle entgegennimmt und das Papstgewand anzieht.

8 Habemus papam! Wir haben einen Papst!

Damit ist das Konklave beendet, und die Siegel an den Türen werden gebrochen. Erst dann verkündet der erste Kardinaldiakon von der Loggia des Petersdoms der Menschenmenge die Nachricht: «Annuntio vobis gaudium magnum: Habemus papam! – Ich verkünde euch eine grosse Freude: Wir haben einen Papst!»

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