G-7-Gipfel

Alkoholfreies Bier mit Botschaft: Obama und Merkel halten zusammen

Bei Bier und Weisswürsten: US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel demonstrieren Harmonie und Einigkeit in der Haltung gegenüber dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Prächtiger könnte das Wetter für die Inszenierung der deutsch-amerikanischen Freundschaft nicht sein: Strahlend blauer Himmel, fantastisches Alpenpanorama, ein hübsch herausgeputzter Ortskern der 2000-Seelen-Gemeinde Krün, Festbänke, Frauen in Dirndln, Klänge von Alphörnern. Und schon früh am Tag weissbiertrinkende Männer, die deftige bayrische Kost dazu vertilgen.

US-Präsident Barack Obama und Kanzlerin Angela Merkel mischen sich unters Volk. Der mächtige Mann aus Washington nippt an einem Weissbier, prostet ausgewählten Einheimischen zu. Der US-Präsident bekommt ein Alkoholfreies. «Grüss Gott», sagt Obama, und dann redet er davon, dass er vergessen habe, die Lederhosen mitzubringen. Prima Stimmung. Und eine klare Botschaft an den russischen Präsidenten Wladimir Putin: Deutschland und die USA halten zusammen.

Ausgeklammert haben Merkel und Obama die atmosphärischen Störungen zwischen Berlin und Washington im Zuge des jüngsten Spionageskandals. Der US-Dienst NSA soll via den deutschen Geheimdienst europäische Institutionen ausgeschnüffelt haben. Für Merkel ist das innenpolitisch gerade höchst unangenehm. Trotzdem wird das Thema verschwiegen.

Sanktionen gegen Russland bleiben

Kurz nach dem Auftritt in der bayrischen Idylle zogen sich Merkel und Obama zurück ins Schlosshotel Elmau, nur wenige Kilometer von Krün entfernt. Dort begann der G-7-Gipfel der führenden westlichen Industrienationen. In einem Vier-Augen-Gespräch redeten Merkel und Obama gleich zu Beginn über die Krise in der Ostukraine. Die Kanzlerin und der US-Präsident einigten sich darauf, dass die Sanktionen gegen Russland so lange aufrechterhalten bleiben sollen, bis Moskau das Abkommen von Minsk erfüllt. Obama sprach von «russischer Aggression in der Ukraine», der sich der Westen entgegenstellen müsse.

Scharfe Töne schlug gestern der ebenfalls anwesende EU-Ratspräsident Donald Tusk an. Der Pole brachte eine Verschärfung der Sanktionen gegen Russland zur Sprache. «Wenn irgendeiner eine Debatte starten sollte über Veränderungen bei den Sanktionen, dann könnte es nur um eine Verschärfung gehen», sagte Tusk.

Sorge um Griechenland

Am G-7-Gipfel nehmen neben Barack Obama und Gastgeberin Angela Merkel die Staats- und Regierungschefs Frankreichs, Grossbritanniens, Italiens, Kanadas und Japans sowie die Präsidenten von EU-Kommission und EU-Rat teil. Gestern Abend wurde unter anderem über die Lage Griechenlands gesprochen. Die Hängepartie um das von der Pleite bedrohte Euro-Land sollte in der Sitzung zur Lage der Weltwirtschaft zur Sprache kommen. In den Nicht-Euro-Ländern der G-7 wird mit Unbehagen verfolgt, dass es den Europäern seit Jahren nicht gelingt, das griechische Schuldendrama zu beenden. Bis Montagnachmittag wollen die G-7-Staaten über zahlreiche weitere Themen wie Klimaschutz, Terrorbekämpfung, Frauenförderung und Entwicklungshilfe beraten.

Den Kommentar zum Thema finden Sie hier.

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