Al-Nusra habe mit Unterstützung der Gruppen Dschund al-Aksa und Ahrar al-Scham die Militärbasen Wadi al-Deif und Hamidijeh nach heftigen Kämpfen eingenommen, bestätigte auch die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

"Der Vorstoss der Dschihadisten hat grosse symbolische Bedeutung und zeigt den (gemässigten) Rebellen, dass die Al-Nusra-Front wirklich in der Gegend die Kontrolle hat", sagte der Leiter der oppositionsnahen Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman.

Demnach setzte die Miliz bei dem am Sonntagmorgen begonnenen Angriff auf Wadi al-Deif Panzer und andere schwere Waffen ein. Diese hatten sie im November von der Syrischen Revolutionsfront erbeutet, einer vom Westen unterstützten moderaten Rebellengruppe.

Gemässigte Rebellen vertrieben

Mit der Eroberung der beiden Militärbasen ist der Grossteil der Provinz Idlib nunmehr unter Kontrolle der Al-Nusra-Front. Die Dschihadistengruppe hatte im November die gemässigten Rebellen aus weiten Gebieten im Nordwesten des Landes vertrieben.

Die Rebellen hatten Wadi al-Deif zwei Jahre lang belagert, doch war es ihnen nicht gelungen, den Stützpunkt einzunehmen. Idlib war eine der ersten Provinzen, die nach Beginn des Volksaufstands im Frühjahr 2011 an die Rebellen fiel.

Die Gruppe Ahrar al-Scham hatte sich bis September eher auf Distanz zu radikaleren Dschihadistengruppen gehalten. Nachdem am 9. September bei einem Anschlag ihre gesamte Führung getötet wurde, schloss sie sich aber mit der Al-Nusra-Front zusammen.

Ahrar al-Scham warf einer "kriminellen Gruppe" mit "internationalen Verbindungen" vor, hinter dem Anschlag zu stecken. Laut Abdel Rahman ist dies ein Verweis auf westliche Geheimdienste.

EU unterstützt UNO-Anstrengungen

Unterdessen stellte sich die EU hinter Bemühungen der UNO, eine Feuerpause in Syriens zweitgrösster Stadt Aleppo zu vermitteln. Das sagte die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini beim Treffen der EU-Aussenminister in Brüssel.

Europa werde den UNO-Sondergesandten Staffan de Mistura bei seinen Anstrengungen unterstützen, örtliche Waffenruhen zu erreichen, sagte Mogherini. Die UNO bemüht sich, zumindest auf örtlicher Ebene Feuerpausen zu erreichen, um Hilfsgüter zu verteilen.

Der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier stellte sich ebenfalls hinter die Initiative von de Mistura. Auch wenn es mit Hilfe von Luftangriffen gelungen sei, die Einnahme der nordsyrischen Stadt Kobane durch die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) zu verhindern, sei klar, dass es keine militärische Lösung für den Konflikt geben werde, sagte er in Brüssel. Deshalb seien "neue Ansätze" wichtig, um "stufenweise zur Reduzierung der Gewalt" zu kommen.