Der Fall warf viele Fragen auf. Im Herbst 2017 erwägte die USA, ihre Diplomaten aus der US-Botschaft in Havanna abzuziehen. Grund dafür: Mitarbeiter der Botschaft klagten über mysteriöse Gesundheitsbeschwerden. Man spekulierte über einen «akustischen Anschlag», der mittels Schall die Mitarbeiter schädigte.

Die Beziehungen zwischen Kuba und den USA litten darunter, mehrere Diplomaten wurden auf beiden Seiten aus den Ländern verwiesen. Die Quelle der seltsamen Geräusche konnte jedoch nie ermittelt werden.

Letzte Woche präsentierten nun zwei Forscher eine plausible Erklärung für die Geräusche. Alexander Stubbs der University of California und Fernando Montealegre-Z der Lincoln-Universität (England) haben die Tonaufnahmen analysiert und sind zum Schluss gekommen, dass es sich dabei um liebestolle Grillen handle. 

Die beiden Wissenschaftler identifizierten den Übeltäter als westindische kurzschwänzige Grille (Anurogryllus celerinictus). Diese ist in der Karibik angesiedelt und ist für ihr penetrantes Zirpen bekannt, insbesondere die Männchen, welche damit auf Brautschau gehen.

Um diese Grille soll es sich handeln:

Gegenüber der New York Times sagte Stubbs, dass er in Costa Rica ebenfalls Ton-Aufnahmen der Grillen machte. Ihr Zirpen sei so laut, dass man sie selbst während einer Fahrt in einem Diesel-Truck höre. Als er die Aufnahmen der Geräusche in Havanna das erste Mal hörte, seien sie ihm bekannt vorgekommen.

Die beiden Forscher sagten, dass ihre Analyse jedoch nicht einen bewussten Angriff auf amerikanische Diplomaten ausschliesse. Die kubanische Regierung oder sonst wer hätte diese Grillen willentlich platzieren können. Es könnte auch sein, dass die Ursache für die gesundheitlichen Probleme der Diplomaten eine andere sei.

Dr. Douglas Smith, der die medizinische Untersuchung des Botschaft-Personals leitete, sagte gegenüber der «New York Times», dass die Grillen-Theorie eine Möglichkeit sei. Allerdings haben nicht alle Geschädigten ein seltsames Geräusch gehört. Eine einzelne Aufnahme der Geräusche in der Botschaft könne kein vollständiges Bild zeigen. (jaw)