Herr Gauland, wie war Ihre Woche?

Alexander Gauland: Anstrengend. Der Wahlabend, die Siegesfeier, die TV-Diskussion, die Wahl der parlamentarischen Geschäftsführung, und dann gab es im Landtag von Brandenburg auch noch einiges zu tun. Es ist ein bisschen viel in letzter Zeit.

Das klingt nicht sehr euphorisch. Die AfD kam bei den Bundestagswahlen aus dem Stand auf knapp 13 Prozent.

Es gab Umfragen, die uns zweistellige Prozentwerte voraussagten. Aber natürlich ist es ein Erfolg. Die Menschen haben uns in erheblicher Zahl ihr Vertrauen geschenkt, und das macht mich glücklich.

Ihr Satz «Wir werden Sie jagen» ging um die Welt. War das spontan?

Das war spontan und hat natürlich nichts mit Menschenjagd zu tun. Es ist völlig lächerlich, die Aussage als menschenfeindlich darzustellen. SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles sagte, die CDU bekomme von ihr «in die Fresse». Das ist menschenfeindlich. Meine Formulierung stammt aus dem britischen Parlamentarismus, wo es heisst, die Opposition müsse die Regierung jagen.

In der Schweiz wird man nicht müde, die Unterschiede zwischen AfD und SVP zu betonen. Wie nahe sind sie sich?

Das kann ich nicht beurteilen. Ich bin kein Kenner der SVP, weiss aber aus der einzigen Diskussion in der Sendung «Arena» damals mit Herrn Blocher, dass er eine möglichst grosse Distanz zwischen mich und die SVP legen möchte. Ich pflege gerne Kontakte, wenn sie gewünscht sind, aber ich dränge mich der SVP bestimmt nicht auf.

Viele distanzieren sich auch wegen Ihrer Aussagen zum Zweiten Weltkrieg. Wie meinten Sie das, als Sie sagten, die Deutschen dürfen stolz sein auf die Leistungen ihrer Soldaten?

Sie müssen meine Rede genau nachlesen. Ich beziehe mich auf den Versuch von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, jede Traditionslinie zwischen der Wehrmacht und der Bundeswehr zu kappen. Das ist ahistorisch und töricht. Die Bundeswehr ist von Wehrmachtsoffizieren aufgebaut worden. Ich habe die Verbrechen der Führung in meiner Rede verurteilt, aber auf die Leistung der einzelnen Soldaten im Sinne der Vaterlandsverteidigung hingewiesen.

Aber bei einem Angriffskrieg können Sie ja schlecht von Vaterlandsverteidigung sprechen.

Heute wissen wir, wer den Krieg angefangen hat, aber die Soldaten, die eingezogen wurden, haben sich darüber keine Gedanken gemacht und waren von einer Führung geblendet, die ihnen gesagt hat: «Ihr verteidigt euer Vaterland». Im Übrigen habe ich auch die Soldaten des Ersten Weltkriegs erwähnt. Und über sie hat der einstige französische Präsident und Sozialist François Mitterrand gesagt, sie seien tapfer gewesen und glaubten, ihr Vaterland zu verteidigen.

Aber es ist klar, dass es aus Ihrem Mund eine Provokation ist.

Ich wollte nicht provozieren. Ich finde nur, dass wenn wir uns ausgiebig mit den Verbrechen beschäftigt haben, wir auch das Recht haben, stolz zu sein auf die Leistung derer, die eben keine Verbrechen begangen haben. Dass das einen Sturm der Entrüstung auslöst, hätte ich nicht gedacht.

Zurück zur Aktualität. Frauke Petry ist ausgetreten. In verschiedenen Landtagen kam es zu weiteren Abgängen. Die Gruppe «Alternative Mitte» hat sich gegründet. Fällt Ihre Partei auseinander?

Nein, aus der Bundestagsfraktion ist ausser Frauke Petry niemand gegangen. Die Alternative Mitte ist jetzt davon befreit, Frau Petry unterstützen zu müssen. Ihre Vertreter haben mir versichert, dass sie loyal mit allen in der Partei zusammenarbeiten. Die Austritte in Mecklenburg-Vorpommern haben mit einem lokalen Skandal zu tun und in Nordrhein-Westfalen liegt es am Ehemann von Frauke Petry.

Rechnen Sie mit weiteren Abgängen?

Man kann nie in Menschen hineingucken, aber die Gelegenheit zum Austritt wäre
ja da gewesen und wurde offenbar nicht genutzt.

Sie sind selber einmal aus der DDR geflüchtet. Nun fahren Sie mit der AfD einen harten, teilweise auch hetzerischen Kurs gegen Flüchtlinge. Wie geht das zusammen?

Einen hetzerischen Kurs fahren wir nicht. Das andere ist ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Ich bin vom einen Teil Deutschlands in den anderen gegangen. Sie können das formell Flucht nennen, aber die Bundesrepublik hat immer gesagt: «Wir sind für alle Menschen in Deutschland zuständig», und so habe ich es auch überhaupt nicht als Flucht empfunden. Es ist etwas völlig anderes, wenn ein Eritreer hier ankommt oder wenn ein Deutscher nach Deutschland geht.

Sie haben einen zum Teil aggressiven Wahlkampf geführt. Mässigen Sie sich im Parlament?

Natürlich werden wir uns an parlamentarische Gepflogenheiten halten. Die Sprache im Parlament ist eine andere als die im Wahlkampf. Aber wir werden unsere Ziele mit grosser Härte auch im Parlament verfolgen. Sie können nicht erwarten, dass wir uns in der Haltung, für die wir gewählt wurden, in irgendeiner Form mässigen.

Was sagen Sie zur Aussage von CSU-Chef Horst Seehofer, die rechte Flanke zu schliessen? Er will sich offenbar in Ihre Richtung bewegen.

Die CSU stellt eine andere Politik ins Schaufenster, als sie wirklich vertritt. Sie sagt «Obergrenze», und wenn es zum Schwure kommt, ist davon nicht mehr die Rede. Sie sagt, «wir können keine Flüchtlinge mehr gebrauchen», aber wenn es zum Schwure kommt, ist ihr die Koalition mit der CDU wichtiger. Seehofer wird sich entscheiden müssen, ob er weiterhin eine Politik betreibt, die im Grunde genommen die Leute betrügt. Und er wird jetzt noch mehr Schwierigkeiten bekommen, denn letztlich ist die grüne Politik «Alle Menschen sind willkommen». Und diese Politik kann Herr Seehofer nur zum Preis seiner eigenen Zerstörung und Vernichtung mittragen. Insofern bin ich sehr gespannt ob er nun endlich mal umsetzt, wovon er spricht.