Frau Petry, findet Ihre Partei nach der Pegida-Demo vom Montag und der Skandal-Rede des Autors Akif Pirincci («Die KZs sind ja leider ausser Betrieb») immer noch, man müsse die Menschen ernst nehmen, die bei Pegida mitmarschieren?

Frauke Petry: Wir haben immer eine klare Unterscheidung gemacht zwischen den Leuten, die Pegida organisieren – weil es durchaus berechtigte Zweifel an deren Integrität gibt – und denjenigen Menschen, die auf die Strasse gehen. Wir wissen, dass das Gros der Pegida-Anhänger einem breiten bürgerlichen Klientel zuzuordnen ist.

Es ist ja nicht nur Herr Pirincci, der gegen Flüchtlinge hetzt. Ende September bezeichnete der Schweizer Redner Ignaz Bearth die Flüchtlinge als «verdammte Islamisten» und «Sozialschmarotzer». Wer sich einer solchen Kundgebung anschliesst, unterstützt Fremdenfeindlichkeit.

Das stimmt nicht. In Dresden und vielen anderen Orten gehen die Menschen auf die Strasse, weil sie gegen die katastrophale Politik der Bundesregierung demonstrieren und sie keine Möglichkeit sehen, ihre Sorgen anderweitig zum Ausdruck zu bringen.

Sie kritisieren die Bundesregierung, dabei wurde doch eben erst das Asylgesetz verschärft. Und Grenzkontrollen gibt es nun ja auch wieder.

Selbst in der Union gibt es viele Politiker, die die Verschärfung des Asylgesetzes als unzureichend brandmarken. Zu den Grenzkontrollen: Wir haben nicht die Kontrollen, die wirklich notwendig wären. Die Grenzanlagen sind abgebaut, es fehlt an Personal für den Grenzschutz. Es gibt keine Kehrtwende in der Politik von Frau Merkel. Es wäre eine Kehrtwende, wenn sich die Kanzlerin auf eine Obergrenze
für Flüchtlinge festlegen würde. Wir haben die Aufnahmekapazität auf Jahre hinaus überschritten.

Bilder brennender Asylheime, Hass in sozialen Foren, Hetze auf Kundgebungen – bei diesen Bildern aus Deutschland könnte einem angst und bange werden.

Auch uns macht es Sorgen, wenn Asylheime brennen. Aber es bereitet uns auch Sorgen, wenn die Unterkünfte brennen, weil es zu ethnischen Konflikten in den Unterkünften gekommen ist. Es macht mir Sorgen, wenn Frauen nicht mehr wagen, alleine auf die Strasse zu gehen.

Ihre Partei wurde lange Zeit in der Schweiz mit der SVP verglichen, weil sich die AfD auch für die direkte Demokratie einsetzt und gegen «Asylchaos» anredet. Ihr Vorgänger, Bernd Lucke, sagte gegenüber unserer Zeitung: «Der Vergleich mit der SVP erschüttert mich». Was sagen Sie?

In der Schweiz gibt es mehrere Parteien, zu denen wir Schnittmengen haben. Die AfD hatte auf Kantonsebene schon Kontakte zu verschiedenen Parteien, unter anderem zur BDP. Natürlich haben wir auch zur SVP eine Schnittmenge. Aber wir sind keine Zöglinge der SVP.