Aus ägyptischer Sicht war die dreitägige Investitionskonferenz im Badeort Sharm el-Sheikh am Roten Meer ein grosser Erfolg. Präsident Fattah al-Sisi hat anderthalb Jahre nach dem Umsturz durch die Armee sein Land wieder auf die internationale politische und ökonomische Bühne zurückgeführt – trotz der harten Unterdrückung im Inneren, der steigenden Zahl von Bombenanschlägen und der wachsenden Terrorgefahr.

Seine 90 Millionen Landsleute überraschte al-Sissi indes vor allem mit einem glitzernden Grossmodell einer neuen Hauptstadt, die in den nächsten fünf bis sieben Jahren in der Wüste östlich von Kairo entstehen soll. Federführend ist der Konzern Capital City Partners aus Dubai, der am Golf mit dem Burj Khalifa das höchste Gebäude der Welt errichtete. Der ägyptische Bauminister Mostafa Madbouly pries das Projekt als «Quelle von Stolz und Inspiration für die jungen Ägypter». Nach seinen Angaben belaufen sich die Kosten für die erste Phase bis 2022 auf 40 Milliarden Euro. Über die Finanzierung schwieg er sich aus.

Die Golf-Stadt als Exportschlager

Präsidentenpalast, Ministerien, Verwaltungsgebäude, Börse und Banken sowie ausländische Botschaften sollen in die neue Retortenstadt umziehen, die laut Modell eine Skyline mit Wolkenkratzern wie die Metropolen am Golf bekommen wird. Fünf Millionen Menschen sollen hier einmal auf einer Fläche von 700 Quadratkilometern wohnen, einem Stadtgebiet fast so gross wie Berlin. Denn die bisherige Metropole Kairo mit ihren 20 Millionen Menschen platzt aus allen Nähten. Ihre Infrastruktur ist extrem zerrüttet, die Müllabfuhr eine Katastrophe, viele Brücken und Häuser sind baufällig. An den Rändern wuchern grosse Slumviertel, der Autoverkehr ist ein täglicher Albtraum. Seit mehr als zehn Jahren versucht Ägypten, eine dritte U-Bahn-Linie vom Flughafen in die Innenstadt fertigzustellen. In der neu ausgerufenen Hauptstadt dagegen sind nicht nur ein weiterer Grossflughafen geplant, sondern auch Universitäten, Moscheen, 2000 Schulen, 600 Krankenhäuser, ein Technologiepark sowie ein Solarkraftwerk.

«CC» – für «Capital Cairo» und gleichzeitig die Initialen Sisis – haben enthusiastische Twitter-Befürworter das neue Gigaprojekt getauft. Andere reagierten entgeistert: «Unsere Dubai-besoffenen politischen, militärischen und ökonomischen Eliten wollen sich abkehren von einer Tausende Jahre alten Geschichte und so tun, als sei Ägypten ein unbeschriebenes Blatt», schrieb Khaled Fahmy, Historiker an der American University in Kairo. «Sie sehnen sich nach einem neuen Ägypten – mit einer neuen Hauptstadt und mit einem neuen Volk.»