Brexit

Abwarten und Bier trinken in Brüssel

Britische Flagge vor dem Gebäude der EU-Kommission in Brüssel.

Britische Flagge vor dem Gebäude der EU-Kommission in Brüssel.

Viele britische EU-Beamte in Brüssel sind nervös. Ihre berufliche Zukunft ist bei einem Brexit ungewiss.

Wenn Grossbritannien heute über den Verbleib in der EU abstimmt, schauen auch die rund 1200 britischen Beamten bei der EU-Kommission gespannt Richtung Westen. «Die Stimmung ist natürlich angespannt», sagt eine EU-Diplomatin mit britischem Pass auf Nachfrage. Die Unsicherheit, wie es bei einem möglichen Brexit weitergehen wird, beschäftige die Leute. Der Grund: die Karrierechancen der britischen Bürokraten dürften sich rapide verschlechtern. Es ist zwar nicht unmöglich, dass Angehörige von Nicht-EU-Staaten bei den Institutionen arbeiten. So gibt es auch norwegische Beamte und sogar einige wenige Schweizer, die in Brüssel eine Stelle haben. Das ist aber die Ausnahme.

Feiern mit «Final Countdown»

Bei einem Brexit dürfte sich jedoch London gezwungen sehen, die Anzahl der Diplomaten in Brüssel zu erhöhen. Die Verhandlungen über den Austritt würden für alle eine sehr arbeitsintensive Periode bedeuten. Schon die Verhandlungen über die Vertragsreformen für den Fall eines Verbleibens in der Union seien sehr hart gewesen, sagten britische Offizielle gegenüber dem Online-Portal «Euractiv». Auch deshalb schmeisse der britische EU-Botschafter Sir Ivan Rogers heute eine Party für seine Mitarbeiter.

«Die Referendums-Party ist ein guter Weg, um Druck abzubauen und den Menschen hier für ihre harte Arbeit zu danken», so ein Botschaftsmitarbeiter. Interessant ist die musikalische Playlist, die bereits programmiert wurde. Darunter finden sich sowohl für Brexit-Gegner wie -Befürworter die passenden britischen Klassiker. «Don’t you want me Baby?» von den Synthie-Poppern Human League, «Don’t look back in Anger» der Brit-Rock-Band Oasis oder «Never Forget» von der 90er-Jahre-Boygruppe Take That zeigen die musikalische Bandbreite. Aber auch die schwedische Hard-Rock-Band Europe mit ihrem «Final Countdown» wird nicht fehlen. Wohl mehr als einmal aus den Boxen trällern wird Rick Astleys Schnulze «Never gonna give you up» aus dem Jahr 1987. Das Lied ist mittlerweile zum inoffiziellen Soundtrack der Brexit-Abstimmung geworden. Dafür verantwortlich ist der in London lebende Belgier Mario Van Poppel. Er schnappte den Brexit-Befürwortern die Internetadresse www.voteleave.com vor der Nase weg.

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