Sicherheitsbedenken

Absturz von Boeing 737 Max 8 – auch Schweiz sperrt Luftraum für Unglücksmaschine

Boeing-Maschine des Typs 737 Max 8. (Archivbild)

Boeing-Maschine des Typs 737 Max 8. (Archivbild)

Wegen Sicherheitsbedenken nach zwei Abstürzen halten immer mehr Länder Boeing-Flugzeuge vom Typ 737 MAX 8 am Boden.

Am Dienstag erteilten auch Grossbritannien, Singapur und Australien diesen neuesten Modellen des US-Flugzeugbauers ein Start- und Landeverbot. Am späteren Nachmittag zogen auch Deutschland und Frankreich nach.

Die Europäische Agentur für Flugsicherheit EASA hat am Dienstag ab 19 Uhr alle Flüge für Boeing-Flugzeuge vom Typ 737 MAX 8 suspendiert. Das Verbot gilt auch für die Schweiz, wie das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) mitteilte.

Fast 40 Prozent der bislang weltweit eingesetzten Boeing 737 MAX heben dem Branchendienst Flightglobal zufolge vorübergehend nicht mehr ab, darunter knapp 100 Maschinen im grössten Markt China. Weltweit nutzen Fluggesellschaften über 350 Maschinen des Typs.

In der Schweiz sei kein Flugzeug dieses Typs immatrikuliert, teilte das Bazl auf Anfrage mit. Im Schweizer Luftraum gebe es lediglich zwei oder drei Flüge pro Monat von Maschinen des Typs Boeing 737 MAX durch ausländische Gesellschaften.

Der Reisekonzern TUI erklärte am Dienstag, alle Flüge mit diesem Flugzeugtyp würden eingestellt, nachdem die britische Flugaufsicht einen Betriebsstopp verhängt hätte. Kurz zuvor hatte es noch geheissen der Konzern lasse seine 15 Flugzeuge vom Typ Boeing 737 Max 8 weiter fliegen.

Am späteren Nachmittag groundete auch Norwegian seine Maschinen des Typs 737 Max 8. Die Skandinavier haben derzeit 18 Maschinen in ihrer Flotte.

Im europäischen Luftraum kam es derweil zu ungewohnten Flugbewegungen. Zwei Maschinen der Turkish Airlines kehrten um, nachdem Grossbritannien den Luftraum für die Max-8-Serie sperrte. Auch eine Norwegian musste kehrt machen.

Temporäres Grounding

Manche Länder und Airlines gehen jedoch von sich aus weiter: Grossbritannien, Malaysia, Singapur und Australien verbannten das Modell am Dienstag zumindest temporär aus ihrem Luftraum. Die britische Luftfahrtbehörde teilte mit, sie habe vorsorglich verfügt, alle kommerziellen Flüge von allen Airlines zu untersagen, die im Vereinigten Königreich landen, starten oder das Land überfliegen.

Der US-Flugzeugbauer Boeing steht vor schwierigen Tagen.

Der US-Flugzeugbauer Boeing steht vor schwierigen Tagen.

Die Anordnung werde bis auf Weiteres in Kraft sein, hiess es. Die Behörde betonte, sie stehe in engem Kontakt mit der europäischen Luftaufsicht EASA. Derzeit nutzen fünf Maschinen des Typs 737 Max Flugbasen in Grossbritannien.

In Singapur betreiben mehrere ausländische Gesellschaften und die heimische SilkAir 737-MAX-Maschinen, in Australien ist nur Fiji Airways betroffen. Auch der Oman erlaubt keine Starts und Landungen des Flugzeugtyps mehr.

In den für Boeing wichtigen Märkten China und Indonesien dürfen heimische Airlines die 737 MAX 8 schon seit Montag nicht mehr einsetzen. Chinas Behörde für zivile Luftfahrt stellte «Ähnlichkeiten» zwischen dem Unfall vom Sonntag und dem Absturz im Oktober fest.

Der Flugbetrieb werde erst wieder aufgenommen, wenn Boeing die nötigen Massnahmen zur Flugsicherheit bestätigt habe. Auch Südkorea und die Mongolei forderten ihre heimischen Airlines auf, die 737 MAX 8 nicht mehr einzusetzen.

Einige Unternehmen erklärten bereits selber, auf Flüge mit Maschinen des betroffenen Typs zu verzichten. «Wir kennen die Unfallursache nicht, lassen Teile unserer Flotte aber als Sicherheitsmassnahme am Boden», teilte Ethiopian Airlines mit.

Auch die südafrikanische Comair, die Cayman Airways, die brasilianische Gol Airlines und die Aeromexico lassen 737 MAX 8 vorerst nicht mehr starten. Argentiniens Vorzeige-Airline Aerolinas Argentinas setzt Flüge mit seinen fünf 737 MAX 8 ebenfalls aus. Zuvor hatten sich Piloten geweigert, mit dem Modell zu starten.

Für «flugtauglich» erklärt

Am Sonntag war in Äthiopien eine Boeing 737 MAX 8 der Fluggesellschaft Ethiopian Airlines kurz nach dem Start in Addis Abeba abgestürzt. Dabei waren alle 149 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen. Bereits Ende Oktober war in Indonesien ebenfalls kurz nach dem Abheben eine neue Maschine dieses Typs der Lion Air abgestürzt.

Die US-Flugaufsichtsbehörde FAA forderte von Boeing, angekündigte konzeptionelle Änderungen bis April umzusetzen, erklärte den Flugzeugtyp aber für flugtauglich. Die Ermittlungen hätten erst begonnen und bislang lägen keine Informationen vor, die Schritte erforderlich machen würden, hiess es in einer Mitteilung der Behörde.

 
Änderungen angekündigt

Boeing sicherte zügige Änderungen an der Steuerungssoftware des betroffenen Flugzeugmodells zu. Der Konzern erklärte, schon vor Monaten damit begonnen zu haben, die Steuersoftware weiterzuentwickeln, «um ein jetzt schon sicheres Flugzeug noch sicherer zu machen.»

Das Software-Upgrade solle in den kommendem Wochen bei allen Maschinen aufgespielt werden. Die Gesellschaft verwies bei der Ankündigung nicht auf den Absturz am Sonntag in Äthiopien.

Am Montag waren die Datenschreiber der Maschine gefunden worden. Ethiopian Airlines zufolge wurden sowohl der Stimmenrekorder, der die Kommunikation im Cockpit aufzeichnet, als auch der Flugschreiber mit den digitalen Flugdaten geborgen. (sda/dpa/afp/apa)

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