Flug MS 804

Abgestürzte EgyptAir-Maschine - die vier wichtigsten Fragen und Antworten

Eine Egypt-Air-Maschine. (Symbolbild)

Eine Egypt-Air-Maschine. (Symbolbild)

Am Donnerstag stürzte ein Airbus 320 der EgyptAir auf dem Flug von Paris von Kairo ins Mittelmeer. Noch ist unklar, wie es dazu kam.

1. Was passierte zuletzt vor der Katastrophe?
Offenbar hatten die griechischen Behörden Kontakt zum Airbus A320 der Egypt Air. Dies, obwohl sie beim Absturz den griechischen Luftraum bereits verlassen und den ägyptischen erreicht hatte. Zuvor drehte das Flugzeug gemäss Angaben der Griechen auf der regulären Flughöhe von gut 11 000 Metern um 90 Grad nach links ab, danach einmal um die eigene Achse rechts herum und sei rasch auf eine Höhe von 5000 Metern gesunken. Vom Radar der Griechen verschwand die Maschine erst auf einer Höhe von 3000 Metern. Vor dem Manöver habe es letztmals Kontakt mit dem Piloten gegeben. Dieser habe sich gut gelaunt aus dem griechischen Luftraum verabschiedet.

2. Warum sank das Flugzeug so rasch?
Leiteten die Piloten einen kontrollierten Sinkflug ein, so deutet dies auf einen Druckabfall in der Kabine hin. Zahlreiche Ursachen kommen infrage. «Ein Druckabfall heisst immer, dass es in der Flugzeughülle ein Loch oder einen Spalt geben muss, sodass die Innenluft wegen des geringeren Drucks ausserhalb der Maschine entweichen kann», sagt der Aviatik-Experte Max Ungricht zur «Nordwestschweiz». Für solche Fälle sind die Flugzeuge mit Sauerstoffmasken über jedem Sitz ausgestattet. «Bei Druckabfall leiten Piloten trotzdem immer einen sofortigen und steilen Sinkflug möglichst auf unter 3000 Meter ein», so Ungricht.

3. Was aber sind Gründe für einen plötzlichen Druckabfall?
Wie gehabt: jedes Leck. Durch Materialermüdungsbrüche oder auch Fehler an Fenstern oder Türen, wie Max Ungricht sagt. Allerdings ist der Airbus 320 der Egypt Air mit Baujahr 2003 noch jung an Jahren. «Auch eine Explosion an Bord kann erst einmal zu einem Druckabfall führen, wenn sie nur ein Loch oder einen Spalt in den Rumpf reisst», so Ungricht. US-Behörden gingen gestern Abend gegenüber dem Fernsehsender CNN von einem Bombenanschlag aus und für den russischen Geheimdienstchef ist der Absturz «allem Anschein nach» die Folge eines Anschlags. Auch der ägyptische Luftfahrtminister bezeichnete an einer tumultartigen Pressekonferenz die Wahrscheinlichkeit eines Anschlags höher als diejenige eines technischen Defekts.

4. Noch ist vieles unbekannt – kann man wenigstens etwas ausschliessen?
Wenn der rasche Sinkflug hinunter auf 3000 Meter auf ein kontrolliertes Manöver der Piloten schliessen lässt, dann kann zumindest eine grosse Explosion ausgeschlossen werden, die die Maschine auf ihrer regulären Flughöhe von über 11 000 Metern auseinandergerissen hätte. In diesem Fall wären die Flugzeugteile ins Meer gestürzt, die Crew hätte keinen Sinkflug einleiten können. Die offene Frage bleibt also: Führte die Detonation einer Bombe dazu, dass Flug MS804 so rasch sinken musste? (dfu)

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