Frankreich

Abgehört: So beschimpft Ex-Präsident Sarkozy seine Mitstreiter

«In unserer Beziehung ist sie der Mann»: Auch ein privates Gespräch zwischen Nicolas Sarkozy und seiner Frau Carla Bruni wurde heimlich aufgenommen.AP Photo/Michel Euler

«In unserer Beziehung ist sie der Mann»: Auch ein privates Gespräch zwischen Nicolas Sarkozy und seiner Frau Carla Bruni wurde heimlich aufgenommen.AP Photo/Michel Euler

Heimlich aufgenommene Gespräche rücken Nicolas Sarkozy in ein schiefes Licht – und untergraben seine politischen Comebackpläne. Sarkozy und seine Frau Carla Bruni wollen nun Anzeige erstatten, wegen Verletzung der Privatspäre

Es ist mehr als eine Enthüllung – eine regelrechte Entlarvung. Das Satireblatt «Le Canard Enchaîné» hat am Mittwoch Gesprächsmitschnitte aus dem Élysée-Palast veröffentlicht, die Nicolas Sarkozy in einem bedenklichen Licht erscheinen lassen. Sein Berater Patrick Buisson hatte stundenlange Aufzeichnungen gemacht – ohne jemanden in Kenntnis zu setzen.

Der präsidiale O-Ton zeugt von eine Rohheit, ja Vulgarität, die mit der Feierlichkeit offizieller Ankündigungen scharf kontrastieren. Für den ehemaligen Premierminister François Fillon oder andere Regierungsvertreter hat der engste Sarkozy-Kreis nur Verachtung übrig: Diese Minister werden als «katastrophal», «grotesk» und «bekloppt» bezeichnet.

Den offiziellen und privaten Bereich vermengt Sarkozy ständig. So beteiligt sich Sarkozys Gattin Carla Bruni sogar an Beratungen über einen bevorstehenden Regierungswechsel. «In unserer Beziehung ist sie der Mann», feixte Sarkozy auf einer Autofahrt von Versailles nach Paris, die Buisson auf seinem Diktafon verewigte. «Ja, ich unterhalte dich», lacht das ehemalige Topmodel. «Dabei hatte ich geglaubt, einen Kerl mit Geld zu heiraten.» Sarkozy gibt vor, er werde noch verarmen: «Ich sag dir ja, meine Zukunft wird es sein, wie Monsieur Ramirez an der Kasse zu arbeiten.»

Einfache Leute verachtet

In Paris verdrängten die Mitschnitte sogar die Krim-Krise aus den Schlagzeilen. Der frühere Rechtsextremist Buisson gilt heute als graue Eminenz der konservativen Grosspartei UMP. Der Sarkozy-Ideologe verteidigte sich gestern über seinen Anwalt, er habe die Gespräche aufgenommen, da er nicht immer habe mitschreiben können. Sein «Verrat», wie es in Paris unisono heisst, dürfte ihn nun aber über Nacht ins politische Aus befördern.

Durchkreuzt wird aber möglicherweise auch Sarkozys minuziös geplantes Comeback im Hinblick auf die Präsidentschaftswahlen 2017. Gestern ergoss sich eine Welle der Kritik über den Ex-Staatschef. Der Chronist Bruno Roger-Petit meinte, Sarkozy sei offenbar in erster Linie am Geld interessiert und offenbare eine Verachtung für einfache Leute wie Supermarktkassiere.

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