Coronavirus

700 infizierte Matrosen: Das Virus legt einen französischen Flugzeugträger lahm

Kampfjet auf dem französischen Flugzeugträger Charles-de-Gaulle: Auf dem Flaggschiff der Marine grassiert das Coronavirus.

Kampfjet auf dem französischen Flugzeugträger Charles-de-Gaulle: Auf dem Flaggschiff der Marine grassiert das Coronavirus.

Auf dem  Flugzeugträger Charles-de-Gaulle hat sich ein Drittel der Matrosen mit dem Coronavirus infiziert. Die Armeeleitung schritt offenbar nur zögernd ein.

Laut Angaben der französischen Armee sind bisher 688 Militärs zweier Kriegsschiffe positiv auf Covid-19 getestet worden. Sie gehören zur Besatzung des Flugzeugträgers Charles-de-Gaulle (1700 Mann) und der Begleitfregatte Chevalier-Paul (200 Mann). Insgesamt ist also ein Drittel der Besatzung betroffen.

Ungefähr dreissig Matrosen befinden sich in Intensivpflege; einer wird in einem südfranzösischen Krankenhaus beatmet. Die übrige Besatzung wurde auf diverse militärische Garnisonen aufgeteilt und befindet sich in Quarantäne. Beide Kriegsschiffe liegen derzeit ausserhalb des Militärhafens Toulon vor Anker.

Der Stolz der Nation auf wichtigen Missionen

Der Charles-de-Gaulle ist nicht nur der Stolz der Nation. Das 2001 in Betrieb genommene Flaggschiff der französischen Marine führt in den letzten Jahren wichtige militärische Missionen durch. Seit Mitte Januar war es im Mittelmeer und im Nordatlantik unterwegs; in der Levante beteiligte es sich auch an der amerikanisch geleiteten Operation in Syrien und Irak.

Die Massenansteckung ist für die französische Armee eher peinlich, nachdem sie selber eingesetzt wird, um zivile Schwerkranke vom Elsass in andere Landesgegenden zu transportieren; in Mulhouse betreut sie Beatmungspatienten in einem Feldlazarett.

Wie das Virus auf den Flugzeugträger gelangte, ist Gegenstand zweier medizinischer und administrativer Untersuchungen. Beteiligte Militärs vermuten als Grund einen Zwischenhalt im bretonischen Armeehafen Brest am 13. und 14. März. Das war kurz vor der Ausrufung der landesweiten Ausgangssperre durch Präsident Emmanuel Macron; die Schulen Frankreichs waren schon geschlossen. Die Matrosen erhielten trotzdem Landurlaub und durften auch ihre Familien besuchen. Viele wurden in den Crêperien der bretonischen Stadt gesehen, obwohl das eigentlich untersagt war.

Ungewöhnlich lange Zeit bis zum Ausbruch

Die ersten Symptome zeigten sich seltsamerweise erst drei Wochen, nachdem der Charles-de-Gaulle wieder abgelegt hatte. Das widerspricht der an sich der bisherigen Annahme einer bis zu zweiwöchigen Ansteckungsphase durch das Virus. Auch deshalb zweifeln französische Medien an der Darstellung der Armee, die im Volksmund nicht von ungefähr den Übernamen "la Muette" (die Stumme) trägt.

Ein anonym bleibendes Besatzungsmitglied des Charles-de-Gaulle warf den Behörden am Donnerstag vor, sie hätten zu spät reagiert. Der Kommandant des Flugzeugträgers habe die Mission schon Mitte März abbrechen wollen, als die ersten Matrosen Covid-19-Symptome zeigten; Das Verteidigungsministerium habe das Ersuchen aber abgelehnt. "Die Armee hat mit unserer Gesundheit, unserem Leben gespielt", meinte das Besatzungsmitglied auf dem Radiosender France Bleu Provence.

Verteidigungsministerin Florence Parly äusserte sich vorerst nicht direkt zu den Vorwürfen. Am vergangenen Freitag hatte sie in einer parlamentarischen Anhörung erklärt, die Sicherheit Frankreichs sei durch die Corona-Fälle auf dem Flugzeugträger nicht in Frage gestellt oder gar gefährdet.

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