Coronavirus

5000 Tote und keine Reisen ins Ausland: In Schweden kippt die Stimmung

"Staycation" statt Trip ins Ausland: Ihm kanns egal sein. Doch die Schweden, die sind gar nicht happy.

"Staycation" statt Trip ins Ausland: Ihm kanns egal sein. Doch die Schweden, die sind gar nicht happy.

Schweden hat gerade die traurige Marke von 5000 Coronatoten überschritten. Die Opposition hat die Sonderstrategie des Landes lange mitgetragen. Doch die Kritik wird lauter – auch weil schwedische Touristen diesen Sommer vielerorts nicht erwünscht sind.

Ganz Europa freut sich auf die nahenden Sommerferien. Nur die Schweden, die müssen wohl zuhause bleiben. Mehrere europäische Länder erlauben den Nordländern die Einreise gar nicht (Zypern, Malta, Tschechien, die skandinavischen Nachbarn), andere schicken eingereiste Schweden gleich in die Quarantäne (Griechenland, baltische Staaten, Holland, Österreich, einige deutsche Bundesländer).

Und auch die Schweiz misst allen Flugreisenden aus Schweden zur Sicherheit erst einmal die Temperatur. Grund für die harschen Einschränkungen, die auch für Grossbritannien und Belgien gelten, ist die noch immer hohe Anzahl Neuansteckungen. In der 10-Millionen-Nation Schweden waren es zuletzt noch immer mehrere Hundert pro Tag.

Besonders hart treffen Schweden die geschlossenen Grenzen der Nachbarländer, mit denen sonst ein enger Austausch besteht. Besonders paradox: Während Dänen nach Südschweden zum Einkaufen fahren dürfen, ist es den Schweden nicht erlaubt, in Kopenhagen shoppen zu gehen. Das Beispiel zeigt, dass die Diplomatie der links-grünen Regierung in Stockholm erfolglos war. «Natürlich werden die Leute da wütend», sagt Aussenministerin Ann Linde. Die Schweden müssten sich diesen Sommer auf eine «Staycation »– also auf Ferien zuhause – einstellen.

Schwedens Grenzen sind offen, alle sind willkommen

Zwar sinken die Zahlen der Intensivpatienten auch in Schweden allmählich wieder. Aber das Land hadert mit den seit Mittwoch über 5000 Corona-Opfern, weit mehr als in allen Nachbarländern zusammengenommen. Das Vertrauen in die Behörden ist gesunken. Die Regierung und der schwedische Chefepidemiologe Anders Tegnell räumen ein, dass ihre weniger restriktive Coronastrategie nicht funktioniert hat. Zwar gelang es, mit Aufrufen die Schweden zum Social Distancing und zum Home-Office zu bewegen – nicht aber, die Senioren zu schützen, vor allem nicht in den Altersheimen nicht.

Jimmie Åkesson, der Chef der rechtsnationalen Schwedendemokraten, sprach von einem «Massaker» an den Senioren, während die Chefin der Christdemokraten der Regierung vorwarf, «vorsätzlich» die Ausbreitung der Ansteckungen zuzulassen. Regierungschef Stefan Löfven hingegen verteidigte sich darauf in mehreren Medien: «Die Strategie ist richtig», betont Löfven. Es sei zu früh, um jetzt ein negatives Fazit zu ziehen.

Der Druck auf Löfven und seine Regierung dürfte in den kommenden Wochen weiter zunehmen. Die reiselustigen Schweden sind sich das Zuhausebleiben nicht gewohnt. Wer will, kann die Schweden im Sommer aber problemlos in ihrem schönen Land trösten gehen: Die schwedischen Grenzen sind für alle Europäer offen.

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