USA

«404 Error» – Trump hat gerade seinen «Fake-News»-Award so richtig vermasselt

Nichts geht auf der Trump-Webseite.

Nichts geht auf der Trump-Webseite.

Die von US-Präsident Donald Trump seit Tagen grossspurig angekündete Verleihung des «Fake-News-Award» ist so richtig in die Hose gegangen.

US-Präsident Donald Trump hat in der Nacht zu Donnerstag "Fake News Awards" für aus seine Sicht besonders unredliche und falsche Berichterstattung verliehen. Allerdings ging seine grossspurig angekündigte Verleihung erst mal so richtig in die Hose. Der Link, den er auf Twitter verbreitete, funktionierte zuerst nicht:

Auf der Webseite erschien bloss eine Fehlermeldung:

Nichts geht auf der Trump-Webseite.

Nichts geht auf der Trump-Webseite.

Womöglich war die Seite wegen des grossen Ansturms in die Knie gegangen. Der Mega-Fail von Trump sorgt für viel Häme auf den sozialen Medien: 

«Das stabile Genie twittert eine Error-Seite für seinen Fake-News-Award. Wer sieht die Ironie!», schreibt eine Userin. 

And the Winner is...

Die Gewinner, oder wie Trump sie nennt, die «Losers» sind  folgende Medien: 

  1. Auf Platz eins landete Paul Krugman, Nobelpreisträger und Kolumnist der «New York Times». Grund: Er habe behauptet, die US-Wirtschaft werde sich nie «erholen», dabei boome sie extrem.
  2. Auf Platz zwei folgt ein Reporter des Senders ABC.
  3. Erst auf Platz drei landete der Sender CNN, das kam angesichts der innigen Feindschaft, mit der Trump CNN öffentlich verfolgt, für viele überraschend. Dafür wurde CNN dann mehrfach benannt.
  4. Platz vier ging an eine Berichterstattung des «Time Magazine», der fünfte Rang an einen Bericht der «Washington Post». Wider Erwarten landete die «New York Times», von Trump anhaltend beschimpft und fälschlich sinkender Auflagen bezichtigt - wenn auch regelmässig gelesen - abgesehen von Kolumnist Krugman erst wieder auf Platz zehn.

Platz elf der Liste ging im weitesten Sinn an Berichte über eine Einmischung Russlands in die Präsidentenwahl 2016. Einen klaren Adressaten gab es nicht, aber Grossbuchstaben: «ES GIBT KEINE GEHEIMEN ABSPRACHEN!

Die «Awards» wurden jeweils für einzelne Ereignisse einer Berichterstattung benannt, nicht für Medien generell.

Die Verleihung der «Fake News Awards» wäre bereits für vergangene Woche vorgesehen gewesen. Doch Trump verschob sie auf  Mittwoch, da das Interesse derart gross gewesen sei. 

Republikanischer US-Senator Flake nennt Trump einen Lügner

Nur wenige Stunden vor der Verleihung der «Fake News Awards» wurde Donald Trump vom republikanischen Senator Jeff Flake stark angegriffen.

«Im Jahr 2017 wurde die Wahrheit - die objektive, empirische, nachweisliche Wahrheit - mehr missbraucht und in Mitleidenschaft gezogen als jemals zuvor in der Geschichte unseres Landes, verantwortet von der mächtigsten Persönlichkeit innerhalb unserer Regierung», sagte Flake am Mittwoch.

Das ständige Wiederholen von Unwahrheiten unterhöhle das Vertrauen in wichtige Institutionen und bringe die Öffentlichkeit dazu, diesen nicht mehr zu glauben. «Der zerstörerische Effekt dieser Art von Verhalten auf unsere Demokratie kann nicht hoch genug eingeschätzt werden», sagte Flake.

Eine freie Presse sei der Feind von Despoten, und das mache die freie Presse zum Wächter der Demokratie, betonte der Senator. Und: «Wenn eine an der Macht befindliche Person reflexhaft jede Veröffentlichung, die ihm nicht passt, als »Fake News« bezeichnet, dann ist es diese Person, die Verdacht erregen sollte, nicht die Presse.»

Jeff Flake ist ein vehementer parteiinterner Kritiker von Präsident Trump. Er hat angekündigt, seinen Senatssitz Anfang 2019 zu räumen und zur Wahl im November dieses Jahres nicht mehr anzutreten.

Vergleich mit Stalin

Der Senator aus Arizona ging hart mit Trumps permanenter Medienschelte ins Gericht. Die Vierte Gewalt im Staate als «Fake News» und gar als «Feinde des Volkes» zu bezeichnen, sei eines Präsidenten nicht würdig. Die Bezeichnung von Medien als Volksfeinde stamme von Sowjet-Diktator Josef Stalin. Der Vergleich sei selbst von Parteichef Nikita Chruschtschow verboten worden.

«Ein Präsident, der keine Kritik annehmen kann, der sich ständig genötigt sieht, auszuweichen, abzulenken, der ständig jemanden braucht, dem er die Schuld zuweisen kann, der wandelt auf einem sehr gefährlichen Pfad», sagte Flake. «Und ein Kongress, der seine Funktion als Korrektiv des Präsidenten nicht wahrnimmt, trägt zu dieser Gefahr bei.» 2018 müsse das Jahr werden, in dem die Wahrheit wieder die Oberhand gewinnt.

Attacke auch von McCain

Auch der zweite Senator von Arizona, John McCain, kritisierte Trump in einem Gastbeitrag für die «Washington Post» scharf. Trump fahre schwere Angriffe auf die Integrität von Journalisten und Nachrichtenorganisationen. Dies diene Diktaturen in aller Welt als Vorbild.

«Ob es Trump bewusst ist oder nicht, solche Schritte werden genau beobachtet von Politikern im Ausland, die seine Worte bereits als Deckmantel hernehmen, während sie eine wichtige Säule der Demokratie zum Schweigen bringen», schrieb McCain, ebenfalls Mitglied der Republikanischen Partei. (az/watson.ch/sda/dpa) 

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