Vieles hätte man besser machen können. Aber ich bin überzeugt: Früher oder später werden unsere gemeinsamen Anstrengungen ihre Ergebnisse zeigen, werden unsere Völker in einer aufblühenden und demokratischen Gesellschaft leben. Ich wünsche Ihnen alles Gute.» Das sind die letzten Worte von Michail Gorbatschow als Präsident der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) am 25. Dezember 1991 am sowjetischen Fernsehen.

Am gleichen Abend wird die sowjetische Fahne auf dem Kreml eingeholt und durch die russische ersetzt. Russland wird Rechtsnachfolger der Sowjetunion. Es ist der symbolische Schlusspunkt einer Entwicklung, die bereits einiges früher eingesetzt hatte (siehe Box unten).

Was ist aus dem Erbe des Riesenreichs 25 Jahre nach jenem denkwürdigen Abend geworden? Die Bilanz fällt unterschiedlich und für viele Menschen in den neuen Ländern ernüchternd aus.

Zerfall der Sowjetunion: In dieser Reihenfolge erklärten die Staaten ihre Unabhängigkeit

Zerfall der Sowjetunion: In dieser Reihenfolge erklärten die Staaten ihre Unabhängigkeit

Auf proeuropäischem Kurs

Eine Sonderrolle hat allerdings das Baltikum inne. Estland, Lettland und Litauen erklärten bereits früh ihre Unabhängigkeit und verstehen auch aufgrund ihrer vorherigen Geschichte die Sowjetzeit als Besatzung. Heute gehören die drei Ex-Sowjetrepubliken mit ihren teilweise beträchtlichen russischen Bevölkerungsminderheiten der EU und der Nato an. Russland ist als Aussenhandelspartner einer unter vielen, insbesondere Skandinavien spielt für die baltischen Staaten eine wichtige Rolle. Die Löhne sind massiv gestiegen.

Auch die Ukraine, Georgien und Moldawien haben einen proeuropäischen Kurs eingeschlagen, sind aber noch lange nicht so weit wie die Balten. Mit der EU gibt es eine vertiefte und umfassende Freihandelszone. In Georgien (2003) und der Ukraine (2004/2014) kam es zu Bürgerrevolutionen. Allen drei Ländern ist gemeinsam, dass sie in Territorialkonflikte mit russischer Beteiligung verwickelt worden sind: Südossetien und Abchasien (Georgien), Krim und Donbass (Ukraine) sowie Transnistrien (Moldawien).

Die letzte Diktatur

Als letzte Diktatur Europas wird immer wieder Weissrussland genannt. Präsident Alexander Lukaschenko ist seit 1994 an der Macht, das Land ist politisch und wirtschaftlich isoliert. Die Inflation ist hoch, für einen Schweizer Franken erhält man über 19 000 weissrussische Rubel. Weissrussland kennt als einziges Land Europas und alleinige Ex-Sowjetrepublik noch die Todesstrafe.

Armenien ist durch den Konflikt um Bergkarabach mit seinem Nachbarn Aserbaidschan stark isoliert, die Grenzen zur Türkei sind geschlossen. Auch wenn Armenien 2010 Assoziierungsverhandlungen mit der EU aufgenommen hat – militärisch und wirtschaftlich ist es eng mit Russland verbunden.

Autokratien in Zentralasien

Als Autokratie wird Aserbaidschan im Südkaukasus eingestuft. Seit 1993 ist die Macht in der Hand der Familie Alijew, auf Vater Heyar folgte im Jahre 2003 Sohn Ilham. Es herrscht ein Personenkult, die Opposition ist chancenlos, freie Presse wird unterdrückt. Aserbaidschan profitiert stark von grossen Öl- und Gasvorkommen und positioniert sich politisch geschickt zwischen Russland und dem Westen.

Die zentralasiatischen Länder sind mit Ausnahme Kirgisiens alle Autokratien. Turkmenistan liegt auf dem Demokratieindex knapp vor Saudi-Arabien, Syrien und Nordkorea. Eines der am längsten herrschenden Staatsoberhäupter der Welt ist in Kasachstan Nursultan Nasarbajew, der bereits vor dem Amtsantritt als Staatspräsident 1991 das Amt des Generalsekretärs der kommunistischen Partei innehatte. Er baute seine Befugnisse kontinuierlich aus und darf zeitlich unbegrenzt als Präsident kandidieren. Dank Öl und Gas ist Kasachstan das wirtschaftlich stärkste Land in Zentralasien und verzeichnete 2015 mit gut 11 000 Dollar ein durchschnittlich hohes Pro-Kopf-Einkommen. Trotz seiner Stärke sucht Kasachstan als Mitglied der Eurasischen Wirtschaftsunion und der Organisation des Vertrages für kollektive Sicherheit die Nähe zu Russland.

Usbekistan wurde bis zu dessen Tod in diesem Jahr einzig und allein von Islam Karimov regiert. 2005 wurden bei einem Aufstand in Andidschan etwa 500 Personen getötet. Die wachsende Austrocknung des Aralsees aufgrund der Wasserentnahme aus Zuflüssen sorgt für grosse ökologische Probleme.

Emomali Rahmon ist seit 1994 Präsident von Tadschikistan. Mit knapp über 1000 Dollar Pro-Kopf-Einkommen pro Jahr ist das Land das Armenhaus der ehemaligen Sowjetrepubliken.

Kirgisien erlebte 2005 und 2010 Umstürze durch Massenproteste der Bevölkerung. 2010 gab es zudem ethnische Unruhen zwischen Kirgisen und Usbeken. Eine Verfassungsreform sieht eine parlamentarische Republik vor.

Die zentralasiatischen Staaten sind mit Ausnahme Kasachstans wirtschaftlich sehr schwach. Deshalb arbeiten zahlreiche Menschen aus Zentralasien in Russland. Seit der Wirtschaftskrise mussten jedoch viele das Land wieder verlassen. Ein grosser Teil der Bevölkerung in Zentralasien gehört dem muslimischen Glauben an, und nicht zuletzt aufgrund der sozialen Probleme sind viele junge Leute anfällig für islamistische Ideen. Zentralasien ist zudem eine wichtige Schmuggelroute für Drogen aus Afghanistan. Dies konnten auch internationale Bemühungen nicht vollständig unterbinden.

Vom Zusammenbruch der UdSSR hat in den meisten Republiken nur eine kleine Elite profitiert. Die sozialen Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten im Ex-sowjetischen Raum bergen bis heute viel Zündstoff. Michail Gorbatschows vor 25 Jahren geäusserte Hoffnung auf Demokratie und wirtschaftliche Blüte wird eher später als früher Realität – wenn überhaupt.

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