Israel wiederum habe dafür zu sorgen, dass bei der Offensive keine Zivilisten zu Schaden kommen. "Die Verschärfung der Krise wird die Lasten für die ohnehin schon leidenden Zivilisten auf beiden Seiten noch erhöhen."

Israel hatte am Donnerstagabend nach zehn Tagen mit Luftangriffen eine Bodenoffensive gestartet, bei der auch Kampfpanzer eingesetzt wurden. "Ich bedaure, dass trotz meines wiederholten Drängens und dem zahlreicher anderer Politiker ein schon gefährlicher Konflikt weiter eskaliert ist. Es kann aber keine militärische Lösung dieses Konfliktes geben", sagte Ban.

Auch die Regierung in Paris äusserte sich beunruhigt über die Entwicklung. Frankreich rufe Israel auf, grösste Zurückhaltung zu üben, hiess es am Donnerstagabend in einer Stellungnahme des Aussenministeriums.

"Es muss sichergestellt werden, dass die Zivilbevölkerung geschützt wird und dass neue Opfer vermieden werden." Aussenminister Laurent Fabius werde am Freitag in die Region reisen, um die Bemühungen für eine Waffenruhe zu unterstützen.

20 Palästinenser und ein Israeli getötet

Der israelische Militärsprecher Arye Shalicar sagte in der Nacht zum Freitag, es werde im Norden, Süden und Osten des Küstengebiets operiert. Palästinensische Medien berichteten von heftigem Artilleriebeschuss von Zielen im Gazastreifen. Die Armee mobilisierte für den Einsatz 18'000 weitere Reservisten - damit stehen knapp 70'000 Soldaten für die Offensive zur Verfügung.

Nach palästinensischen Angaben wurden bei der Bodenoffensive bislang etwa 20 Menschen getötet. Die Zahl der Toten seit Beginn der Offensive vor elf Tagen stieg nach Angaben der Rettungsbehörden am Freitag auf 258. Bei der Bodenoffensive wurde in der Nacht auf Freitag erstmals auch ein israelischer Soldat getötet. Zwei weitere Soldaten wurden verletzt.

Zudem flog Israel Bombenangriffe - vor allem gegen Ziele im nördlichen Gazastreifen. Vielerorts fiel der Strom aus. Dennoch ging der Raketenbeschuss Israels in der Nacht zum Freitag weiter.

Israelische Soldaten zerstörten das Haus des Islamischen-Dschihad-Führers Abdullah al-Schami in Gaza-Stadt, berichteten israelische Medien am Freitagmorgen.

Nach dem Beginn der Bodenoffensive kam es am Donnerstagabend in mehreren Städten im Westjordanland zu Auseinandersetzungen zwischen palästinensischen Jugendlichen und israelischen Soldaten.

Tunnel im Visier

Die Bodenoffensive solle ein begrenzter Einsatz sein, betonte der Armeesprecher weiter. Ziel sei die Infrastruktur der Hamas, namentlich Tunnels, die nach Israel führen.

In den vergangenen zehn Tagen habe die Hamas jedes Mal, wenn Israel deeskalieren wollte, diese Zeit genutzt, um Raketen zu abschiessen, sagte der Sprecher. "Wir wollen so schnell wie möglich Sicherheit und Stabilität für die Bürger Israels wiederherstellen."

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu berief für Freitagmorgen das Sicherheitskabinett und das Gesamtkabinett ein, um über die Bodenoffensive zu unterrichten. Ziel Netanjahus sei keinesfalls die Eroberung des Gazastreifens und die Vertreibung der Hamas sondern ein Ende des Raketenbeschusses, hiess es in israelischen Angaben.

Hamas: Gefährlicher Schritt

Die Hamas bezeichnete die israelische Bodenoffensive als "gefährlichen Schritt", den Israel "teuer bezahlen" werde. Die palästinensischen Widerstandskomitees kündigten an, man werde Gaza in einem Friedhof für israelische Soldaten verwandeln.

Die israelische Bodenoffensive im Gazastreifen ist nach Einschätzung von Hamas-Chef Chaled Maschaal "zum Scheitern verurteilt". Was Israel nicht durch Angriffe aus der Luft und von See aus erreicht habe, werde das Land auch nicht durch Bodentruppen erreichen, sagte er.