Italien

11-jähriger Sohn sagt gegen Mafia-Vater aus – und ist nun in Lebensgefahr

Sohn sagt gegen seinen Vater der kalabrischen Mafia aus (Archiv)

Sohn sagt gegen seinen Vater der kalabrischen Mafia aus (Archiv)

Harter Schlag für die kalabrische Mafia: Ein Sohn sagt gegen seinen Vater aus und erzählt, was er seit seinem siebten Lebensjahr alles gesehen hat.

Er kann mit Waffen umgehen, kennt die Zusammensetzung von Drogenpäckchen, weiss, wie man Schutzgeld kassiert und kennt die Hierarchie des Clans. Und doch ist es kein Mafioso, sondern ein elfjähriger Junge aus Piano di Gioia Tauro, der all sein Wissen nun der Staatsanwaltschaft von Reggio Calabria mitteilen will. Er ist der Sohn von Gregorio Malvaso, Boss eines Arms des Belloco-Clans, der im vergangenen Oktober bei der Anti-Mafia-Operation «Eclissi» verhaftet werden konnte.

Bereits im Juni hatte sich die Mutter des Jungen und Lebensgefährtin Malvasos, Annina Lo Bianco, bereit erklärt, mit der Justiz zusammenzuarbeiten und ihr Wissen über die Clans mitzuteilen. Ihr Motiv: Sie will ihre Söhne vor der ’Ndrangheta schützen. Jetzt sagte einer der Söhne selbst aus. Gegenüber der stellvertretenden Staatsanwältin Giulia zeigte er sich vollkommen kooperativ und berichtete, was er seit seinem siebten Lebensjahr gesehen und gehört hatte.

Von Drogen- und Waffengeschäften seines Vaters in Messina, von den Treffen der Clans Belloco-Cimato aus Rosarno und Pesce-Pantano, die im Hause Malvasos stattgefunden hatten. «Wir kannten sie alle», erklärte der Elfjährige und schloss damit den Kreis seiner Freunde in San Ferdinando ein. «Alle im Ort wussten, wer die Bossis sind, und wer zu den einzelnen ’Ndrine dazugehörte.» Genaue Details über Drogen und Waffenverstecke im Hause gab er ebenso bekannt wie die Telefonliste der Mafiosi: Er zeigte der Staatsanwältin sein Mobiltelefon, das noch vor kurzem der Vater genutzt hatte. Darauf ein komplettes Telefonverzeichnis der Clanmitglieder, die mit Malvaso in Kontakt gestanden hatten.

Schlag gegen die ’Ndrangheta

Solche direkten Aussagen aus dem Kern der Clans, wie sie nun Mutter und Sohn getätigt hatten, bedeuten für die kalabrische Mafia eine grosse Gefährdung. Nicht nur das Personenverzeichnis, auch die Offenlegung der Handelswege bedrohen die Clans. Belloco gehört zu den einflussreichsten Organisationen des südlichen Festlands. Die Macht des Clans reicht weit über Kalabrien hinaus.

Ausser mit Pistolen und Sturmgewehren wird auch mit Kriegstechnik in Krisengebieten gehandelt, vom Granatwerfer bis zu gepanzerten Fahrzeugen ist alles erhältlich. Auch der landwirtschaftliche Vertrieb wird kontrolliert: eine Million Tonnen Obst und Gemüse für den Markt in Mailand, mehr als 9000 Beschäftigte und 400 Firmen von der Agrarwirtschaft bis zum Transport. Ein Wirtschaftsimperium, das jährlich 50 Milliarden Euro umsetzt.

Mutter will Söhne schützen

«Meine Söhne sollen nicht so enden, wie ihr Vater, der eine Gefahr für die Gesellschaft ist», erklärte Annina Lo Bianco ihre Bereitschaft auszusagen. Dass sie und auch der Elfjährige sich selbst mit ihrer Aussagebereitschaft in Lebensgefahr begeben haben, dürfte beiden bewusst sein. Denn sie gehörten zum inneren Kreis der Clans, der nicht lange fackelt, Augen- und Kronzeugen zu beseitigen.

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