Rücktritt

Böschenstein über seinen Rücktritt: «Es war meine Entscheidung»

Der Würenloser Kunstturner Niki Böschenstein ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten des Landes. Nach Jahren der Verletzungen tritt er zurück. Die az sprach mit ihm über die Umstände des Rücktritts und darüber, wie es nun weitergeht.

Niki Böschenstein, zuerst las man in den Medien von Rücktritt, dann wurde berichtet, ihr Vertrag mit dem Schweizer Turnverband sei nicht verlängert worden. Was stimmt nun?

Niki Böschenstein: Das Erste. Ich selbst wollte den Vertrag nicht mehr verlängern. Ich teilte dies dem Verband auch mit, und schliesslich geschah es im gegenseitigen Einvernehmen.

Es gab also keinen Zank hinter den Kulissen?

Nein, nichts dergleichen. Es war meine Entscheidung.

Wohl aber nicht ganz freiwillig.

Ja und Nein. Natürlich war es meine Entscheidung, doch war sie eine Konsequenz zweier Jahre, in denen ich immer wieder verletzt war. Kaum kam ich wieder ein bisschen in Form, kam schon wieder die nächste Verletzung. Mit der Zeit schlug all dies dann auch auf meine Motivation durch und ich fasste den Entschluss, einen neuen Abschnitt in meinem Leben zu beginnen.

Wenn Sie schon von Motivation sprechen: Immer wieder wurde Ihnen Trainingsfaulheit vorgeworfen. Ist da was dran?

Man kann das grösste Talent sein - ohne Training nützt einem dies nichts. Immer wieder wurde mir vorgeworfen, ich würde zu wenig Kraftelemente trainieren. Fakt ist: An diversen Wettkämpfen konnte ich das Gegenteil beweisen. Doch aufgrund der Verletzungen konnte ich tatsächlich nicht so viel trainieren, was auf Aussenstehende offenbar den falschen Eindruck machte.

Nun sind Sie mit 26 Jahren bereits vom Spitzensport zurückgetreten...

Unter den Kunstturnern ist dies gar nicht so abnormal.

... Was kommt nun als nächstes in Ihrem Leben?

Grundsätzlich werde ich dem Turnsport wohl treu bleiben, doch zuerst brauche ich Zeit, um durchzuatmen. Ich weiss, dass ich einer der bekanntesten Turner des Landes bin, und bin mir die Verantwortung darob bewusst. Also will ich möglichst dazu beitragen, dass so viele junge Leute sich für den Turnsport interessieren wie möglich - sei es nun als Trainer, Betreuer etc.

Wie geht es beruflich weiter?

Ich habe vor Jahren eine Spitzensportler-Ausbildung begonnen, in dessen Rahmen ich in Abendkursen das KV machen wollte, verteilt auf 4 Jahre.
Doch nach 2 Jahren wurde die Klasse aufgelöst. Nun will ich diese Ausbildung wieder in Angriff nehmen und die Kaufmännische Ausbildung abschliessen.

Auf Ihrer Homepage steht unter Hobbies auch „Showautritte". Wäre das auch eine Möglichkeit für die Zukunft?

Künftig kann ich mir gut vorstellen, Showauftritte zu bestreiten, d.h. vor Publikum zu turnen. Ohne Druck, ohne Punkterichter und ohne Konkurrenz. So, wie es die Harlem Globetrotters im Basketball tun, will ich die Leute mit dem Turnsport unterhalten. Erste Angebote habe ich bereits bekommen.

Das wäre ja nicht ganz neu, denn schon in früheren Jahren machten sie auf sich aufmerksam mit freizügigen Bildern.

Ursprünglich waren es private Bilder, die ich mit ersten Sponsoren-Einnahmen selbst bezahlt habe. Das Feedback auf die Bilder war sehr gut, auch der Verband reagierte positiv. Schliesslich halfen solche Aktionen, den Turnsport bei einigen Leuten wieder bekannter zu machen.

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