Beim Besuch der Jubiläums-Herbstsession des Juvenats im Grossratssaal in Aarau könnte man durchaus glauben, das aargauische Jugendparlament sei das Sprungbrett in die hohe Politik. Nationalratspräsidentin Pascale Bruderer (SP) war vor zehn Jahren Gründungsmitglied. Thierry Burkart – neuer Präsident der FDP Aargau – war Tagespräsident an der Gründungsversammlung vor zehn Jahren. Dieter Egli – heute Co-Fraktionspräsident der SP im Grossen Rat – hat 1998 die Jugendsession organisiert, aus der der Juvenat hervorging. Sie und die Beirätinnen Eva Eliassen (Co-Fraktionspräsidentin der Grünen) und CVP-Grossrätin Trudi Huonder gaben gestern dem Juvenat zum 10. Geburtstag die Ehre.

In ihrer Begrüssungsrede betonte Nationalratspräsidentin Bruderer, sie verfolge das Geschehen im Juvenat mit grossem Interesse. Sie rief die Jungen auf, ihre Stimme zu erheben, ihre Ideen in der Politik einzubringen und Mitverantwortung zu übernehmen, «weil es uns nicht egal ist, in welche Richtung sich Politik und Gesellschaft entwickeln». Sie rief die Jungen – die in allen Parlamenten massiv untervertreten sind – auf, diesen Schritt zu wagen. Themen, die Junge direkt betreffen, gebe es genug: Umgang mit neuen Medien, Killergames, Integration usw. Sie sei froh,dass es den Juvenatgebe, so Bruderer, und weiter: «Im Parlament in Bern hat es noch viel Platz für Junge.»

Aufruf zu Durchhaltevermögen

Dem Juvenat wünschte auch Thierry Burkart eine gute Zukunft. Mit dem zehnjährigen Bestehen habe man jedenfalls bereits die Behauptung widerlegen können, Projekte Jugendlicher hätten keinen langen Bestand. Auch er gratulierte herzlich – auch wenn die Teilnahme am Juvenat schwankend sei. Eine fast etwas euphemistische Formulierung angesichts der wenigen Aktiven an einem verregneten Sonntagmorgen an der gestrigen Herbstsession. Burkart machte den Engagierten Mut: «Es braucht ein Jugendparlament!» Ihnen gab er mit, Durchhaltevermögen
an den Tag zu legen, um in der Politik etwas zu erreichen. Burkart: «Schnorrt uns Politikern drein, zwingt uns zum Zuhören!»

Bühlmann interimistisch Präsident

Am Nachmittag wurde der bisherige Vize Gian Bühlmann (SVP) zum interimistischen Nachfolger des zurücktretenden bisherigen Präsidenten Burak Akyol (FDP) gewählt. Inte-rimistisch deswegen, weil der ganze Vorstand in der kommenden Frühlingssession neu bestellt wird. Im Frühling geht es dann auch um eine Strukturreform des Juvenats. Unter anderem wird laut Akyol diskutiert, ob das Juvenats-Alter von 26 auf 30 Jahre hinaufgesetzt werden soll, um mehr von der Erfahrung Älterer profitieren zu können.